Sie freuten sich über Medaillen im Sprint: (von links) die drittplatzierte Sirin Städler (Schweiz), Siegerin Carla Hahn und die Zweite, Anna Pelligrino (Italien).
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Sie freuten sich über Medaillen im Sprint: (von links) die drittplatzierte Sirin Städler (Schweiz), Siegerin Carla Hahn und die Zweite, Anna Pelligrino (Italien).

Mountainbike-Europameisterschaft der Junioren im Aostatal

Carla Hahn verteidigt ihren Titel, doch vollkommen glücklich ist sie nicht

Die große EM-Woche von Pila im Aostatal (Italien) ist vorüber – und für Carla Hahn verlief sie mit Gold im Sprintrennen sehr erfolgreich. Über eine Medaille in einer anderen Disziplin hätte sie sich aber noch mehr gefreut.

Sindelsdorf – Die 16-jährige Mountainbikerin aus Sindelsdorf kehrt mit einer Goldmedaille, einem weiteren Sieg und einem vierten Platz im Gepäck nach Hause zurück. Eigentlich ist sie mit dieser Ausbeute sehr zufrieden. Doch ein bisschen wurmt sie die Tatsache, dass eine zweite Medaille oder möglicherweise sogar ein zweiter EM-Titel vor allem an der Technik an ihrem Mountainbike gescheitert sind.

Mountainbike: Carla hahn verschafft sich im Einzelzeitfahren eine Top-Ausgangsposition

Hahn startete fulminant in die Rennwoche im Aostatal. Im kurzen Einzelzeitfahren, das der Standort- und Startplatzbestimmung dient, fuhr die 16-Jährige souverän zum Sieg und sicherte sich damit eine Top-Ausgangsposition. Im Staffelrennen verhinderten zwei Stürze im Dreierteam mit Moritz Rombach und Jonas King eine Top-Platzierung, am Ende reichte es lediglich zu Rang 23. Dennoch waren Hahn und ihre beiden Teamkollegen zufrieden.

Mountainbike: Carla Hahn hat beim Sprintrennen nur im Halbfinale Probleme

An Tag drei stand der Eliminator an, ein Sprintrennen, Frau gegen Frau in Viererheats, ähnlich dem Skicross. Hahn ging als Titelverteidigerin in den Wettbewerb, bei der letzten EM vor Corona 2019 hatte sie den Sieg in der Altersklasse U15 in dieser Disziplin geholt. „Dadurch und durch das starke Einzelzeitfahren haben mich alle als Favoritin gesehen und den Sieg regelrecht erwartet“, berichtete Hahn. „Das hat mich selbst dann schon auch ziemlich unter Stress gesetzt.“ Dennoch lieferte sie eine souveräne Vorstellung. Lediglich im Halbfinale verpatzte sie den Start und musste sich zunächst an vierter und damit letzter Position einreihen. Von dort arbeitete sie sich bis zum Ziel aber noch auf Rang zwei vor. Damit war die Teilnahme am Finallauf gesichert. Da lief dann wieder alles rund und Hahn holte den heiß begehrten EM-Titel.

Der Konkurrenz enteilt: Carla Hahn (vorn) war im Sprintrennen nicht zu schlagen.

Mountainbike: Probleme mit der Gangschaltung beim Cross-Country-rennen

Der wichtigste Wettbewerb bei dieser Europameisterschaft war für Carla Hahn jedoch das Cross-Country-Rennen. Ein Platz unter den ersten Fünf war die Vorgabe, eine Medaille oder vielleicht sogar noch mehr waren durchaus nicht unrealistisch. Nach einer starken ersten halben Runde lag die Sindelsdorferin mit der späteren Titelgewinnerin Katrin Embacher aus Österreich gleichauf. „Ich konnte das Tempo locker mitbestimmen und wusste, dass ich bergab stärker bin als sie“, sagte Hahn, „damit schien alles möglich“. Somit wurde aus dem Vorhaben „Top Fünf“ schon auf den ersten Kilometern ein Angriff auf den Titel. Doch dann rutschte der 16-Jährigen der Freilauf durch und sie musste, um einen Kettenriss zu verhindern, Embacher erst einmal ziehen lassen.

Mountainbike: Nach Aufholjagd fährt Carla Hahn vom 15. noch auf den vierten Platz vor

Dieser eine Moment allein hätte wahrscheinlich den Titeltraum noch nicht beendet. Aber Hahn plagten in Folge große Probleme mit der Schaltung. „Ich hatte nur noch drei funktionierende Gänge übrig, und das waren leider nicht die leichten“, berichtete die 16-Jährige. Dadurch wurden bei Hahn die Beine in den steilen Anstiegen schwer und sie fiel auf Rang 15 zurück. Trotzdem gab sie nicht auf. In der dritten und letzten Runde hatte sich ihre Muskulatur wieder erholt. Mit großem Kampfgeist und waghalsigen Manövern bergab arbeitete sie sich so noch auf Rang vier vor. „Das ist eigentlich echt gut, aber es wäre halt mehr möglich gewesen“, haderte sie ein wenig mit der technischen Ausrüstung, die ihr einen Podestplatz vereitelte. Dennoch: Mit der Goldmedaille vom Eliminator-Sprint ist Hahn trotzdem glücklich mit ihrer EM-Woche. So geht sie hochmotiviert in den nächsten Teil der Bundesnachwuchssichtung in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) am kommenden Wochenende. Bis dahin sollte auch die Schaltung an ihrem Gefährt wieder reibungslos funktionieren. Kathrin Ebenhoch

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