Helmut Schmidbauer sitzt seit 29 Jahren imSchongauer Stadtrat

Aderlass im Schongauer Stadtrat: Auch Helmut Schmidbauer (CSU) hört auf

Schongau - Die Schongauer CSU-Stadtratsfraktion muss einen weiteren herben Verlust hinnehmen: Nach Luitpold Braun (2010) will Ende April auch Helmut Schmidbauer sein Amt niederlegen.

Er gibt gesundheitliche Gründe an: „Nach zwei überstandenen Krebserkrankungen und einem Herzinfarkt muss man einfach überlegen, was man sich noch zumuten kann“, sagt der 69-Jährige.

Seit 1984 sitzt Schmidbauer im Stadtrat, war jahrzehntelang Mitglied unter anderem im Bau- und Hauptausschuss und immer ein Freund deutlicher Worte. „Wenn es um etwas gegangen ist, habe ich klar meine Meinung gesagt. Nur so konnte man etwas bewegen.“ Der ganz große Sprung ist Schmidbauer aber verwehrt geblieben: 1996 trat er für die CSU als Bürgermeisterkandidat an und verlor gegen den von der SPD importierten Friedrich Zeller - „mit Pauken und Trompeten“, wie er sich rückblickend schmunzelnd erinnert. „Schee war’s nicht“, aber im Nachhinein ist er nicht unglücklich, dass es so gelaufen ist: „Vermutlich hätte ich mich so aufgeregt, dass ich heute schon längst unter der Erde wäre.“

So stehen in seiner politischen Bilanz sechs Jahre als zweiter Bürgermeister (1990-96) sowie 18 Jahre als Kreisrat (1990-2008), außerdem war er noch zwölf Jahre Ortsvorsitzender der CSU. Neben der Politik hat er auch noch zahlreiche andere Ehrenämter, die ihm sehr am Herzen liegen - und die letztlich mit die Ursache waren, dass er sein Stadtratsmandat aufgibt. Er ist Kreisheimatpfleger, das Wallfahrtsmuseum in der Wies soll neu gebaut werden und erfordert viel Aufwand, im Stadtmuseum Schongau ist er in führender Position engagiert - wenn er da aufhören würde, wären die Folgen fatal, weil möglicherweise niemand nachfolgen würde.

Im Stadtrat ist das anders. Da rückt Dr. Oliver Kellermann an seinen Platz. Der war 2002 und 2008 knapp gescheitert und hätte sich als zweiter Nachrücker nie erträumt, doch noch im Stadtrat zu landen, wie er zugibt. Schon kurz vor Weihnachten hatte sich Schmidbauer bei ihm erkundigt, ob er bereit wäre für das Amt. „Das hat mich natürlich überrascht, weil er schon so lange im Stadtrat sitzt. Ich schätze ihn sehr und werde in sehr große Fußstapfen treten“, sagt Kellermann. Nachdem er 2014 wieder für den Stadtrat kandidieren will, ist es für ihn eine gute Chance, in dem verbleibenden Jahr reinzuschnuppern.

Für CSU-Fraktionschef Michael Eberle ist der Verlust des Veteranen - nur Vizebürgermeister Paul Huber (CSU) und Heinrich Forster (SPD) sitzen noch länger im Stadtrat - ein „schwerer Verlust“. Aber er müsse natürlich respektieren, wenn Schmidbauer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Posten ausfüllen kann.

Schmidbauer ist bereits der fünfte Stadtrat, der in dieser Wahlperdiode sein Amt niederlegt - mehr als ein Fünftel des 24-köpfigen Stadtrats ist also seit 2008 ausgewechselt worden. Neben Schmidbauer und Braun (Nachrücker Helmut Hunger) waren das Siegfried Müller (ALS, Bettina Buresch), Brigitte Ressle (UWV, Mona Maucher) und Claudia Romeike (SPD, Max Martin). „So eine Fluktuation habe ich im Stadtrat noch nicht erlebt“, sagt Schmidbauer.

bo

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