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Monica Wolff lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr mit britischem Pass in Deutschland. Sie befürchtet, dass es mit knapper Mehrheit zum Brexit kommt.

Am Tag vor der Abstimmung

Brexit? "Ich befürchte es"

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Schongau - Am Donnerstag stimmen die Briten über den Austritt aus der EU ab. Monica Wolff, in Schongau lebende Britin, befürchtet, dass sich die englische Sturheit gegen die europäische Vernunft durchsetzen wird. „Leider.“

Update vom 22. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unserem News-Blog zum Brexit.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr lebt Monica Wolff (53) in Deutschland. „Dafür küsse ich noch heute die Füße meiner Mutter“, sagt sie. Der Grund: Als einfache Familie sei es in ihrer Heimat Nottingham East-Wood unglaublich schwer, etwas auf die Beine zu stellen. Der Mittelstand hat wenig Arbeit, verdient ziemlich schlecht. Es gibt keine staatliche Unterstützung für Schule und Studium, stattdessen viele private Einrichtungen, die viel Geld kosten und gute Beziehungen voraussetzen. Außerdem ist die Kriminalitätsrate äußerst hoch.

„Nach 19.30 Uhr traut sich dort keine Frau mehr auf die Straße, dass ist bei uns in Schongau nicht ansatzweise so schlimm“, sagt Wolff, deren Kinder in Deutschland studiert und Perspektive haben. „Aber in England, da bin ich mir ziemlich sicher, hätten wir das nicht geschafft.“

"Die bekommen große Augen, wenn ich erzähle, wie viel ein Handwerker in Deutschland verdient"

In aller Regelmäßigkeit telefoniert sie mit ihrer Tante in Nottingham. „Die bekommen große Augen wenn ich erzähle, wie viel ein Handwerker in Deutschland verdient.“ Gesprächsthema Nummer eins ist allerdings der „Brexit“. Am Donnerstag stimmen die Briten darüber ab, ob sie aus der EU austreten. Dass es überhaupt so weit kommt, findet Wolff schon schlimm genug. Noch dramatischer ist allerdings ihre Befürchtung, dass sich der drohende Austritt bewahrheitet.

„Der Brite besitzt einen extrem ausgeprägten Nationalstolz“, sagt sie. Klar. Er hat den Krieg gewonnen, er hat die Queen. Und er lebt auf einer Insel, ist allein geographisch betrachtet schon isoliert. „Und genau so denkt der Brite auch, er kapselt sich gerne ab“, sagt Wolff. Politisch betrachtet sieht das dann so aus: Wenn jemand von der anderen Seite des Meeres Hilfe anbietet, nimmt sie der Brite dankend an. Selbst Hilfe leisten? Weniger. „Der Brite nimmt gerne, gibt aber selten zurück.“ Das spiegelt sich auch im EU-Engagement wieder: wirtschafliche Vorteile nutzen, ja. Flüchtlinge aufnehmen, nein.

Wolff hofft, dass Britannien auch am Freitag noch EU-Land ist

Angenommen, die Briten sind ab Donnerstag raus aus der EU, was machen dann all diejenigen, die mit ausschließlich britischem Pass in Deutschland leben? So wie Wolff. „Für mich war die deutsche Staatsangehörigkeit als Mutter von sieben Kindern nie ein Thema, weil ein Job im Ausland nicht in Frage gekommen wäre.“ Aber sie kennt genug Landsleute, die sich seit Wochen ernsthafte Gedanken machen, die deutsche Staatsangehörigkeit nun doch zu beantragen. „Selbst wenn es um Reisen nach Indien geht, das ist mit einem deutschen Pass einfacher als mit einem britischen, vor allem, wenn sich das Land von der EU abkapselt“, sagt Wolff, die jetzt ganz fest hofft, dass ihre Einschätzung daneben liegt und England auch am Freitag noch EU-Land ist.

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