Vortrag über "Neue Medizin" zurückgezogen

Murnau: - Murnau - Die Veranstalter haben reagiert: Nach der Tagblatt-Berichterstattung über einen zweifelhaften Vortrag im Rahmen der am 14. und 15. April stattfindenden Murnauer "Gesundheits- und Naturheiltage" hat es eine Programmänderung gegeben. Der geplante Beitrag des Steingadener Heilpraktikers Josef Sachsalber über die "Neue Medizin" des selbsternannten und umstrittenen Krebsheilers Ryke Geerd Hamer wurde gestrichen. Zudem distanziert sich der ausrichtende Naturheilverein Oberland eindringlich von antisemitischen und rassistischen Äußerungen Hamers.

Wie berichtet, hatten sowohl Landrat Harald Kühn als auch Murnaus Bürgermeister Dr. Michael Rapp nach der Tagblatt-Enthüllung darauf gedrängt, diesen Programmpunkt abzusetzen. Beide Politiker hatten beim Verfassen ihrer Grußwörter für die Veranstaltung nach eigenen Angaben nichts von dem Vortrag über die Hamer-Methoden gewusst. Dieser vorbestrafte Arzt hat einen mehr als zweifelhaften Ruf, seine "Neue Medizin" oder auch "Germanische Neue Medizin" wird von der Forschung widerlegt. Zudem eilt ihm der Ruf des Antisemiten voraus, da er sich nach eigenen Angaben von der "jüdischen Schulmedizin" verfolgt sieht, wodurch Millionen Menschen aus dem "germanischen Volk" umgebracht worden seien (wir berichteten).

In einer Pressemitteilung spricht Michael Biller, Vorsitzender des Naturheilvereins Oberland, von einem "Missverständnis" in der Berichterstattung über die Gesundheits- und Naturheiltage. "Der ursprünglich vorgesehene Vortrag von Josef Sachsalber zum Thema ,Neue Medizin‘ wurde bereits am Freitag abgesagt, nachdem uns das ,Tagblatt‘ über die antisemitische Einstellung des Ryke Geerd Hamer informiert hatte", sagt Biller. "Diese Information war uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt." Und: "Leider wurde dieser Tatsache in besagtem Bericht nicht Rechnung getragen", fährt Biller fort.

Er als auch der Referent Sachsalber selbst hatten im Tagblatt-Gespräch noch am Donnerstag an dem Vortrag festgehalten. Erst am Freitag Nachmittag hat es ein Gespräch zwischen den Veranstaltern und Bürgermeister Rapp gegeben, in dessen Konsequenz der Vortrag abgesagt wurde. Darüber wurden die Medien aber erst gestern informiert. "Wir bedauern sehr, dass ein schlechtes Licht auf den Naturheilverein Oberland gefallen ist und betonen ausdrücklich, dass wir uns von jeglichen antisemitischen beziehungsweise rassistischen Äußerungen distanzieren", so der Vereinsvorsitzende weiter.

Das will Robert Schlittenbauer von der "Schutzgemeinschaft gegen Sekten und Kulte" so nicht ganz glauben. "Wir beobachten Herrn Sachsalber schon seit gut einem Jahr. Er und viele in seinem Dunstkreis sind nicht die Lämmer, die von Antisemitismus nichts wissen wollen", sagt er empört. "Dass sich Heilpraktiker mit soetwas einlassen, ist schon abenteuerlich."

Ähnlich sieht es auch Manfred Neupfleger, Sprecher des "Werdenfelser Bündnis gegen Rechts": "Ich bin erstaunt, dass Bürgermeister und Landrat Grußworte schreiben, ohne zu prüfen, um was für Personen es sich handelt." Aus Sicht des Bündnisses appelliert er deshalb an Veranstalter und Lokale, zu prüfen, "wen ihr euch ins Haus holt".

Noch mehr Brisanz erhält das ganze Thema durch die Tatsache, dass Referent Josef Sachsalber seinen Vortrag über die "Neue Medizin" schön öfters und auch in Murnau schon gehalten hat. Zuletzt im vergangenen Jahr, damals aber noch unter dem Titel "Die Neue Germanische Medizin". Dabei sei es aber laut Biller nie zu Auffälligkeiten oder gar antisemitischen Äußerungen gekommen. "Es geht dabei nicht um Herrn Hamer, sondern um die ,Neue Medizin‘", macht er erneut klar.

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