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Ein Rehbock auf der Wiese: Die Jäger im Landkreis müssen etwas mehr Wild erlegen. 

Abschusspläne vorgestellt

Vertrauensvorschuss für Jäger

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Oberhausen - Bei der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Weilheim-Schongau herrscht das Prinzip Hoffnung. Denn die jetzt vorgestellte Rehwild-Abschussplanung für die nächsten drei Jahre ist zum Teil ein großer Vertrauensvorschuss an die Jäger. Ziel ist es, den Wildverbiss im Wald weiter zu senken.

Helmut Stork, Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt, war fertig mit seiner Abschussplan-Vorstellung, als sich in der Dienstbesprechung der Jagdvorsteher (Sprecher der Grundstücksbesitzer) in Oberhausen bei einem der rund 130 Zuhörer doch noch der Frust breitmachte. „Wenn der Wildverbiss in einem Jagdrevier deutlich zu hoch ist und ich erhöhe den Rehwild-Abschuss nur um 15 Prozent, bringt das gar nichts“, sagte er frustriert. Stork versuchte gar nicht, sich zu verteidigen, sondern gab freimütig zu: „Ich gebe Ihnen Recht, das sehe ich genauso.“ Doch ihm seien die Hände gebunden. Zum einen gebe es eine Rechtsprechung, die eine höhere Abschussforderung in der Vergangenheit wiederholt einkassiert hat. Zum anderen will Stork die durchaus vorhandenen Fortschritte bei der natürlichen Verjüngung im Wald belohnen.

Alle drei Jahre wird ausführlich der Wildverbiss im Wald untersucht. Denn Ziel ist eine natürliche Verjüngung ohne teure Zäune. Das funktioniert aber nur, wenn das Wild die kleinen Bäumchen nicht schon im Anfangsstadium abrupft, weshalb der bei Jägern umstrittene Begriff „Wald vor Wild“ im Gesetz steht. Dieses sogenannte Verbissgutachten, das vergangenes Jahr im November vorgestellt wurde, ist die Basis für die Abschussplanung. Die Ergebnisse waren auf den ersten Blick nicht wirklich erfreulich: In zehn von zwölf Hegegemeinschaften (dort sind die insgesamt 208 Jagdreviere zusammengeschlossen) war der Wildverbiss zu hoch, nur in zweien tragbar. Weil das aber schon eine deutliche Verbesserung zu 2012 war, lautete die Empfehlung nur bei sieben Hegegemeinschaften, den Abschuss zu erhöhen, bei fünf könne er beibehalten werden.

Die Mitarbeiter der Jagdbehörde und Forstverwaltung mussten anschließend in unzähligen Besprechungen und Waldbegängen mit Jägern und Grundstücksbesitzern zu einer Einigkeit beim Abschussplan kommen. Denn in jedem Revier, selbst direkt nebeneinander, kann es anders ausschauen. Die Jagdbehörde legte sich ein Muster fest: Wenn in einem Revier der Verbiss deutlich zu hoch war und auch die Tendenz sich verschlechtert hat, müsse laut Stork „mindestens 20 Prozent mehr“ geschossen werden. Bei deutlich zu hohem Verbiss und einer verbesserten Tendenz waren es aber nur zehn Prozent – das war es, was der anfangs erwähnte Zuhörer bemängelt hatte.

Bei 46 Revieren musste der Abschussplan festgesetzt werden

Wenn die Jagdgenossenschaft, also die Grundstücksbesitzer, allerdings einen höheren Abschuss forderten, „haben wir das grundsätzlich befürwortet“, so Stork – außer, es waren völlig abwegige Zahlen. Auch der Anteil von Wald- und Wiesenfläche wurde in den komplexen Berechnungen berücksichtigt, ebenso der körperliche Nachweis – ob also ein Reh wirklich vom Jäger erlegt wurde oder er nur einen Abschuss erfunden hat, um die Quote zu erfüllen.

Das Ergebnis: Bei immerhin 162 Revieren waren sich Jäger und Jagdgenossen einig, sodass die Jagdbehörde den Abschussplan nur noch bestätigen musste. Nur bei 46 Revieren musste der Abschuss festgesetzt werden – weit weniger als in früheren Jahren. Trotzdem ärgerte sich Weilheims Jagdverbands-Chef Florian Pfütze: „Wenn sich Jagdpächter mit den Jagdgenossen einig sind, warum setzt sich die Behörde darüber hinweg?“, wollte er wissen. „Weil die gesetzliche Grundlage erfüllt sein muss“, antwortete Stork und erntete verächtliches Gelächter von Pfütze.

Doch Stork ist „sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit“. Von den insgesamt nur drei Widersprüchen ging nur einer bis an die Regierung, Klagen vor Gericht gab es gar keine. Bei der Erklärung der Abschuss-Erhöhungen in den einzelnen Hegegemeinschaften (siehe Kasten) gab er zum Beispiel in Rottenbuch gleich selbst Erklärungen ab, warum es dort so gering ausgefallen ist: „Wir haben den Schwerpunkt auf die wirklich schlechten Reviere gelegt.“ Wo die Situation auch nicht gut war, aber Verbesserungen ersichtlich waren, dürfen die Jäger erstmal weitermachen. Wobei Stork die Jagdgenossen inständig bat, dranzubleiben: „Nicht, dass 2018 das böse Erwachen kommt."

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