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Eine Königypython ist eine beliebte Hausschlange.

Überraschende Entdeckung bei Einsatz

14 Schlangen in Schongauer Wohnung

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Schongau - Es war ein Routine-Einsatz für Polizei und Rettungskräfte, wurde dann aber zu einem ungewöhnlichen Ereignis: In einer Schongauer Wohnung wurden 14 Schlangen und vier Skorpione entdeckt. Offenbar hat der Besitzer alle Tiere ordnungsgemäß gehalten. Den Behörden bescherte der Fall am Tag nach Neujahr aber viel Arbeit.

Wegen einer psychischen Ausnahmesituation sollte ein Schongauer am Sonntagnachmittag in eine Klinik gebracht werden. Das kommt öfter vor, ist für Polizei und BRK keine Besonderheit. Neben einem Notarzt und einem Rettungswagen für den Transport ist für solche Fälle auch eine Polizeistreife vor Ort. „In diesem Fall sogar zwei, weil die Kollegen keinen anderen Einsatz hatten“, sagt Vize-Polizeichef Manfred Maier. Schließlich könne man nie ausschließen, ob die abzuholende Person nicht doch ausrastet oder sich nicht mehr in der Wohnung befindet und gesucht werden muss.

Bei dem Einsatz in der Schongauer Mozartstraße verlief alles nach Plan. Allerdings gab es für die Beamten eine anderweitige „unerfreuliche Überraschung“, wie Maier es ausdrückt: In der Wohnung befanden sich in zahlreichen Terrarien 14 Schlangen und vier Skorpione. „Das ist absolut außergewöhnlich“, sagt Maier.

Für die Polizisten stellte sich die schwere Aufgabe zu beurteilen, ob die Tiere gefährlich sind und ob der Schongauer die Reptilien überhaupt halten durfte. „Es ist im ersten Moment nicht ausgeschlossen, dass etwas Verbotenes dabei ist“, so Maier.

Bei der Prüfung sind theoretisch zahlreiche Behörden beteiligt. Will jemand ein geschütztes Tier halten, muss er die Abteilung Artenschutz an der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt informieren. „Wir prüfen, ob das legal ist“, sagte ein Sprecher. Das passiere, anders als man vermuten könnte, durchaus häufig.

Nur gefährliche Tiere müssen genehmigt werden

Noch wichtiger ist allerdings die Frage nach gefährlichen Tieren. Deren Haltung muss bei der örtlichen Kommune, in dem Fall der Stadt Schongau, beantragt werden. „Das passiert relativ selten, vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr“, sagt der zuständige Mitarbeiter Martin Keßler. Schließlich gebe es offizielle Listen mit gefährlichen Tieren, die im Internet zu finden sind und sich an den Paragrafen 37 des Landesstraf- und Verordnungsrechts anlehnen. Auf dieser Liste sind unter anderem Tiere zu finden, die man nicht in der heimischen Wohnung vermuten würde, wie Nashörner und Killerwale. Aber es ist auch eine ganze Palette an Schlangen, Spinnen und Skorpione aufgeführt. Die dort aufgeführten Tiere dürfen nur gehalten werden, wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse nachweist, was nahezu unmöglich ist. „Ungiftige Schlangen dagegen darf man halten, auch wenn Nachbarn vielleicht nicht ganz wohl dabei ist“, sagt Keßler.

Das bestätigt Jens Lewitzki, Vize-Leiter des Veterinäramts. „Wenn jemand eine als nicht gefährlich eingestufte Schlange in einem Terrarium hält, ist das nichts anderes wie ein Hamster in einem Käfig.“ Das Veterinäramt komme nur ins Spiel, wenn das Tierwohl gefährdet ist. Beispielsweise bei einer alten Frau, die ins Krankenhaus muss und niemanden hat, der ihren Wellensittich versorgt. Im Fall des Schongauer Schlangen- und Skorpionbesitzers habe sich aber ein Bekannter angeboten, die Tiere zu pflegen, deshalb sei man eigentlich nicht beteiligt, so Lewitzki. Zumal es offenbar auch nicht um gefährliche Tiere geht, sondern unter anderem um harmlose Würgeschlangen wie die bis zu zwei Meter lange Königsphyton, die wegen ihres charakteristischen Musters sehr beliebt ist. „Wenn es anders wäre, würden wir natürlich hellhörig werden und uns das anschauen“, sagte Lewitzki.

Laut Vize-Polizeichef Maier werde derzeit nur noch geprüft, ob der Mann einen Skorpion doch nicht hätte halten dürfen, weil er als gefährlich gilt. Doch vermutlich gibt es auch da Entwarnung.

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