Schlecht für die Kundenbindung: Tankstellen dürfen nachts keinen Alkohol an Fußgänger und Radler verkaufen. Pfeffer

Alkohol an Tankstellen: Schlupfloch Schankgenehmigung

Schongau - Der Alkohol-Verkauf an Fußgänger und Radler in Tankstellen ist in der Nacht zwar verboten, doch für Tankstellenbetreiber im Schongauer Land heißt das Zauberwort Schankgenehmigung.

Was ist verboten, was erlaubt? Wenn’s um den Kauf von Alkoholika an Tankstellen nach 20 Uhr geht, sieht das Gesetz derzeit ein Verbot für Fußgänger und Radfahrer vor, während Kraftfahrer und deren Mitreisende den sogenannten „Reisebedarf“ erwerben dürfen. Manch Tankstellenpächter kann darüber nur den Kopf schütteln. „Uns trifft das zwar nicht mehr, weil wir seit Abschluss des Umbaus eine Schankgenehmigung besitzen und rund um die Uhr Alkohol auch an Fußgänger und Radfahrer verkaufen dürfen“, sagt Nicole Kiefer von der OMV-Tankstelle in Schongau. „Doch früher war’s hart. Man musste sich oft dumme Kommentare anhören, wenn man fragte, ob der Kunde mit Auto oder zu Fuß da ist.“

Dem Mitarbeiter, der immer allein in der Tankstelle Dienst tue, sei eine Prüfung nahezu unmöglich gewesen. „Der musste ja auch die Kunden bedienen, die bei uns im Bistro saßen und dort gegessen und getrunken haben.“

Die derzeitige Regelung hält sie für „absolut unlogisch“. Begründung: „Auf der einen Seite tendiert alles in Richtung Null-Promille-Grenze, auf der anderen Seite dürfen Autofahrer aber Alkohol auch nachts kaufen.“

Unverständnis herrscht auch bei Elisabeth Kehrer vor, die die Aral-Tankstelle in Peiting mit Ehemann Kurt betreibt. Auch dort hat man eine Schankerlaubnis, fühlt sich deshalb vom Gesetz nicht betroffen. Eine klare Meinung hat sie dennoch. „Die Regelung gilt ja auch an Sonn- und Feiertagen. Das wissen viele nur nicht und ich bin mir nicht sicher, ob Ministerin Haderthauer selbst da noch durchsteigt.“

Die Ministerin habe doch in erster Linie erreichen wollen, dass Jugendliche nicht mehr so leicht an Alkohol gelangen. Doch dem Komasaufen könne man mit dieser Regelung definitiv nicht erfolgreich entgegenwirken. „Die decken sich doch rechtzeitig bis 20 Uhr in Supermärkten ein. Wenn ich da manchmal sehe, wie junge Leute schwer bepackt mit Alkohol rauskommen, frage ich mich, wie durchlässig das Jugendschutzgesetz für manche immer noch ist.“ Bei ihr an der Tankstelle werde das strikt beachtet. So mancher Jugendliche sei deshalb schon wieder heimgeschickt worden. Und: Ministerpräsident Seehofer wolle den Vollzugshinweis ja wieder kippen, „doch keiner weiß eigentlich so genau, was passieren soll“.

Und dann wird Kehrer noch deutlicher: „Stellen Sie sich vor, ein Stammkunde kommt abends um halb neun zur Tankstelle, weil er überraschenden Besuch erhalten, aber nichts im Hause hat und will ein paar Flaschen Bier oder Wein kaufen und wir müssen ihn unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken. Der kommt so schnell nicht wieder.“

André Toth, Betreiber der Esso-Tankstelle in Schongau, sagt unmissverständlich: „Die Leute, die ein Alkoholproblem haben und ihn beschaffen müssen, finden immer einen Weg - mit oder ohne Tankstelle.“ Der Umsatz bei Alkoholika zwischen 20 und 22 Uhr sei zudem stark rückläufig, seit in unmittelbarer Nachbarschaft ein Discounter eröffnet habe. „Da haben die Jugendlichen eine größere Auswahl und das zu günstigeren Preisen“, erklärt er. Und meint deshalb auch: „Da gehört eine klare Linie her. Entweder dürfen alle verkaufen oder gar keiner.“

Auch er besitzt zwar eine Schankerlaubnis, ist sich aber nicht sicher, „ob darin ein Verkauf außer Haus eingeschlossen ist“. Daher ist sein Personal angewiesen, die Richtlinien zu befolgen. Gleichwohl räumt er aber ein, dass „ein Stammkunde, der eine spontane Grillparty ausrichten möchte, natürlich bei uns auch das dafür nötige Bier bekommt“.

Anders verhält sich das bei alkoholisierten Personen, die abends Nachschub ordern wollten. „Meine Mitarbeiter sind angehalten, jeglicher Konfrontation aus dem Weg zu gehen und lieber die Polizei zu rufen, bevor jemand aggressiv wird und es zu Übergriffen kommt.“

spe

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