Verschwörungstheoretiker mit Verbindungen in die rechte Ecke ?

- Vortrag der Zeitschrift Aufklärungsarbeit in Irschenberg geplant

VON MATTHIAS HOLZAPFEL Irschenberg - Einen "heißen Abend" hatte die Zeitschrift Aufklärungsarbeit ihren Lesern garantiert. Der "Erfolgsautor" Wolfgang Eggert sollte morgen, Freitag, unter dem Titel "Israels Geheimvatikan" unter anderem über "die okkulten Machthaber dieses Planeten und über Teile der Vergangenheit, die vielerorts Tabuthema sind", referieren. Inzwischen haben die Wirtsleute des Gasthofes zur Post in Irschenberg, deren Saal die Redaktion mieten wollte, dem Veranstalter mitgeteilt, dass er nicht mehr erwünscht sei. Auch der Kommissariatsleiter Staatsschutz bei der Polizeidirektion Rosenheim hält das Thema für "heikel".

Auf ihren Internet-Seiten kündigt die Zeitschrift einen "exklusiven und einmaligen Vortrag" an, der schon im Vorfeld Aufregung bei Lesern und Behörden verursacht habe. Das Referat von Wolfgang Eggert wäre nicht das erste in der Gaststätte gewesen. Seit Mai lädt die Zeitschrift, die in Schorndorf bei Stuttgart ihren Sitz hat, einmal monatlich über das Internet und die Druckausgabe zu Vorträgen ein. Bislang standen Jo Conrad, Johannes Holey und Barbara Thielmann auf der Referentenliste. Buchautor Holey, der selbst von einem persönlichen Erlebnis mit dem Jesus-Bewusstsein berichtet, ist der Vater des Verschwörungstheoretikers Jan Udo Holey alias Jan van Helsing, dessen beiden Bände mit dem Titel "Die Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert" über 100 000 Mal verkauft wurden, bevor sie in Deutschland und der Schweiz verboten wurden.

Axel Seegers, Mitarbeiter im Fachbereich Sekten und Weltanschauungsfragen des erzbischöflichen Ordinariates in München, rechnet Referenten und Besucher einer "esoterisch-okkulten Szene mit Verschwörungstheorien" zu. Nach seinen Erkenntnissen gebe es von jenen Szenen wohl Verbindungen in den neonazistischen und rechtsradikalen Bereich. Etwa in der Ufo-Szene würden Leute mit radikalen Thesen verkehren. Gekennzeichnet seien die Menschen dadurch, dass sie in der immer komplexeren und komplizierteren Welt, die viele Entscheidungen von ihnen verlange, überfordert seien und sich diesen Szenen anschließen würden. Bisweilen seien diese Menschen in der Gefahr, sich loszulösen von der Realität bis hin zu Wahnvorstellungen. Die Szene sei "durch und durch unseriös", doch Außenstehende könnten bei deren Auftreten in der Öffentlichkeit ihr eigentliches Wesen nicht erkennen.

So ist es auch Maria Theresia Lechner ergangen, die mit ihren Eltern den Gasthof zur Post führt. Sie schilderte die Besucher der Vorträge gestern als "völlig unauffällig". Zwischen 60 und 100 Personen, jung wie alt und "von überall her", hätten die Referate besucht. Nach den Recherchen der Behörden aber werde sie den Saal nicht mehr an die Aufklärungsarbeit vermieten. Für Freitag habe sie den Veranstaltern abgesagt.

Eine Anfrage beim Verfassungsschutz und bei weiteren Dienststellen habe nichts ergeben, berichtete der Kommissariatsleiter Staatsschutz bei der Polizeidirektion Rosenheim. Nach den Themenstellungen sei klar, dass die Zeitschrift "leicht in die rechte Ecke gestellt wird". Die Polizei aber habe keinerlei Erkenntnisse über strafrechtliche Vergehen.

"Wir haben das geprüft, sehen derzeit aber keinen Anlass für Maßnahmen", erklärte Walter Schäfer, Sprecher des Landratsamtes. Bürgermeister Hans Schönauer hat von den Vorträgen nichts gehört. "Alles Weitere muss ich Experten überlassen." Ein telefonischer Kontakt zur Aufklärungsarbeit-Redaktion war gestern nicht möglich.

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