Sie haben einen Schnitt von 1,5 oder besser: Die besten Abiturienten des Jahrgangs 2013 mit Schulleiter Wolfgang Gebler. fotos: bse-pictures

Abifeier am Welfen-Gymnasium

Jahrgang der Superlative

Schongau - 35 Einser-Abiturienten - so viele gab es noch nie am Schongauer Welfen-Gymnasium. Dazu Walter Schindler als bester Abiturient aller Zeiten. Und eine Premiere gab es bei der Abiturfeier auch.

Wetten dass...?, lautete das Motto des Abischerzes am Donnerstag, und Schulleiter Wolfgang Gebler hatte bei der Abiturfeier im Hohenpeißenberger Haus der Vereine auch eine Wette parat: „Wetten, dass es keiner in diesem Saal schafft, aus dem Stegreif das Abitur zu bestehen?“ Da widersprach ihm keiner.

Gebler wollte damit die Bedeutung des Abiturs betonen: „Unsere jungen Leute haben uneingeschränkten Respekt verdient und ein Wissen angesammelt, wie es nie mehr im Leben der Fall sein wird.“ Natürlich werde immer wieder gelästert, warum man über die Kurvendiskussion oder die Rolle Hindenburgs in der Weimarer Republik Bescheid wissen müsse. Ganz einfach, so Gebler: „Wir erheben den Anspruch, dass unsere Abiturienten in jedem Fach studieren können. Das ist in anderen Ländern wie Frankreich und Italien nicht so.“ Die Schüler könnten stolz sein auf ihre Leistung, er verglich das Abitur mit einem Initiationsritual etwa bei den Indianern oder den Ureinwohnern Südamerikas: „Nur so konnten sie später Verantwortung übernehmen.“

Dass seine Abiturienten bereits jetzt verantwortungsvoll miteinander umgehen können, hätten sie nicht zuletzt beim Abischerz gezeigt, der „auf sehr hohem Niveau war, ohne jemanden bloßzustellen“, wie Gebler lobte. „Schüler und Lehrer hatten eine tolle gemeinsame Zeit.“ Das kann schon einmal als übliche Floskel durchgehen, doch in diesem Fall scheint es sogar zu stimmen. Denn auch die Schüler Maximilian Bair und Marco Lindauer äußerten sich begeistert „über die acht wunderschönen Jahre, die wir hier erlebt haben“. Den Zusammenhalt im Jahrgang habe er sehr geschätzt, sagte Lindauer, und Bair verteilte Lobeshymnen an die „Kollegstufenmama“, den Oberstufenkoordinator Klaus Priewich, und kündigte an, sich nach dem Motto „Liebe vergeht, Tatoo besteht“ einen Welf aufs Herz tätowieren zu lassen. Besonders hervor hob er auch die „Super-Deutschlehrerin“ Corinna Konstas.

Die ist nämlich von den Schülern für die Abiturrede ausgewählt worden - als erste Frau überhaupt am Welfen-Gymnasium. Sie verglich die zwei Jahre bis zum Abitur mit einem Theater, „wobei es für die einen eine Tragödie, für andere eine Komödie, und für manche ein Improvisationstheater war“. Jetzt, nach dem erfolgreichen Abschluss, müssten die Abiturienten ihr Drehbuch selber schreiben. „Geht raus in euer Leben und spielt sie alle an die Wand!“, forderte sie unter tosendem Beifall.

Das werden die jungen Frauen und Männer auch machen, doch vorher standen noch einige nette Anekdoten der vergangenen zwei Jahre von Bair und Lindauer auf der Tagesordnung. Das überhaupt größte Wunder sei gewesen, dass es wieder einen Spezi-Automaten gebe. „Diesen Pool der Energie haben wir gebraucht, der hat uns durch die letzten Wochen gebracht“, scherzte Bair. Die roten Stühle beim Abitur, Marke „Wirbelsäulenknacker“, sollte sich die Schule künftig aber sparen. Und die Tische beim Deutsch-Abitur hätten so gewackelt, dass das bestimmt der Grund sei, warum der Walter - gemeint war Top-Abiturient Schindler - in diesem Fach statt 15 nur 12 Punkte ergattert habe.

Lindauer wollte die Ausweichzimmer in der Grundschule nicht unerwähnt lassen, wo der Unterricht durch exorbitant lange Durchsagen mit mehrfacher Gong-Untermalung gewürzt wurde, und Bair lästerte über den abbruchreifen Kollegstufenbau, bei dem die Fenster gar nicht und die Eingangstür nur mit einem Fußtritt aufgeht. Doch der Bau soll ja bald ersetzt werden. Darauf wetten wollte gestern aber niemand.

bo

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