Ein Westfale mit bayerischem Temperament

- Früherer Merkur-Chefredakteur Werner Giers wird 75

Er hat sich nicht verändert: Die aufrechte Haltung, der aufmerksame Blick, die Fähigkeit, all die Dinge, Fakten, Gedanken, Worte schnell zu bewerten und richtig einzuordnen. Werner Giers wird am heutigen Freitag 75. Er wird an diesem Tag so genussvoll an seiner Zigarre ziehen wie damals als Chefredakteur und Mitherausgeber des Münchner Merkur.

Als er mit 67 seine Aufgaben Jüngeren überließ, hatte er sich einen Ruf wie Donnerhall erworben - bei Politikern, sogenannten Würdenträgern, Funktionären und Hunderttausenden von Lesern, die in ihm ihr Sprachrohr sahen. Diese journalistische Autorität war und ist die Ernte einer außergewöhnlichen Lebensleistung, zustandegekommen aus Begabung und unermüdlichem Arbeitseinsatz bis in die Details. Er wusste, dass sich ein Zeitungsmacher den Erfolg täglich neu verdienen muss.

Werner Giers, geboren in Hamm/Westfalen, wurde mit 31 Jahren Chefredakteur, zunächst bei der Regionalzeitungsgruppe Zeno, dann zusätzlich bei den Westfälischen Nachrichten. Mit 55, in einem Lebensabschnitt, in dem andere in Rente gehen, holte ihn der Verleger Dirk Ippen zum Münchner Merkur und seinen Heimatzeitungen. Er sollte die Auflage steigern und den Ruf des Blattes verbessern.

Ein Westfale bei einer Zeitung mit ausgeprägtem bayerischen Lebensgefühl? Manche Experten waren skeptisch. Aber Werner Giers passte punktgenau nach Bayern - mit seinem Temperament, seinem Misstrauen gegen jegliche Art von Obrigkeit, seinem Interesse für die Bürger. Er forderte Respekt für die Leistung aller, seien es Bauern, Handwerker, Ärzte oder Kellner.

Gleichsam nebenbei empfing er Ehrungen und Orden: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, Bayerischer Verdienstorden, Verfassungsmedaille und den Sparlöwen des Bundes der Steuerzahler. Gefragt war er als Gastredner, vor allem auf Bauernversammlungen.

Und mehr noch: Werner Giers gewann die anhaltende Sympathie der Leser. Viele erkennen ihn, wenn er am Kiosk Zeitungen kauft oder in einem Café das Treiben auf sich wirken lässt. Mit ihm kann man wie immer engagiert diskutieren - falls man mithalten kann.

Glückwunsch! So soll`s noch lange bleiben!chr

Auch interessant

Kommentare