Der Seeshaupter Nils Sternbeck (2. von links) und seine Crew vom Bayerischen Yacht-Club fielen mit der letzten Wettfahrt aus den Top Drei.
+
Knapp am Podest vorbei: Nils Sternbeck (2. von links) und seine Crew vom Bayerischen Yacht-Club fielen mit der letzten Wettfahrt aus den Top Drei. Entsprechend enttäuscht war der Seeshaupter hinterher.

Segeln - Seeshaupter hadert mit Platz vier beim Bundesliga-Start in Überlingen

Nils Sternbeck kommt sich vor wie im Spielcasino

  • VonChristian Heinrich
    schließen

Hätte es diese verflixte letzte Wettfahrt nicht gegeben, wäre der Bundesliga-Start für den Seeshaupter Nils Sternbeck optimal verlaufen. Doch der Wind machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Seeshaupt – So ein vierter Platz fordert von jeher das diplomatische Geschick der Verantwortlichen. Da der Sieger im Normalfall alles bekommt, dürfen sich seine zwei härtesten Konkurrenten wenigsten für ein paar Augenblicke im Glanz an seiner Seite sonnen. Dem Vierten bleibt dagegen nur der Blick aufs Podium und damit der Hader, es um Haaresbreite nicht geschafft zu haben, wenigstens noch einen Trostpreis einzuheimsen. Ilja Wolf wollte von solchen Gefühlen allerdings nichts wissen. „Ich bin rundum zufrieden“, kommentierte der Teamchef aus dem Bayerischen Yacht-Club Starnberg (BYC) den vierten Platz seiner Crew beim Auftakt der Segel-Bundesliga in Überlingen am Bodensee. „Ich hätte das vorher sofort unterschrieben.“

Segeln: Sternbeck vor der letzten Wettfahrt auf Platz drei

Seine Mannschaft, die unmittelbar ins Geschehen involviert war, sah das naturgemäß ein wenig anders. Über das gesamte Wochenende bewegte sie sich zwischen den äußersten Extremen. Vier von sieben Wettfahrten hatte sie gewonnen, einmal war sie Fünfte und zweimal Sechste geworden. Vor allem der zweite sechste Platz im siebten und letzten Rennen schlug sich bei den vier Seglern aufs Gemüt. Zuvor hatten sie im Gesamtklassement an dritter Stelle gelegen, dann waren sie raus aus den Top Drei. „Es war für uns wie ein Dolchstoß, dass wir nicht aufs Treppchen gekommen sind“, räumte Nils Sternbeck so unverblümt ein, wie das eben 20-Jährige so machen und auch tun dürfen, wenn sie einen Stich mitten ins Herz bekommen haben.

Segeln: Flaute macht Sternbeck und seine Konkurrenten zu schaffen

Der ehemalige Segler des Yacht-Clubs Seeshaupt, der seit ein paar Jahren in der Nordbucht des Starnberger Sees einen neuen Heimathafen gefunden hat, durfte sich zurecht auf nicht ganz faire Weise besiegt fühlen. Über das gesamte Wochenende hinweg hatte die schwierige Wetterlage über Überlingen das Nervenkostüm der 18 Bundesligisten strapaziert. Meist wartete das Feld vergeblich auf den Wind, und wenn sich schließlich etwas rührte, dann glich das Ganze einer Lotterie.

„Man musste den Wind suchen“, beschrieb Sternbeck seine Aufgabe an Bord. Zum Glück hatte der Taktiker mit Veit Hemmeter einen Steuermann und Scout neben sich, der am Bodensee aufwuchs und mit den hiesigen Grundgesetzen vertraut ist. „Man musste von der einen Böe zu anderen gehen“, nannte Sternbeck die Devise, die sich in der Regel auszahlte. Nur im letzten Rennen, als die Bayern gleich von Anfang an in Führung lagen, funktionierte das Böen-Hopping auf einmal nicht mehr, weil in dem Abschnitt, wo das Team umherdümpelte, nicht so viel Wind wehte wie auf der anderen Seite, wo sich das Feld absetzte.

Man spielt Fußball auch nicht auf einem schiefen Acker, weil keine Zeit war, ein Spielfeld aufzubauen.

Nils Sternbeck.

Auf dieses letzte Rennen, das von der Wettfahrtleitung in allerletzter Minute angesetzt wurde, hätte Sternbeck gerne verzichtet. „Mir kam es so vor, als ob auf Teufel komm raus etwas durchgeboxt werden sollte“, beschwerte er sich. Inkonstanter Wind, und dann noch ein verkürzter Kurs – da hätten die Teams gleich ins Spielcasino nach Konstanz gehen können. „Man spielt Fußball auch nicht auf einem schiefen Acker, weil keine Zeit war, ein Spielfeld aufzubauen“, sinnierte der Taktiker.

Der vierte Platz zum Auftakt war für die Beteiligten zwar ärgerlich, aber er ist keine Bleitonne, die das Team für den Rest der Saison nach unten zieht. „Es ist alles offen“, so Sternbeck, der optimistisch den fünf kommenden Spieltagen entgegenblickt. Der jungen und ambitionierten Crew des BYC haben sich Veteranen wie Hemmeter oder Fabian Kaske angeschlossen, die mit ihrer Erfahrung die jugendlichen Draufgänger bereichern. „Dass einige von den Alten wieder dabei sind, ist wirklich ein Geschenk“, ist Sternbeck überzeugt, dass die Bayern nun eine schlagkräftige Mischung an Bord haben.

Segeln: Favorisiertes Team aus Kiel lässt sich von Wetterkapriolen nicht beirren

Mit ihnen ist es vielleicht möglich, dem Favoriten, das ONE-Team aus Kiel, Paroli zu bieten. Die coolen Hanseaten, die sich von den Wetterkapriolen über dem Bodensee überhaupt nicht beirren ließen, haben den Vorteil, dass ihr Klub nur zu dem Zweck gegründet wurde, ambitionierten Seglern den Sport auf höchstem Niveau zu ermöglichen. Gewachsene Vereinsstrukturen wie sie bei den übrigen 17 Erstligisten bestehen, sind den Kielern fremd. „Wir können uns nicht nur auf die Bundesliga konzentrieren, weil wir noch 999 andere Mitglieder haben, denen wir auch noch Angebote ermöglichen müssen“, spricht Sternbeck von ganz anderen Voraussetzungen in seinem Klub.

Segeln: Florian und Nicolas Krauß aus Seeshaupt müssen Lehrgeld bezahlen

Zu jenen Mitgliedern gehören auch die Jugendlichen, die im Idealfall über die Deutsche Junioren-Liga an die Bundesliga herangeführt werden. Auch Nils Sternbeck ging diesen Weg. Mit Florian und Nicolas Krauß folgen ihm zwei weitere Seeshaupter, die beim Chiemsee Yacht-Club angeheuert haben. Die beiden Brüder landeten bei ihrer gemeinsamen Bundesliga-Premiere mit ihrem Team an letzter Stelle. „Das ist gar keine Schande, wenn man jetzt einen Schuss vor dem Bug gesetzt bekommt“, spricht Sternbeck den Novizen nach diesem heilsamen Schock seinen Trost aus, da sie sich in ein echtes Haifischbecken gewagt haben. „Daran muss man halt wachsen“, ermutigt er sie. „Kopf hoch, und weiter geht’s.“ Im Prinzip liegen der vierte und der letzte Platz gar nicht so weit auseinander.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare