Wenn ein Segler zur Feder greift

- Hellmut Hintermeyer schreibt nach Jahren der Seefahrt Bücher

VON MICHAEL GRETSCHMANN Schongau - Das Meer, die Schifffahrt und Segeln - damit hat sich Hellmut Hintermeyer aus Schongau ein Leben lang befasst. Mittlerweile ist er schon über 84 Jahre alt und hat drei Bücher geschrieben. "Und das vierte ist in Vorbereitung", kündigt der rüstige Senior an. Besonders stolz ist er darauf, dass er in all seinen Segeljahren nie eine Havarie gebaut hat: "Es ist alles glatt gegangen".

In München aufgewachsen, war der Kleinhesseloher See schon in seiner Kindheit sein Lieblingsaufenthalt. Dort hat der kleine Hellmut die ersten selbstgebastelten Segelboote schwimmen lassen. Im Alter von 16 Jahren ist er mit Mietbooten am Tegernsee mitgesegelt. 1947 erfolgte der Umzug nach Schongau zur vorübergehenden Übernahme des Kfz-Betriebs seines Onkels. Zu dieser Zeit kaufte Hellmut Hintermeyer (gelernter Maschinenbauer) die rudimentären Bestandteile eines Faltbootes, das er mit Segel aus einem Bettlaken ausstattete. Die Wochenenden wurden jeweils beim Segeln am Ammersee verbracht.

Es folgten Segelkurse in Dießen (1948) und Glücksburg/Ostsee (1955) - mit praktischer Prüfung bei einem achttägigen Segeltörn. 1964 nahm Hintermeyer an einem Nordseetörn nach Norwegen und einer Regatta rund um Helgoland teil. Der Wunsch, selbst Seetörns zu segeln, wuchs schnell. In Lemwerder bei Bremen erwarb er eine Hansajolle. Die hatte bereits eine Minikajüte zum Übernachten.

Drei Jahre später kaufte Hellmut Hintermeyer eine "Waarship" 710, die er selbst ausbaute. Er erwarb den Segelschein B 2 (für große Küstenfahrt) und machte den ersten selbständigen Ostseetörn als Skipper.

1970 kam auch noch das Bodensee-Schifferpatent dazu. Die Waarship wurde verkauft und eine hochseetüchtige "Vega 27" mit Einbaumotor erworben. In den folgenden Jahren beteiligte sich Hintermeyer an den Fahrtenwettbewerben der Kreuzerabteilung (viermal Bronzemedaille und eine Silbermedaille).

1980 erwarb der Schongauer in Eignerschaft mit einem guten Freund sein achtes und letztes Boot - eine hochseetüchtige "Scalar 28".

1981 ist Hintermeyers erstes Büchlein erschienen. Der Titel: "Klar zum Seetörn". Seitdem schreibt er auch in der Zeitschrift des Deutschen Hochseesportverbandes ("Der blaue Peter") regelmäßig einen Beitrag über nautische Themen. Hierzu war ein intensives Studium der Seefahrtsgeschichte nötig. Als Crewmitglied nahm Hintermeyer auch an einem Nordseetörn der norwegischen Bark "Statsraad Lehmkul" teil. Das war 1995.

Mit achtzig Jahren beendete Hellmut Hintermeyer die aktive Seglerei - mit 25 000 Seemeilen auf Ost- und Nordsee. Im gleichen Jahr erschien sein Buch "Schiffskatastrophen" (von der spanischen Armada bis zum Untergang der "Pamir"). 1999 nahm er noch auf einem modernen Frachtschiff an einer Reise nach Finnland teil, um die Seefahrt auch von dieser Seite kennenzulernen.

Im Jahr 2000 veröffentlichte Hintermeyer sein Buch "Die See war ihr Zuhause". Darin wird das Schicksal großer Kapitäne und Entdecker geschildert. Zur Zeit arbeitet der 84-Jährige an seinem vierten Buch "Rätselhafte See" (über Untergänge, Aberglaube, Phänomene und Legenden).

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