Wenn der überzeugte Sozi mit den Schwarzen . . .

- VON JOHANNES DANNER Parsdorf - "Ich bin ein Preiß, aber wenn die Bayern nicht nach Berlin kommen, müssen wir hierher kommen." Gut drauf - zumindest am Anfang - war Sönke Petersen am Sonntagabend beim ersten Martinsgansessen, zu dem der CSU-Ortsverband Vaterstetten-Parsdorf ins Gasthaus "Zur alten Post" nach Parsdorf geladen hatte.<BR>

Herbstlich - nicht adventlich - geschmückt waren die zwölf Tische im großen Wirtssaal, als Petersen, langjähriger stellvertretender Chefredakteur der Münchner Abendzeitung (AZ) seinen Auftritt hatte.<P>Leider blieb der Referent, den CSU-Ortsvorsitzender Gerald Fuchs so vollmundig angekündigt hatte ("Journalist von echtem Schrot und Korn"), hinter den Erwartungen seines Publikums zurück, dem Petersen oft gehörig um den (schwarzen) Bart ging: "Obwohl ich im Herzen ein überzeugter Sozi bin, konnte ich es mit den Schwarzen immer besser." Ex-Kultusministerin Monika Hohlmeier und ihr Mann Michael nahmen`s wohlwollend zur Kenntnis - nicht zuletzt auch deshalb, als Sönke Petersen von seinen ersten Interviews mit Franz Josef Strauß erzählte. Damals, Anfang der 70er Jahre, habe er FJS im Flugzeug kennengelernt und von ihm erfahren, wie man garantiert bei jeder Frau landet: "Natürlich mit geputzten Schuhen!"<P>Mit Strauß` Nachfolger Edmund Stoiber scheint Petersen weniger am Hut zu haben. Frei nach Thomas Manns "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" bezeichnete der "Jornalist von echtem Schrot und Korn" Stoibers Verhalten in den vergangenen Wochen als "schnöden Rückzug vom Hinzug nach Berlin".<P>Ohne Theater und Show gehe es bei westdeutschen Nachrichten nicht. Deshalb würden zur Übermittlung von Informationen für Politiker regelrechte Drehbücher geschrieben. Besonders wichtig sei dabei die "Location", von der aus der Politiker seine Botschaften an den Wähler bringe. Am Beispiel der designierten Kanzlerin Angela Merkel machte Petersen eine Reihe weiterer Kriterien für einen erfolgreichen Politiker deutlich: Flotte Sprüche, sich etwas schräg zur eigenen Partei profilieren und - im Falle von Angela Merkel - die Frisur von Starfigaro Udo Walz verfeinern lassen.<P>Die Frage, wer in einer Zeit zunehmender Abhängigkeiten zwischen Politikern und Medien nun wen verführt, konnte selbst der Medienprofi von der AZ nicht so Recht beantworten. Das galt auch für die aktuelle politischen Großwetterlage, die Sönke Petersen an diesem Abend nahezu völlig ausklammerte - ein Mann, der 34 Jahre lang die Hauptakteure in Bonn bzw. Berlin hautnah miterlebt hatte . . .<P>

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