Das "Ziegen-Hilton" von Oberbayern

- VON DIANA MILLGRAMM Oberlohe - Als Löwenfutter sind die ersten Burenziegen aus Südafrika nach Stuttgart gekommen. Die gelieferten Geißen hatten den Matrosen jedoch so leid getan, dass sie von ihnen gerettet wurden. Kein drakonisches Schicksal haben die Burenziegen bei Familie Seisenberger in Oberlohe zu erwarten, wie Christine Seisenberger lachend betont: "Unsere Tiere sind schon fast Familienmitglieder."<BR>

<P>Christine Seisenberger ist es auch zu verdanken, dass 1994 die ersten beiden Ziegen "Mona" und "Lisa" bei den Seisenbergers Einzug gehalten haben. Zwergziegen hatte sie haben wollen, aber da sei ihr Mann Konrad Seisenberger dagegen gewesen. Mehr zufällig sei man dann auf die außergewöhnliche Rasse gestoßen, die von der Hottentotten-Ziege abstammt. <P>Diese gelten als besonders pflegeleicht, da die Jungen vier bis fünf Monate bei der Mutter bleiben. "Der Vorteil gegenüber Kühen ist vor allem, dass man sie nicht melken und zu speziellen Zeiten da sein muss", erläutert Seisenberger seine Entscheidung. Nur manchmal müsse man in den ersten 14 Tagen zufüttern, das sei dann stressig. "Aber gerade Flaschenkinder gebe ich nicht her", fällt Christine Seisenberger ihrem Mann ins Wort.<P>Mit cirka 50 Jungen im Jahr ist der Betrieb, um den sich vor allem die Ziegen-begeisterte Christine kümmert, der größte bayerische Zuchtbetrieb dieser Art. "Wir sind eigentlich das Ziegen-Hilton von ganz Oberbayern", begeistert sich die 41-jährige für den eigenen Hof. Es sei schon schockierend, was man teilweise in anderen Betrieben zu sehen bekäme. "Da sitze ich oft abends im Stall bei den Ziegen und denk mir: Mädels, ihr wisst gar nicht wie gut ihr es habt." Bei der Oberloher Burenziegen-Zucht wisse man genau was Ziegen wollen: Die Tiere können raus und rein, wie sie möchten, haben eine in Deutschland einzigartige Fütterungsanlage, die nach Bedarf Futter abgibt, und werden von ihren Menschen geliebt.<P>Allerdings sind die Ziegen nicht mit Haustieren vergleichbar. Aus diesem Grund geben die Seisenbergers auch keine Einzeltiere ab. "Ziegen sind Herdentiere und werden als Haustiere meist nur kurzfristig gehalten", erläutert die Züchterin. Vor allem an andere Züchter würden sie Tiere abgeben. So seien Oberloher Burenziegen sogar schon bis nach Brasilien gereist, berichtet sie stolz. Nützlich seien Ziegen auch für die Landschaftspflege, so müssten Schäfer heute immer einen gewissen Anteil Ziegen mit sich führen, da diese im Gegensatz zu Schafen die Sträucher niedrig halten würden. <P>Ihre hohe Intelligenz beweisen die Burenziegen immer wieder aufs Neue. "Wenn ich Reparaturen am Zaun vornehme, wissen die genau, dass jetzt kein Strom drauf ist, und springen schon mal drüber", so Seisenberger. Die Ziege "Lisa" sei besonders pfiffig. Als eines ihrer Kitze verkauft wurde, schnappte sie sich einen Hundert-Mark-Schein und war auf und davon, erzählt Christine Seisenberger lachend. "Das hielt sie wohl für ihren gerechten Anteil."<P>

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