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Pfarrer Friedrich Nägelsbach (links) wurde von Dekan Axel Piper entpflichtet.

Entpflichtung von Pfarrer Friedrich Nägelsbach

Zum Abschied die Hand gereicht

Schongau - Höhen und Tiefen hat der evangelische Pfarrer Friedrich Nägelsbach in fast acht Jahren Schongau erlebt. Nun wurde er offiziell seines Dienstes in der Schongauer Gemeinde entpflichtet und wechselt zum 1. September nach Augsburg.

Der Abschiedsgottesdienst in der voll besetzten Dreifaltigkeitskirche stand voll im Zeichen des Friedenswunsches. Das kam in der Text- und Liedauswahl zum Ausdruck, das zog sich durch Predigt und anschließende Abschiedswünsche. „Alles hat seine Zeit, auch Streit und Frieden. Man muss nicht allen in herzlicher Freundschaft verbunden sein. Man muss es auch nicht allen recht machen“, so Nägelsbach, der neben vielen schönen Dingen auch auf den Tiefpunkt zurückblickte. Den unseligen Streit, der vor vier Jahren die Gemeinde gespalten hatte und Nägelsbach selbst in eine schwere Depression stürzte, so dass er für ein halbes Jahr seinen Dienst aussetzen musste.

In diesem Zusammenhang dankte er besonders seiner Familie, die die Situation ertragen und mitgetragen habe. Zum Abschied streckte er ein letztes Mal die Hand zur Versöhnung hin: „Es tut mir leid!“ Eines bleibe, so Nägelsbach weiter, alle seien zum Dienst am Reiche Gottes berufen. Er selbst sei froh, dass das Leben in der Gemeinde wieder Fahrt aufgenommen habe.

Dekan Axel Piper nahm die offizielle Entpflichtung aus dem Schongauer Dienst vor. „Du hast hier in knapp acht Jahren viel gearbeitet und viel Verantwortung getragen. Jetzt kannst Du aufrecht und befreit in deinen neuen Dienst in Augsburg gehen“, so Piper abschließend. Die Schülerinnen der Pfaffenwinkel-Realschule, die den Gottesdienst stimmungsvoll musikalisch umrahmten, stimmten noch einmal Nägelsbachs „Lindenbichel-Lied“ an: „Jetzt wo du dich auf den Weg machst, möge dich Gottes Segen immerzu begleiten in guten wie in schlechten Zeiten“. Anschließend gab es das Lied „I will follow him“, ein Song, der Nägelsbach an den Film „Sister Act“ erinnerte, wo mit diesem Lied ein frischer Wind durch die Kirche geht. „Das tut wirklich gut!“, meinte er lächelnd.

Gut taten auch die Abschiedswünsche von Bürgermeister Falk Sluyterman, Stadtpfarrer Norbert Marxer und des Kirchenvorstands. „Kirche und Politik gehen nicht immer konform, haben aber einen gemeinsamen Nenner. Das Wohl des Mitmenschens“, merkte Sluyterman an. Als Dank für die immer gute Zusammenarbeit überreichte er einen Schongauer Bierkrug und Schongauer Schokolade. Pfarrer Norbert Marxer blickte ebenfalls auf ein gutes, freundliches, nachbarliches und respektvolles ökumenisches Verhältnis zurück. Er betonte, dass die Gemeinden als Christen am gleichen Strang ziehen und sich nicht im Streit der Unterschiede verlieren, sondern im Geist Christi führen lassen sollten.

Die Mitglieder des Kirchenvorstands nahmen die Buchstaben der neuen Wirkungsstätte Augsburg zum Motto für vielerlei Danksagen. Angefangen bei Klausurtagungen in Weitershofen, über einen offenen und ehrlichen Umgang und ein offenes Ohr für Belange und Nöte, das Wirken in der Gemeinde von Konfirmanden bis Senioren bis hin zu Nägelsbachs Frau Sigrid, die ihn immer liebevoll unterstützt und sich bei Festen ebenso wie im Kindergottesdienst eingebracht hat. Nicht zu vergessen die Töchter Rieke und Lena, die Baustelle Kirchensanierung, und die Gottesdienste, die Nägelsbach abwechslungsreich und manchmal ungewöhnlich gestaltet und damit neue Denkanstöße gegeben habe.

Zwei seiner Gottesdienste können die Gemeindemitglieder noch erleben, auch einige Taufen übernimmt Nägelsbach noch, bevor er sich in den Urlaub verabschiedet. In der Übergangszeit, bis Schongau einen neuen Pfarrer bekommt, wird der bisherige zweite Pfarrer Hartmuth Stamm die Gemeinde leiten. Die Kirchengemeinde ließ den Gottesdienst mit einem Stehempfang ausklingen.

Ursula Fröhlich

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