Abi-Feier in Schongau: Abitur als Gütesiegel statt Mogelpackung

Schongau - 109 Abiturienten des Schongauer Welfen-Gymnasiums, darunter zwei externe Schüler, haben gestern Nachmittag ihre Abiturzeugnisse erhalten. Ein Höhepunkt war die sensationelle Rede von Abiturient Sebastian Schmitt, die mit tosendem Applaus gefeiert wurde.

Es war mächtig Bewegung in der brütend heißen Aula des Gymnasiums. Und zwar Arm-Bewegung. Die Gäste fächerten sich mit dem Programm in der Hand Luft zu, um sich etwas Kühlung zu verschaffen. „Der Vertreter der Kreissparkasse hat schon gesagt, eine Klimaanlage wäre nicht schlecht. Da komme ich noch mal darauf zurück“, witzelte Schulleiter Wolfgang Gebler.

Doch in den vergangenen Tagen war ihm offenbar nicht witzig zumute. Er hat sich mächtig aufgeregt über die Kritik von Lehrerverbänden und Landtags-Opposition an den angeblich vielen Durchfallern im Abitur. „3,7 Prozent haben es in Bayern nicht geschafft“, sagte Gebler. In Berlin seien es acht Prozent. An der Fachoberschule seien die Zahlen deutlich höher als am Gymnasium, beim Führerschein fallen 27 Prozent durch, bei den Juristen 30 Prozent im ersten Staatsexamen - wo sei das Problem? „Mich ärgert es, dass das so hochgepuscht wird, das ist doch kein Weltuntergang.“ Er frage sich bei dieser Diskussion manchmal, wo es hingehen soll mit dem bayerischen Abitur. „Noch gilt es weltweit als Prüfung mit Gütesiegel, nicht als Mogelpackung“, betonte Gebler.

Den Lehrer, der die Abiturrede hält, suchen am Welfen-Gymnasium traditionell die Schüler aus, und dieses Jahr war die Wahl auf Wilfried Funke gefallen - wieder einmal. Er begann gleich einmal mit denselben Worten wie bei seiner Rede 2010, wie er unter dem Gelächter des Publikums zugab, betonte aber, dass die diesjährigen Abiturienten es wert seien, sich persönliche Gedanken über sie zu machen. Er erwähnte lustige Begebenheiten auf Klassenfahrten und beispielsweise die Freude der Schüler über einen Parkplatz in der Feuerwehrzufahrt und lobte den Einsatz der Schüler „in der schlecht organisierten FastGanztagsschule“. Kritisch bemerkte Funke, dass vieles gekürzt werde, keine Gedichte mehr gelernt werden und auch nicht die angeblich so unwichtigen geschichtlichen Daten. „Wir brauchen eine gute Schule, aber derzeit ist es keine“, sagte er mit Seitenhieb auf die Politik und forderte endlich einmal Ruhe bei den Reformen. „Ausgefallene Stunden dürfen auch einmal als Labsal für Eltern und Schüler gelten“, rief er unter Applaus. „Aber Schule bedeutet auch Arbeit, Fleiß und Anstrengung, und die Gesellschaft benötigt leistungshungrige Spitzenschüler, von denen ich heute hier viele sehe“, sagte Funke. Die Abiturienten sollen ihre Pläne und Träume verfolgen, auch wenn nicht alles funktionieren wird.

Nach der sehenswerten Schüler-Truppe Wise Guys, die zwei begeisternde Auftritte hatten, gab es dann endlich „dieses weiße Papier, auf dem Zahlen stehen, die ihr schon kennt, das aber trotzdem wichtig ist, weil es das Original ist“, so Schulleiter Gebler - das Abiturzeugnis. Klassenweise kamen die Schüler nach vorne, begleitet von einem witzigen Satz aus dem ersten Grundschulzeugnis und einem Kinderfoto an der Leinwand erhielten die 109 Abiturienten ihr Zeugnis. Vertreter von Kreissparkasse und Hoerbiger überreichten Buch- und Geldpreise für die Besten der jeweiligen Fächer, die Frank-Hirschvogel-Stiftung zeichnete die 1,0-Abiturientin Lisa Wimmer mit dem zum zweiten Mal verliehenen und mit 1000 Euro dotierten Frank-Hirschvogel-Preis aus.

Und wer dachte, das war der Höhepunkt, den belehrten die Abiturienten Simon Schmitt und Eva Priewich mit ihren Abschiedworten eines Besseren. Vor allem Schmitt sorgte mit einer unfassbar Schnellsprech-Lawine, die nicht einmal vom tosenden Applaus zu stoppen war, für wahre Lachsalven im Publikum. Statt „vollgepumpt mit unnützen Wissen“ zu werden, was vor allem Mathe betreffe, weil keiner wirklich wissen will, wie lange ein Swimmingpool bei einem viermal pro Stunde tropfenden Wasserhahn braucht, bis er voll ist, sollte anderes wichtig sein. Prozentrechnung zum Beispiel, was aber als Grundwissen vorausgesetzt werde. Nach einer liebevoll verpackten Spottrede über Mathe- und Physiklehrer Klaus „Mystic“ Muthsam, der sogar Außerirdischen helfen könnte, ihr defektes Raumschiff zu reparieren, und dem Hinweis, dass der seit einem Jahr im Bau befindliche Trinkbrunnen nicht wirklich gebraucht werde, ging es schließlich zum gemütlichen Teil über.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Berg-Drama in Tirol: Frau (29) verliert ihren Partner (25) - bewegendes Video
Für Maria Z. ist nichts mehr, wie es war, seit ihr Partner Christian (25) bei einem Bergunglück in Tirol starb. Für ihn machte sie ein emotionales Video.
Berg-Drama in Tirol: Frau (29) verliert ihren Partner (25) - bewegendes Video
Klares Veto gegen Wettbüro in der Schongauer Altstadt
Ein Wettbüro in der historischen Altstadt? Dagegen wehrt sich die Stadt Schongau. Der Betrieb in der Christophstraße sei ohne Genehmigung eingerichtet worden, also …
Klares Veto gegen Wettbüro in der Schongauer Altstadt
Eine Frau fürs Steingadener Bürgermeisteramt
Mehr Frauen für die Politik – das hat sich in Steingaden der Förderverein Frauenliste auf die Fahne geschrieben. Erstmals stellt der Verein eine eigene …
Eine Frau fürs Steingadener Bürgermeisteramt
Trotz Anlieger-Protest: Peitinger Gemeinderat bleibt bei geplantem Standort fürs neue Jugendzentrum
Der geplante Standort für das neue Jugendzentrum an der Ecke Kampfgartenweg/Jägerstraße hat am vergangenen Dienstag noch einmal den Gemeinderat beschäftigt. Der bei der …
Trotz Anlieger-Protest: Peitinger Gemeinderat bleibt bei geplantem Standort fürs neue Jugendzentrum

Kommentare