Die Wege einer unangepassten Frau

- VON FREIA OLIV Feldafing - Man muss sich klar machen, dass man dem Blatt lediglich mit einem Stück verkohlten Strauch gegenübersitzt. Dass daraus ebenso genaue wie stimmungsvolle Portraits entstehen - das ist selbst einem Lothar-Günther Buchheim des uneingeschränkten Lobes würdig. Und so ist diese Ausstellung in der Maffei-Villa eine Huldigung an die Zeichnerin und Malerin, die nun über 40 Jahre nach ihrem Tod zu Ehren kommt: Charlotte Buchheim, Mutter des Feldafinger Malers und Sammlers.<BR>

Nicht nur die Bilder offenbaren des Künstlers Wurzeln. Auch die ganze Lebenshaltung der außergewöhnlichen, ihrer Zeit weit voranschreitenden Frau deckt einen gemeinsamen Wesenzug auf. "Ich bin geprägt in der Opposition", bekannte Buchheim bei der Vernissage am Freitag. "Ich opportunierte nach Kräften auch gegen die Mama. In friedlicheren Zeiten malten wir dann oft Schulter an Schulter."<P>Charlotte Buchheim (1891-1964), Tochter aus gutem Thüringer Hause, lebte in Chemnitz. Die Geburt des unehelichen Sohnes Lothar-Günther 1918, die Geburt des späteren Feldafinger Bürgermeister Klaus 1920, stürzten sie in eine Misere. Nur zwischen 1926 und 1930 war ihr privat das Glück hold: Die Ehe mit Paul Heinrichs endete allerdings, als er sie nach dem Konkurs seiner Eisengießerei verließ. Die nachfolgenden Jahre sind hart, trotzdem bleibt Charlotte bei der Kunst. Nachdem Frauen damals noch nicht auf der Akademie zugelassen waren, hatte sie privaten Unterricht bei Ferdinand Dosch und Johannes Ufer in Dresden. "Wenn Mama ins Museum kam, gab es Großalarm", beschreibt Lothar-Günther die resolute Frau, die - ganz im Gegensatz zu ihm - mehr den Impressionisten und so gar nicht dem Expressiven verhaftet war.<P>Fruchtbare<P>Zusammenarbeit<P><P>Dass die Zusammenarbeit von Mutter und Sohn dennoch äußerst fruchtbar waren, nicht nur im Sinne einer gemeinsamen Widerborstigkeit, das betonte bei der Eröffnung Finanzminister Kurt Faltlhauser. Es ist auch in den rund 120 Bildern offensichtlich: Wunderbare Portraits von Alter und Arbeitern, Sozial- und Persönlichkeitsstudien gleichermaßen, werden mit feinstem Strich festgehalten und stimmig mit Weißhöhungen akzentuiert. Die Zeichnungen verraten den akkuraten Blick und die zielsichere Hand - die später immer mehr in Richtung Farben tendierte. Bunte Blumensträuße und ab 1942 auch die Ausblicke auf Feldafinger Landschaft säumen die Wege einer unangepassten Frau, die ihre Leben zwar in diversen Heimen beendet - aber nie mit dem Malen aufgab.<P>Charlotte Buchheim geöffnet freitags bis sonntags 14 bis 18 Uhr in der Villa Maffei<P>

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