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Tradition und Moderne: Die zwei Gesichter des Gerd Ester

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- Grainau - Er hat Kirchen außen und innen gestaltet, Hotels und Hallenbäder verziert. Gerd Ester, seit 1965 in Garmisch-Partenkirchen ansässiger freischaffender Kunstmaler und Restaurator, gewährt von 2. bis 30. April in der Grainauer Dorfgalerie Einblicke in sein Leben - und nimmt Besucher mit auf "eine Reise durch mehr als 40 Jahre künstlerischen Schaffens".

Ester, 1939 in Padua geboren, durchlief die traditionelle Schule der Malerei. Er ließ sich in den 50er Jahren zum Kirchenmaler ausbilden, besuchte die Abendschule bei Max Kuhn, hatte 1959 in Rosenheim seine erste Ausstellung. Nach seiner Anstellung bei Restaurator Manfred Schmid in Freiburg, machte er sich 1965 selbstständig. Seither erledigt er Aufträge, kann aber auch ohne konkretes Engagement nicht von Leinwand und Pinsel lassen.

"Die meisten Auftragsarbeiten", erzählt Ester über den Inhalt seiner Retrospektive, "entstanden in der alten Tradition." Das heißt, es müssen historische Techniken, Themen und die Wünsche der Auftraggeber auf einen Nenner gebracht werden. Die Vorstellungen der Kunden aber haben sich im Lauf der Zeit häufig gewandelt, unterliegen oft modischen Tendenzen: "Sie dienen heute nicht nur als Zierde, wie etwa Fresken an und in Gebäuden, sondern müssen auch noch Werbecharakter haben."

Unabhängig von diesen Zwängen bedeuten die "freien Arbeiten" für Ester die Möglichkeit, Erfahrungen aus der bekannten Arbeitsweise nach Lust und Laune anzuwenden. "Ich meine, Tradition und Moderne müssen nicht immer im Gegensatz zu einander stehen: Die Kunst darf auch Freude und Farbe in den Alltag bringen." Sie müsse nicht immer zeitkritische, soziologische oder politische Aspekte beinhalten, ohne gleich als oberflächliche Dekoration abgetan zu werden.

In Grainau präsentiert Ester seine beiden - sich durchaus nicht widersprechenden - Seiten: Im ersten Raum zeigt er etwa 20 großformatige Foto-Poster mit seinen "traditionellen" Arbeiten als Kunstmaler und Restaurator. Im zweiten Abschnitt ist "der andere Ester" zu sehen, der zu seinem Vergnügen Aquarelle malt, mit Öl spachtelt. Der sich dort künstlerisch "austobt", wo keine Aufträge ihn einschränken.

Wolfgang Kaiser

Die Ausstellung in der Galerie am Krepbach 4 ist von Dienstag bis Sonntag von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

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