Verena Nolte hat Maßstäbe gesetzt

- Leiterin des Künstlerhauses Villa Waldberta zieht sich zurück

VON A. AMELUNGSE-KURTH Feldafing - Es hagelt Anrufe, Faxe, Briefe und E-Mails in der Villa Waldberta und im Kulturreferat in München. Verena Nolte, seit sieben Jahren Leiterin des Feldafinger Künstlerhauses und im Kulturreferat verantwortlich für die Pflege internationaler Kulturkontakte, hat sich mit einem kurzen Rundschreiben verabschiedet und wird Ende des Monats das Kulturreferat verlassen. Über die Gründe möchte sie sich nicht äußern, schon gar nicht, weil ihr der Abschied schwer fällt. Schließlich hat sie in den sieben Jahren einiges auf die Beine gestellt und dafür gesorgt, dass die Villa Waldberta eine Art "Botschaft" geworden ist, in der Künstler aus aller Welt Kontakte knüpfen.

Nolte ist es zu verdanken, dass das Haus weltoffen geworden ist, vernetzt mit internationalen Kultureinrichtungen wie den Goethe-Instituten und dass die Villa in der Kunst- und Literaturszene so bekannt geworden ist, dass man sich im Kulturreferat vor Bewerbungen kaum retten kann. Von der "Globalisierung" profitieren nicht nur Verleger und Übersetzer, sondern auch die örtlichen Kulturvereine und Künstler, die Verena Nolte stets einbezogen hat. Die Feldafinger Fotografin Barbara Niggl wurde ans Haus gebunden, damit sie auch in Zukunft ihre Künstlerporträts dem Literaturarchiv zur Verfügung stellt, Feldafing wurde "literarisiert", indem sie die wöchentlich stattfindenden Jours fixes für hiesige Kulturschaffende öffnete, Lesungen und Ausstellungen wurden in Feldafing, in der Monacensia oder im Literaturhaus organisiert.

Legendär geworden ist ihr Kosovo-Symposion, mit dem sie auf den Krieg reagierte, indem sie zehn Schriftsteller aus Ex-Jugoslawien an einen Tisch setzte. Daraus ist noch im gleichen Jahr auf der Frankfurter Buchmesse die Gruppe 99 hervorgegangen. Und dann darf man nicht ihre beliebten Sommerfeste vergessen, bei denen Feldafinger, Münchner und internationale Künstler auftraten. 600 Gäste waren beim letzten Sommerfest vor zwei Jahren.

Auch das ist Öffentlichkeitsarbeit, ebenso wichtig wie ein Internetauftritt, den sie mit zahlreichen Portalen vorbereitet hat und der nun vom Kulturreferat abgesegnet werden muss.

Noltes Nachfolger, der am Dienstag bekannt gegeben wird, wird es schwer haben. Solch ein Haus zu leiten, erfordert diverse Fremdsprachenkenntnisse in Wort und Schrift, großes Fachwissen und langjährige Erfahrung im Literaturbetrieb, Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Künstlern und ein Sensorium für das Haus und seine Umgebung. Denn schließlich muss es im Auftrag der Stifterin Berta Koempel weitergeführt werden, die das Haus der Öffentlichkeit zuführen wollte, ohne die Wohnkultur zu zerstören.

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