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Charly Walter ist wieder da. Nachdenklich aber entschlossen. Die Farben kräftiger denn je.

Allroundkünstler Charly Walter

Die Farbe hat ihn wieder im Griff

Schongau - Charly Walter ist zurück auf der Bühne der Malerei. Während seiner zwei Jahre im Exil ist er immer wieder zu dem Resultat gekommen, dass er ohne Malerei und den Kontakt zu seinen liebgewonnenen Besuchern der Ausstellungen nicht wirklich leben kann. Viele seiner Freunde protestierten damals, als er sich mit seiner allerletzten Vernissage verabschiedete.

Der Protest muss Charly Walter wahrlich aufgerüttelt haben. Er ist wieder da. Und noch besser, seine neuen Bilder beeindrucken mit kräftigen Farben. Ausdrucksvoll bis ins Detail.

Es war eine Durststrecke für Pinsel, Farben, Spachtel und Leinwand. Charly Walter hatte nach seiner letzten großen Ausstellung den Vorhang seiner Bühne fallen lassen. Er hatte sich damals von seinem Publikum sehr emotional verabschiedet. Die wenigsten konnten daran glauben, dass seine Farbtöpfe zum Austrocknen verdammt sein sollten. Einsprüche wurden laut. Diesen Typus von geballt strotzender Kreativität kann man doch nicht ruhen lassen.

Was seine Leidenschaft zurückbrachte

Aber Charly war müde geworden, Krankheiten hatten ihn mürbe gemacht. Die Wende. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Es kommt Leben in die Bude. Enkelsohn Julius wird geboren und wirkt Wunder. Er fordert den alten Herrn. Lässt ihn die unangenehmen Dinge vergessen. Der große Walter vergöttert den Kleinen, der Kleine schenkt dem Großen wieder Mut. Und Tatendrang. Charly hält Momente fest, erst mit Kamera, dann wieder mit Pinsel. Die eingetrockneten Farbtöpfe werden durch neue ersetzt. Charly malt wieder, die Leidenschaft ist endlich zurück. Der Vorhang seiner Malbühne wird endlich hochgezogen. Wo er sich damals verabschiedet hat, tritt er erneut ins Rampenlicht.

Die Gäste im Ballenhaus von Schongau sind voller Erwartungen. „Was hat er sich diesmal wieder ausgedacht?“, steht als große Frage im Raum. Und sie sind alle gekommen. Die Familie, Freunde, ehemalige Arbeitskollegen, Schongaus Bürgermeister, viele seiner Malschüler. Klar, sie sind neugierig auf Walters Ideen, wie er sein Thema „Symphonie der Farben“ umgesetzt hat.

Charly Walter begrüßt. Musikalisch. „I did it my way“, von ihm vorgetragen. Ein Leben Revue passieren lassen. Er ist zurück in seinem Leben. „Es tut saugut“, so sein kurzer, aber treffender Dank an die Gäste, die ihn mit Beifall überschütten. „Ich habe eine Symphonie in Farben erstellt, dabei hat mir das Malen Zufriedenheit geschenkt“, so Charly Walter sehr nachdenklich und mit ruhiger Stimme.

Klanglich durchgesetzt hat sich auf alle Fälle an diesem Abend Sean Mahner. Der 12-jährige junge Künstler ist der „Shootingstar am Pianohimmel“. So hat ihn Charly Walter angekündigt und sollte Recht behalten. Talentiert, unbekümmert, ohne Allüren lässt Sean seine Finger über die Tasten gleiten, wahrlich beeindruckend. Die Zugabe ein Muss ans begeisterte Publikum. Dieser Auftritt ebenfalls ein typischer Charly Walter. Er steht voll hinter jugendlichen Talenten und ist ein begeisterter Förderer derer. Gut, die Jugend hat Hans Enzensperger schon ein paar Monate hinter sich gelassen, aber nicht seine Bindung zu Walter. Schließlich haben die beiden lange Jahre miteinander gejazzt. Deshalb musste Enzensperger einfach dabei sein. Mit seiner Klarinette natürlich, versteht sich. Sehr zur Begeisterung der Gäste. Bernd Dubon begleitet am Klavier. „Summertime“, vor der in gelb gehaltenen Kulisse von New York. Perfekt inszeniert. Die beiden Musiker vor „Freedom“ und „in motion“. Und geben alles. Daneben wird es ruhig. Und sehr einsam. „Marokkanische Einsamkeit“ im Doppelpack.

Über den Geschmack - alles ist möglich

Zwei hochformatige Bilder entführen den Betrachter in eine immer noch fremde Welt. „Diese beiden Bilder müssen zusammenbleiben“, so eine faszinierte Katerina Faltis charmant bestimmend zu ihrem Ehemann Jiri. Die Bilder bleiben zusammen. Katerina hat Geschmack.

Geschmacklich überragend auch die süßen Verführungen von Schokoladier Hans-Jürgen Sopper. Da spachteln die Gäste förmlich. Vielleicht ein Anreiz für Walter, bei der nächsten Ausstellung eine Variation aus gespachtelter Schokolade in Bilderform auf Leinwand zu präsentieren. Wer weiß? Bei Walter ist alles möglich.

Hans-Helmut Herold

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