EMT übergibt Bundeswehr die Mini-Drohne "Aladin"

- VON WOLFGANG SCHÖRNER Penzberg - Die ersten Härtetests hat "Aladin" schon hinter sich: In Afghanistan nutzten deutsche Soldaten das unbemannte Fluggerät, um das feindliche Umfeld auszuspähen. "Aladin" hat die Probephase bestanden. Entwickelt wurde die Aufklärungsdrohne von der Penzberger Hochtechnologie-Firma EMT. Sie übergab gestern am Standortübungsplatz Murnau-Spatzenhausen das erste Seriensystem an die Bundeswehr. Und sie führte vor, was "Aladin" kann.<BR>

"Aladin" erinnert an ein kleines Modellflugzeug, doch in dem System steckt Hochtechnologie. Ein EMT-Mitarbeiter hält die drei Kilogramm leichte Mini-Drohne, in der zuvor die Flugdaten eingespeist wurden, in der Hand. Er läuft drei Schritte und lässt das Fluggerät los, das schnell an Höhe gewinnt. Die zahlreichen Soldaten auf dem Standortübungsplatz schauen "Aladin" beeindruckt hinterher. Auf einem Monitor verfolgen sie danach die Bilder, die Boden- und Frontkamera der Aufklärungsdrohne in Echtzeit zur Bodenstation funken.

"Aladin wird eine hohe Bedeutung für den Schutz von Leib und Leben unserer Soldaten haben", sagt Generalmajor Wolfgang Korte. Sie gewännen ein realistisches Lagebild und könnten entsprechend agieren. Korte war mehrere Monate als stellvertretender Befehlshaber der internationalen Stabilisierungstruppe in Afghanistan. In dieser Zeit wurde die neue Drohne getestet, unter anderem in Kabul, um die Lage in "problematischen Bereichen" auszukundschaften.

Keine der 36 Nationen in Afghanistan, so Korte, habe ein vergleichbares Gerät gehabt. Das schließt auch die US-Streitkräfte ein. Heeresamt-Chef Korte hat "Aladin" seinem US-Kollegen schon demonstriert. Und der war ihm zufolge beeindruckt.

Ausgerüstet wird die Bundeswehr mit 141 Aladin-Systemen, zu denen je zwei Fluggeräte und eine Bodenstation gehören. Ein komplettes System kostet rund 200 000 Euro. Ausgestattet werden zum Beispiel die Kommandospezialkräfte, Fallschirmjägerbataillone und Fernspähzüge. "In der erdgebundenen Aufklärung gab es bisher eine Lücke. Sie wird heute geschlossen", bestätigte Oberst Frank Rake, Vize-Kommandeur der Panzertruppenschule Munster bei Hamburg.

Gebraucht wird "Aladin" vor allem in Afghanistan und Kosovo. Diese Einsätze hätten schnell klar gemacht, dass die Bundeswehr ein derartiges System für den unmittelbaren Nahbereich benötige, so Werner Sabarz, Direktor des Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung.

Einhelliges Lob erntete gestern die Penzberger Firma EMT, deren größere Aufklärungsdrohne "Luna" für die Bundeswehr schon 1500 Einsätze in Afghanistan und Kosovo geflogen hat. Werner Sabarz ("Es ist ein ganz besonderer Tag und für EMT ein stolzer Tag") sprach insbesondere die nur knapp fünfjährige Zeit von der Entwicklung bis zur Übergabe des Systems an. "Ich bin mir sicher", lobte Generalmajor Korte, "dass EMT auch in Zukunft Spitzenprodukte für uns bereithalten wird." Bescheiden gab sich Hartmut Euer, geschäftsführender Gesellschafter von EMT. "Dass die langjährige Arbeit heute mit der Übergabe des ersten Seriensystems zum Abschluss gekommen ist, darüber freue ich mich."

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