Witziger Werbewichtel

- VON CHRISTIANE PÜTTER Stehen zwei Männer herum und lesen Zeitung. Es entspinnt sich folgender Dialog: "Hier steht: Rund neun Prozent der Männer reden aneinander vorbei!" - "Ach?" - "Neun!" - "Doch nicht?"<BR>

Solche Wortwechsel sind typisch für Herrn Scheffe. Herr Scheffe ist der bebrillte kahlköpfige Held in Peter Böhlings Comics aus dem alltäglichen Arbeitsleben. "Auf den ersten Blick entspricht er dem Klischee vom autoritären Vorgesetzten, aber eigentlich hat man Mitgefühl, weil Herr Scheffe in seiner naiven Art alles missversteht", grinst der Cartoonist. Seine Comics sind jetzt in der Galerie von Susanna Berr am Lenbachplatz 7 zu sehen, die sich als Ausstellerin von James Rizzi einen Namen gemacht hat.<P>"Dabei hatte ich eigentlich nie vor, Cartoonist zu werden", erzählt Peter Böhling. Der 33-Jährige, dem immer ein Lachen aus den Augen blitzt, hatte die Figur vor fünf Jahren für einen Kreativ-Wettbewerb entwickelt. Er arbeitete damals bei einem Fachmagazin für die Werbebranche, in dem der Scheffe schließlich jede Woche erschien.<P>Die Ideen für seine Dialoge ("Unsere Unternehmenskommunikation beruht auf drei Grundprinzipien: Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz." - "Warum das?" - "Sag ich nicht") kommen Böhling meist, wenn er Managern zuhört. "Da werden so viele Phrasen gedroschen, man muss einfach nur die Ohren offen halten", sagt er.<P>Seit anderthalb Jahren arbeitet der junge Münchner mit dem buschigen braunen Pferdeschwanz als freier Journalist und Zeichner, im September vorigen Jahres erschien sein erstes Buch "Herr Scheffe & die Werbewichtel". Wobei er findet, er könne eigentlich gar nicht zeichnen. Sein kahlköpfiger Kauz entsteht denn auch am Computer. "Herr Scheffe ist wahrscheinlich der einzige Cartoon, der aus rein symmetrischen Formen besteht", überlegt er.<P>Dass der Scheffe nun auf dem freien Markt ist, hat einige Wirtschaftstitel auf den Plan gerufen. Böhling ist im Moment am Verhandeln. Außerdem zierte sein tragikomischer Held eine Werbe-Kampagne von American Express in der "Zeit".<P>Pläne macht Peter Böhling nicht. Als er nach angefangenem Philosophie-Studium und diversen Jobs als Illustrator und Dekorateur, in Marktforschung und Werbung sein Soziologie-Diplom abbrach, um Journalist zu werden, ahnte er noch gar nichts vom Herrn Scheffe.<P>Träume hat er schon: "Für eine Million die Rechte an dem Comic verkaufen, den ganzen Tag im eigenen Haus sitzen und nix mehr arbeiten." Ob er denn den Scheffe nicht vermissen würde? "Doch, schon", sagt er. Kratzt sich hinterm Ohr und überlegt: "Ich könnte mich ja dann in der Firma von dem Rechte-Inhaber anstellen lassen und weiter zeichnen."<P>Mit seinem Herrn Scheffe teilt der Cartoonist nicht nur die etwas stämmige Statur. "Eigentlich beneide ich ihn, dass er so grad raus sagt, was er denkt", sinniert er. Wer in der Marketing-Branche als wichtiger Kreativer gefeiert wird, der ist für Herrn Scheffe eben nur ein Werbewichtel.<P>Einer von denen erzählt im Comic, er habe es geschafft: Reich sei er, erfolgreich noch dazu und obendrein beliebt. "Und das, obwohl es in der Branche eine ganze Reihe von Neidern, Banausen und Angebern gibt!" Antwortet Herr Scheffe: "Sie sind eben der Größte."<P><P>

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