Ärztlicher Notdienst

Bald Bereitschaftspraxis im Krankenhaus

Schongau - Die Ärzte im Raum Schongau haben Sorgen: Weil die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Portalpraxen an Krankenhäusern installieren soll, drohen ihnen finanzielle Einbußen. Ein Pilotprojekt könnte Entspannung bringen.

Dr. Helga Holzfurtner ist nicht nur Allgemeinärztin in Reichling, sondern auch Mitglied der AG Südbayerischer Ärztenetze. In deren Namen hat sie einen Offenen Brief verfasst, erklärt, dass die geplante Klinikreform den Krankenhäusern nicht nur weitere Milliarden bescheren werde, sondern dass von politischer Seite auch sogenannte Portalpraxen an Krankenhäusern gewollt sind, für die die KV den Weg bereiten soll. In solchen Praxen versorgen dann im Krankenhaus angestellte Ärzte Patienten am Wochenende bzw. an Feiertagen.

Genau das wollen die niedergelassenen Ärzte aber nicht, weil die Kosten hierfür auch ihnen mit aufgedrückt werden sollen. Stattdessen bieten sie sogenannte Bereitschaftspraxen an, die ebenfalls an ein Krankenhaus angedockt sein können, die aber von niedergelassenen Ärzten betrieben werden. 

Bereitschaftspraxen ergänzen den ärztlichen Notdienst

In Landsberg ist das längst usus, an der Schongauer Klinik soll ein solches Angebot laut Krankenhausverwalter Thomas Lippmann im Frühjahr nächsten Jahres starten. In Weilheim ist ein entsprechendes Modell derweil noch Zukunftsmusik, da sich die niedergelassenen Ärzte bislang noch nicht einigen konnten. Besagte Praxen sind quasi eine Ergänzung des bereits bestehenden ärztlichen Notdienstes am Wochenende, der beibehalten werden soll. Allerdings werden die Regionen der dort zusammengeschlossenen niedergelassenen Ärzte vergrößert, so dass viele Mediziner künftig weniger Wochenenden opfern, dafür aber auch weitere Strecken fahren müssen. 

Fahrdienst für Bereitschaftsarzt?

Ein Zuckerl dafür gibt’s aber laut Helga Holzfurtner. „Der Landkreis Weilheim-Schongau ist Pilotprojekt für den neuen Fahrdienst. Im Klartext bedeutet das, dass sich Ärzte von einem Fahrer zu dem jeweiligen Patienten chauffieren lassen können, wenn sie nicht selbst fahren wollen. Dafür können sie dann kein Kilometergeld mehr abrechnen.“ Je nachdem, wie das Projekt angenommen wird, könnte es schon bald bayernweit übernommen werden. 

Was die Portalpraxen angeht, sieht Holzfurtner speziell für den ländlichen Raum noch wenig Gefahren. Denn auch in Landsberg wurde eine Bereitschaftspraxis ans Klinikum angegliedert. „Portalpraxen sind eher in Ballungsräumen zu erwarten, wo auf Kommerz ausgelegte Spezialkliniken angesiedelt sind. Das Land ist da noch relativ gesund“, urteilt sie. Der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Karl Breu, spricht von einem „derzeit sehr heiß diskutierten Thema bei uns im Kreis“, wenn er auf die Notdienste zu sprechen kommt. 

Notaufnnahmen droht Überbelastung

Patienten, die die Bereitschaftsnummer 116 117 wählten, seien zunehmend ungeduldiger geworden, landeten deshalb auch mit teilweise leichteren Beschwerden in der Krankenhaus-Ambulanz. Dazu Breu: „Die Ärzte dort werden aber oft für wichtigere Behandlungen gebraucht, für die sie dann nicht zur Verfügung stehen.“ Außerdem werde die Notaufnahme im Krankenhaus durch diesen Ansturm bis an und auch über die Belastungsgrenze hinaus gebracht. Deshalb seien jetzt die niedergelassenen Ärzte gefordert, diese Arbeit zu übernehmen. 

Vorbild Landsberg am Lech

Im Nachbarlandkreis Landsberg funktioniere dies bereits ausgezeichnet. Breu: „Ich wünsche mir solche Bereitschaftspraxen, weil die Kliniken dann nicht mehr mit Bagatellfällen eingedeckt werden.“ Das sieht auch Krankenhausverwalter Lippmann („Es wäre in großer Fehler, sich da zu verschließen“) so. Die Schongauer Bereitschaftspraxis soll im Frühjahr im Bereich der Notaufnahme installiert werden, entsprechende Räumlichkeiten werden noch hergerichtet. 

"Krankenhaus darf keine Patienten verlieren"

Eins, so Lippmann, dürfe allerdings nicht passieren. „Dass das Krankenhaus Patienten verliert.“ Dr. Cornelius Pirzer aus Peiting erklärt dazu, dass ursprünglich geplant war, „dass der Praxisverbund Pfaffenwinkel“ die Bereitschaftspraxis mitträgt. Dies sei aber daran gescheitert, dass die KV eigene Vorstellungen gehabt habe und nun auch Träger sei. Für gut hält er, dass die Bezirke für den normalen Notdienst größer gefasst werden. „Da sind zweifellos die Praxen in Peiting und Peißenberg Profiteure“, sagt er und erklärt: „Bisher mussten wir etwa 50 Tage im Jahr ran, jetzt sind es nur noch zwölf.“ Für Schongau und Weilheim hingegen ändere sich nicht viel.

Stephan Penning

Rubriklistenbild: © archiv

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