Der Anbau für den Kindergarten Regenbogen ist fertig geplant und schon zu klein. In Schongau fehlen erneut Kita-Plätze, eine weitere Notgruppe wäre notwendig.
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Der Anbau für den Kindergarten Regenbogen ist fertig geplant und schon zu klein. In Schongau fehlen erneut Kita-Plätze, eine weitere Notgruppe wäre notwendig.

Regierung schickt viele Familien

Schongau: 15 Kinder ohne Kita-Platz - Notgruppe wird es aber nicht geben

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Mit dem Anbau für den Kindergarten Regenbogen ist noch nicht einmal gestartet, schon zeichnet sich ab, dass wieder nicht alle Kinder einen Platz bekommen. 15 Kinder stehen auf der Warteliste, eine Notgruppe wird es aber nicht geben.

Schongau – „Irgendwann sind die Kapazitäten ausgeschöpft.“ Esther Laue von der Hauptverwaltung der Stadt Schongau sind die Hände gebunden. Im Frühjahr war sie noch guter Dinge: Zwar standen auch da schon fünf Kinder von 158 angemeldeten Kindern auf der Warteliste für einen Platz in den Schongauer Kindertageseinrichtungen, aber Laue war noch recht zuversichtlich, dass sich die Lage bis Herbst entspannen würde.

Das Gegenteil ist eingetreten, es kamen noch zehn Kinder hinzu. Die Stadt Schongau muss die Eltern vertrösten. „Man hat die Möglichkeit, sich in einer umliegenden Gemeinde über einen Platz zu informieren“, so Laue. Auch gebe es immer eine gewisse Fluktuation.

Der Anbau soll in genau einem Jahr fertig sein

Zwar wird nun fester Ersatz für die zwei im Herbst 2019 eingerichteten Notgruppen geschaffen: Die Ausbaupläne für den Kindergarten Regenbogen an der Bahnhofstraße stehen, die zwei Gruppen sollen, wenn nicht der Zeitplan durch fehlende Förderzusagen torpediert wird, in genau einem Jahr zur Verfügung stehen (wir berichteten). Damals musste man kurzfristig eingeführte Vorgaben der Regierung – Stichwort Korridorkinder und Beitragszuschuss – umsetzen. Nach den neuen Zahlen ist die Planung schon jetzt zu klein.

Warum tut man sich so schwer mit einer sattelfesten Prognose? Mit ein Grund sei unter anderem nicht planbarer Zuzug von Familien – auch eine logische Folge der Mietpreisentwicklung, wie sich schon bei der jüngsten Sozialraumanalyse gezeigt hatte. In den vergangenen zwei bis drei Jahren seien rund 50 Kinder zugezogen, schätzt Laue.

Auch seitens der Regierung wird die Region geschätzt. „Die Regierung von Oberbayern weist vermehrt Familien zu“, bestätigt Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamtes. Wohnungen, die bisher für junge Männer genutzt wurden, würden nun an Familien mit Kindern vergeben. „Die anerkannten Asylbewerberfamilien bleiben in der Regel so lange in der staatlich angemieteten Wohnung, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben“, so Rehbehn.

Schon eine „normale“ Abfrage des Kitabedarfs ist schwierig - zu wenig Eltern beteiligen sich

Eine Entwicklung, die die Lage für die Stadt Schongau nicht einfacher macht, wie Laue erläutert. Schon von Januar bis März habe es viele unerwartete Zuzüge gegeben, im Sommer nun noch einmal. Und schon bei einer „normalen“ Abfrage des Kitabedarfs unter Schongauer Eltern kämen nur 40 Prozent der Umfragebögen zurück, nennt sie ein Beispiel. „Die Bedarfsanalyse ist ein schwieriges Thema – es gibt einfach zu viele Unbekannte in der Gleichung“, so Laue.

Kann das neue Prognosetool des Landratsamtes helfen? In Kürze soll darüber abgestimmt werden, ob der Landkreis dieses Planungsinstrument für alle Gemeinden anschafft, erklärt Claudia Sam-Doess, Jugendhilfeplanerin im Landkreis. Im Juni seien alle Gemeinden über diese Möglichkeit der Kita-Bedarfsplanung informiert worden.

Mit dem für den Landkreis Augsburg entwickelten Planungs-Werkzeug können verschiedene Szenarien durchgespielt werden: Wird ein neues Baugebiet ausgewiesen, nehmen eventuell alle Eltern die Möglichkeit für ihr Kind wahr, es noch ein Jahr länger im Kindergarten zu belassen, welche Bevölkerungsentwicklung könnte es anhand der Sozialraumanalyse geben? „Punktgenau kann man nicht arbeiten, das Leben bietet zu viele Unwägbarkeiten“, erklärt es Sam-Doess. Auch müsse man die Excel-Tabelle pflegen. „Aber es ist ein sehr hilfreiches Planungsinstrument“, wirbt sie.

Eltern können ihren Rechtsanspruch einklagen

Jenen Eltern, die nun zum heutigen 1. September keinen Kita-Platz haben, diesen aber dringend benötigen, hilft dies natürlich wenig weiter, sie könnten lediglich ihren Rechtsanspruch einklagen.

Eine weitere Notgruppe, das wäre dann die dritte, kann laut Laue in Schongau nicht eingerichtet werden, dafür fehlten Raum und Personal. Aber man mache sich in der Stadt bereits Gedanken, wie man mit dem Prognosetool arbeiten könnte. Sie sieht den dringenden Handlungsbedarf an anderer Stelle: „Wir müssen uns über die Wertigkeit Gedanken machen, den Beruf der Kindererziehung und -betreuung interessanter machen, beispielsweise schon die Ausbildung vergüten.“ Ob nun das Lehren einer mathematischen Formel oder der Vorschulunterricht – der Erziehungs- und Bildungsauftrag sei der gleiche. „Die staatliche Förderung eines Kitabaus nutzt wenig, wenn das Personal fehlt.“ Man müsse dringend an die Überarbeitung des Tarifvertrags gehen.

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