Prozess vor dem Amtsgericht

13-Jährige geschwängert: Dauerarrest für Kindsvater

Schongau - Eine 13-Jährige und ein 17-Jähriger freunden sich via Internet an. Sie haben Sex, die Sechstklässlerin wird schwanger. Jetzt muss der Kindsvater, ein Schongauer, hinter Gitter.

Übers Internet haben sich der 17-Jährige und die 13-Jährige im November 2009 kennengelernt. Sie haben sich ein paar Mal getroffen und an Silvester miteinander geschlafen. Danach hatten sie wohl noch ein, zwei Mal Geschlechtsverkehr. Dann wollte er nichts mehr von ihr wissen und brach den Kontakt ab.

Die Treffen blieben nicht folgenlos: Das Mädchen, das damals die sechste Klasse besuchte, war schwanger. Ende des Jahres 2010 kam die gemeinsame Tochter zur Welt.

Dass sie ein Kind von ihm erwarte, davon habe er im April erfahren, sagte der junge Mann, der damals - wie das Mädchen - in München lebte und inzwischen in Schongau wohnt, vor dem Weilheimer Amtsgericht, wo er sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten musste. „Ich wusste nicht, wie alt sie ist, sie sagte, sie sei 16 Jahre alt“, rechtfertigte sich der Angeklagte.

Das Mädchen war in Wahrheit aber erst 13 und damit fielen sexuelle Handlungen mit ihr unter den Straftatbestand „sexueller Missbrauch von Kindern“. Zudem wurde dem heute 20-Jährigen in der Anklageschrift zur Last gelegt, die werdende Mutter im Laufe des Jahres 2010 bedroht, beleidigt und geschubst zu haben.

„Ich habe ein paar Ausdrücke gesagt“, räumte der junge Mann ein, bestritt aber die Körperverletzung und die Bedrohung: Er habe die Mutter seiner Tochter lediglich „mit einer Hand zur Seite getan“, als sie sich ihm in den Weg gestellt habe, und nie gedroht, sie zu töten.

Dass sie ihm ein falsches Alter genannt hat, gab auch die Münchnerin in ihrer Zeugenaussage zu: „Ich habe ihm gesagt, dass ich 14 bin.“ Und ihre Mutter, eine 40-jährige Münchnerin, räumte vor Gericht ein, dass ihre Tochter damals älter ausgesehen habe, als sie tatsächlich war.

Wenn der Vater ihres Enkelkindes zu Besuch war, dufte er im Zimmer der damals 13-Jährigen übernachten, wo noch die Kuscheltiere versammelt waren. Sie habe nichts dagegen gehabt, weil ihre Tochter behauptet habe, das Verhältnis zum Angeklagten sei nur freundschaftlich.

„Im Nachhinein weiß ich es auch besser“, sagte die 40-Jährige auf das verwunderte Nachfragen von Richter Michael Eberle.

Ihre Tochter - so berichtete die Mutter vor Gericht - habe ihr von einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen dem Schongauer und ihr erzählt: „Sie hatte blaue Flecken am Bauch und rote Flecken am Hals“, so die Mutter und Großmutter. Ihre Tochter hatte sich mit den Verletzungen in ärztliche Behandlung begeben.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass der Schongauer die Mutter seines Kindes geschlagen, bedroht und beleidigt hat und verurteilte den jungen Mann wegen Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung und sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Woche Jugendarrest in Form von Dauerarrest, 56 Stunden soziale Dienste, zusätzlich muss er drei negative Drogenscreenings abliefern. Der Angeklagte habe zwar nicht gewusst, dass die Münchnerin jünger als 14 ist, hätte es aber wissen können und müssen, so Eberle in der Begründung des Urteils. Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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