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Sorgenkind Wildsee: Eigentlich darf das Areal nicht betreten werden, aber oft setzen sich Besucher darüber hinweg. Links sind einige der von private aufgestellten Baumscheiben zum Drüberlaufen zu sehen.

In Wildsteig 

Ärger am Wildsee

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Wildsteig - Eigentlich ist der Wildsee ein Wildsteiger Idyll. Doch damit ist es jetzt vorbei: Das Landratsamt will das Betretungsverbot konsequent umsetzen. Denn die private Nutzung des Gewässers wurde übertrieben. Badegäste und Sonnenanbeter bedrohen die sensible Natur.

Als der Ortstermin am 26. April am idyllischen Wildsee vorbei war, musste Wildsteigs zweiter Bürgermeister Martin Klein mit einer bitteren Erkenntnis heimgehen: Die Vertreter von Unterer Naturschutzbehörde und Bayerischem Staatsforst hatten unmissverständlich klar gemacht, dass sie das bestehende Betretungsverbot an der Naturattraktion rigoros umgesetzt haben wollen. Dies teilte Klein nun im Gemeinderat mit. Hintergrund des Ortstermins war der Badebetrieb am See, erklärte er. „Den hat man beanstandet.“

Das Problem ist jedoch nicht neu, wie Werner Schubert gegenüber den SN darlegt. Schubert ist der zuständige Naturschutzwächter des Landratsamts für das Gebiet, dass dem Staatsforst gehört – und ärgert sich nach eigenem Bekunden seit fünf Jahren verstärkt mit privaten Gästen am Wildsee herum. Diese hätten einen Brettlweg als Zugang angelegt, eine Bank aufgestellt und eine Leiter ins Wasser gebaut. „Sie haben sogar einen illegalen Nacktbadestrand aufgemacht“, weiß Schubert. Im Lauf der Zeit hat sich das Naturparadies herumgesprochen, auch Urlauber und Besucher aus dem Umland fanden sich ein. Der Naturschutzwächter entdeckte sogar Autos und Motorräder, die direkt vor dem See abgestellt waren. Obwohl der dortige Wirtschaftsweg nicht befahren werden darf. Schubert versucht, den Wildsee zu schützen. Das Betretungsverbot sei notwendig, erklärt er. „Das ist ein Eiszeitrelikt und einzigartig in ganz Deutschland.“ Er verweist auf das empfindliche Schwimmmoor und die seltenen Pflanzen. „Das muss man erhalten.“

Alle Nutzer werden über einen Kamm geschert

Im Gemeinderat waren die Reaktionen allerdings nicht so eindeutig. „Die waren absolut nicht kompromissbereit“, sagte Martin Klein mit Blick auf die Behördenvertreter. Deren harte Haltung kann er nicht verstehen, weil alle Seenutzer über einen Kamm geschert würden. Klein brach eine Lanze für die Besucher. „Die Natur ist nicht kaputtgemacht worden. „Man sollte die Leute nicht aussperren.“

Auch Bürgermeister Josef Taffertshofer zeigte sich „ein bisserl verwundert“ über die harte Haltung der Kreisbehörde. Er habe gedacht, dass ein Teil der errichteten Anlagen wie die Fußpfad-Baumscheiben erhalten bleiben können. Richard Schuster sprach von einer „klaren Ansage“: Sollte der Rückbau erfolgen, dann „passt das so“, hofft er auf Ruhe am See. Der dritte Bürgermeister räumte nämlich durchaus Probleme mit einigen Besuchern ein. „Die Benutzer sind nicht immer gesprächsbereit gewesen“, so Schuster. Seine Bitte: Die Gemeinde solle versuchen, wenigstens Anlagen auf einem Teil des Ufers zu erhalten – sonst würden Besucher trotz Verbots gleich die ganze empfindliche Natur betreten.

Der Wildsee wurde schon immer von den Wildsteigern gern zum Baden hergenommen. Und nicht nur das. Im Jahr 2010 wurde laut Naturschutzwächter Schubert ein uraltes Holzboot im Wasser aufgestöbert. Als das Tannenholz untersucht wurde, stellte sich heraus, dass es 300 bis 350 Jahre alt ist. Das Boot wurde stolz bei der 900 -Jahr-Feier Wildsteigs hinter dem Feuerwehrhaus ausgestellt.

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