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23 Pakistani warteten mit ihrem Gepäck am Europakreisel in Schongau auf die Verlegung nach Weilheim und Penzberg. Nach Altenstadt wollten sie nicht.

Änderung bei Verlegung

Pakistani-Protest am Schongauer Kreisverkehr

Schongau - 23 Pakistani, die bisher in der Berufsschul-Turnhalle untergebracht waren, haben sich geweigert, in einen Bus zur Altenstadter Unterkunft einzusteigen. Sie wollten in dezentrale Unterkünfte nach Weilheim und Penzberg verlegt werden, was ihnen vergangene Woche noch zugesichert worden war.

Viel Unverständnis ist aus den Gesichtern der 23 Pakistani zu lesen, die sich mit ihren Marschgepäck am Rande des Europakreisels nahe der Berufsschule in Schongau niedergelassen hatten. Alle hielten ein amtliches Schreiben des Landratsamtes Weilheim-Schongau in der Hand – die Zuweisungsanordnung. Und da steht klipp und klar drauf, wohin sie verlegt werden sollen. Zum Beispiel nach Weilheim in die Geistbühelstraße, in die Fasserstraße oder in die Obere Straße, alles Anschriften in Weilheim. Bei einigen ist auch Penzberg als neuer Wohnort angegeben.

Endlich raus aus der Berufsschulturnhalle, rein in kleinere Unterkünfte – darauf haben sich die Pakistani seit Tagen gefreut. Doch der Bus, der gestern Vormittag vorfuhr, hatte Altenstadt zum Ziel, genauer gesagt die Asylunterkünfte auf dem ehemaligen Vatter-Betriebsgelände.

„Wir wollen dort nicht hin, denn dort sind auch Flüchtlinge aus Afghanistan, das gibt nur Probleme“, erklärte ein Pakistani auf Englisch. Und all die Landsleute um ihn herum nickten. Deshalb sind sie nicht in den Bus nach Altenstadt eingestiegen, sondern harrten der Dinge. Und immer wieder holten sie ihre Zuweisungsanordnung hervor – mit Weilheim und Penzberg als Zielorte.

Doch diese Zuweisungsanordnungen waren nicht mehr aktuell. „Wir haben umplanen müssen“, erklärte Helmut Hartl, Abteilungsleiter für Asyl am Landratsamt Weilheim-Schongau, auf Anfrage der Heimatzeitung. Denn die dezentralen Asylunterkünfte in Weilheim und Penzberg, die ursprünglich für die Pakistani vorgesehen waren, standen nicht mehr zur Verfügung – weil die Senegalesen, die in die Turnhalle nach Schongau verlegt werden sollten, jetzt doch in ihren Unterkünften in Weilheim und Penzberg bleiben dürfen (wir berichteten).

Sonja Zeug von Helferkreis Asyl in Schongau kann die Enttäuschung der Pakistani verstehen. „Dass es immer wieder mal Querelen zwischen Pakistani und Afghanen gibt, ist bekannt“, sagt sie. In der Unterkunft in Altenstadt gebe es eine Gemeinschaftsküche, und da blieben Reibereien wahrscheinlich nicht aus.

Außerdem befürchten die Pakistani, dass in der Unterkunft in Altenstadt die schönen Räume schon alle belegt sind und für sie nur minderwertige Zimmer bleiben. Raus aus dem Camp der Berufsschule und hinein in ein anderes Camp in Altenstadt? Da wollten sie nicht mitmachen.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman hatte am Vorabend per E-Mail von Zeug erfahren, dass die Asylbewerber überraschend nach Altenstadt sollen. Viel Unterstützung konnte er allerdings nicht bieten: „Die Ausländerbehörde im Landratsamt wird ihre Gründe dafür haben, die Stadt ist dafür nicht zuständig“, sagte Sluyterman auf SN-Anfrage. Er wollte sich aber gestern Nachmittag vor Ort informieren.

Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich noch keine Lösung ab. Hartl erklärte, man habe den Pakistani mit dem Bus Hilfe angeboten. Diese Hilfe sei aber nicht angenommen worden. „Das sind alles erwachsene Leute, die werden schon wissen, was sie machen“, erklärte Hartl. Den Pakistani sei bekannt, dass es für sie in Altenstadt Unterkunft und Verpflegung gibt. Sie müssen, nachdem sie den Transport dortin verweigert haben, dann eben selber schauen, wie sie dorthinkommen oder sich um eine Unterkunft bemühen – in Eigenregie. Jedenfalls sei kein Polizeieinsatz vorgesehen, um die Pakistani gewaltsam nach Altenstadt zu bringen. „Ich hoffe auf die Vernunft der Asylbewerber“, sagte Hartl. Abends waren sie nicht mehr am Kreisel.

Was die Querelen zwischen Pakistani und Afghanen betrifft, erklärte er, dass es nicht sein dürfe, dass im Gastgeberland Deutschland Streitigkeiten unter ausländischen Volksgruppen ausgetragen werden. Außerdem seien in Altenstadt Sicherheitskräfte vor Ort, die dafür sorgen, dass alles friedlich bleibe.

Michael Gretschmann

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