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Blechverkleidung und eine Seite als Plexiglaswand: Die neue Lagerhalle von Auto Martin nahe der Stadtmauer sorgte für Diskussionen im Bauausschuss.

Ärger über neue Lagerhalle

"Haben wir das so genehmigt?"

Schongau - Normalerweise wird im Schongauer Bauausschuss über geplante Projekte gesprochen. Jetzt aber wurde über einen fertigen Neubau diskutiert: Die Lagerhalle der Firma Martin an der Marktoberdorfer Straße steht in der Kritik.

Schon bei der Genehmigung der Lagerhalle, die für die beiden unansehnlichen Holzbaracken errichtet worden ist, taten sich die Stadträte und die Bauverwaltung schwer. Letztlich wurde die Halle nach einigen Umplanungen des Bauherrn Georg Martin vergangenen November doch genehmigt. Mittlerweile ist der Neubau fertig – und Bettina Buresch (ALS) brachte das Thema noch einmal in den Bauausschuss. „Ist dort wirklich so gebaut worden, wie wir damals abgestimmt haben?“, fragte sie sich. Sie hätte sich damals eine Holzkonstruktion gewünscht, was aus finanziellen Gründen nicht machbar gewesen sei. Stattdessen wurde eine Blechfassade genehmigt. Doch von der Plexiglaswand sei nie die Rede gewesen, sagte Buresch.

Da musste Michael Wölfle vom Stadtbauamt zustimmen. „Davon sind wir auch nicht ausgegangen“, sagte er. Es seien lange Verhandlungen gewesen, mehrmals habe man sich mit dem Bauherrn zusammengesetzt. Auch der Denkmalschutz habe das ganze Vorhaben in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer nicht gut gefunden, „aber wir hatten keine Chance, das zu verhindern. Auch wenn wir jetzt versucht hätten, die Plexiglaswand in der Bauphase noch zu ändern, wären wir gescheitert“, machte Wölfle klar. Nirgendwo stehe geschrieben, dass dort eine Glaswand hinkommen müsse. Man könne in solchen Fällen nur an den Bauherrn appellieren. Das ganze sei ein Kompromiss gewesen, der der Stadt nicht gefalle. „Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Aber dem stehen Folgekosten für den Bauherrn entgegen“, so Wölfle.

Bereits bei der ersten Debatte zu dem Bauantrag vor mehr als einem Jahr hatte Stadtbaumeister Ulrich Knecht das Thema Bebauungsplan angesprochen, um per Veränderungssperre eine unliebsame Entwicklung zu verhindern und die Bebauung in diesem sensiblen Bereich zu steuern. Das wurde aber nicht weiter verfolgt. „Vielleicht muss man das jetzt doch machen, sonst stehen wir weiter hilflos da“, sagte Buresch. „Das ist alles sehr unbefriedigend. Wir müssen das Heft in der Hand behalten, sonst tanzen uns die Bauherrn auf der Nase herum.“

Laut Knecht müsste ein Bebauungsplan für ein größeres Gebiet gelten. Da müsse man genau abwägen, wie die Rechte der Eigentümer beschnitten werden. Schließlich könnte man in gewissem Umfang entschädigungspflichtig werden, wenn die Nutzung eingeschränkt werde. „Wenn man da eingreift, kann das Folgen haben“, sagte auch Bürgermeister Falk Sluyterman über dieses „sehr komplexe Thema“.

Doch Siegfried Müller sah es ähnlich wie seine Fraktionskollegin Buresch. „Wie gehen wir vor, wenn andere mit ähnlichen Bauanträgen kommen? Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Knecht zeigte sich offen: „Es kostet zwar einige Kraft, das Umfeld der Stadtmauer mit gewissen städtebaulichen Angaben zu regeln. Aber wenn die Mehrheit das will, kann man das machen.“ Doch zu einem Antrag kam es gar nicht – Sluyterman kündigte an, das Thema von sich aus auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen zu setzen.

Boris Forstner

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