Wiesn-Skandal: Gericht degradiert Prügelpolizisten

- Schlussstrich unter Dienst-Affäre

VON BETTINA LINK Das Verwaltungsgericht München hat am Montag nach viereinhalb Jahren einen Schlussstrich unter den Polizeiskandal beim Oktoberfest 1998 gezogen. Die für Disziplinarverfahren zuständige 19. Kammer hat einen der "Prügelpolizisten" von der Wiesn-Wache, den 37-jährigen Matthias S., zum Polizeimeister degradiert. Das Bayerische Oberste Landesgericht hatte vor einem Jahr die zehnmonatige Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt bestätigt.

1998 war eine Gruppe von Wiesn-Polizisten, die auf dem Oktoberfest harmlose Besucher misshandelt hatten, in die Schlagzeilen geraten. Der damalige Einsatzleiter Thomas W. musste den Dienst als gesetzliche Folge seiner Strafe von über einem Jahr quittieren. Das Landgericht hatte den mittlerweile 36-Jährigen zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Weil die Strafe von Matthias S. milder ausfiel, kam der 37-Jährige mit einem Disziplinarverfahren davon. Zwei weitere Beamten hatte das Landgericht frei gesprochen.

Vor dem Verwaltungsgericht beteuerte Matthias S., ihm sei während der psychotherapeutischen Aufarbeitung seines damaligen Verhaltens "klar geworden, dass man so nicht handeln darf". Dem 37-Jährigen hatte das Gericht vor allem zur Last gelegt, dass er nicht gegen seinen Vorgesetzten eingeschritten war, als dieser mehrere Wiesn-Besucher misshandelte. Dabei ginges vor allem um den Fall des Physikstudenten Florian H., der durch zahlreiche Schläge und Tritte schwere Verletzungen erlitten hatte, und den Fall des Rechtsanwaltes Hendrik S., den die Beamten im Würgegriff über die Wiesn geschleppt hatten.

"Heute würde er einschreiten", versicherte der Anwalt von S. dem Verwaltungsgericht. Dies zeige auch das "sehr gute Persönlichkeitsprofil" des 37-Jährigen, das aufzeige, dass sich S. "charakterlich stabilisiert" habe. Von einer "Entfernung aus dem Dienst" könne daher abgesehen werden. Das sah auch die 19. Kammer so und beschränkte die Beförderungssperre für Matthias S. auf zwei Jahre.

Der Polizeiskandal hat die Münchner Gerichte jetzt mehrere Jahre beschäftigt. Gegen das Urteil des Amtsgerichts im Juli 2000 hatten Staatsanwaltschaft und Angeklagte Berufung eingelegt. Es folgte der Prozess vor dem Landgericht im Mai 2001. Rechtskräftig wurde das Urteil der Zweitinstanz aber erst, als das Bayerische Oberste Landesgericht im April vergangenen Jahres die Revision der Staatsanwaltschaft verwarf.

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