Langfristiger Vertrag für Bierofka - „Nur der Anfang dieser positiven Entwicklung“

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Das Treffen der alten Haudegen nach 50 Jahren in der „Fundgrube“ vom Musikhaus Kirstein in Altenstadt: (v.l.) Heinz Kirstein, Dietmar Friebel, Axel von der Heyde und Martin Settele

Band-Serie

Als „The Crazies“ die Bühnen stürmten

Sie fetzen heute noch in alter Manier über die Bühne, haben nichts von ihrer Anziehungskraft verloren: die Rolling Stones. Mit den Beatles und anderen Bands setzten sie vor 50 Jahren Meilensteine in Sachen Beatmusik. Der Beat war wie ein Fieber, das die Jugend infizierte. Auch der Schongauer Raum wurde von dieser Welle überzogen. Eine der ersten Bands waren „The Crazies“.

Hohenfurch – Der musikbegeisterte Teenager Heinz Kirstein (16) hat seine besten Kumpels Axel von der Heyde und Dietmar Friebel eingeladen. Im elterlichen Wohnzimmer in der Hohenfurcher Kapellenstraße steht der Stolz der Familie: ein Grundig Radioempfänger Marke „Weltklang“. Die Musik, die aus dem Lautsprecher tönt, ist gewöhnungsbedürftig. Auf alle Fälle für Vater Walter, der zu der Zeit als Schlagzeuger mit den „Goldenen Fünf“ im Cafe Fischer zu Tanzabenden einlädt. Der Vater flüchtet, die ausgestrahlte Sendung ist nichts für sein Gemüt. „Beat aus Bayern“ wird über den Äther geschickt. Das ist Revolution in Sachen Musik. In den 60er Jahren halten Stones, Beatles, Spencer Davis Group, Who, Kinks Einzug, sie haben es dem Hohenfurcher Trio angetan. Das ist Musik, das ist Beat.

Heinz ist hin und weg, versucht, seine Freunde für diesen Sound zu begeistern. „Wir machen jetzt auch eine Beatband auf“, stellt er in den Raum. Kirstein spielt seit seinem achten Lebensjahr Akkordeon. Die Tasten rauf und runter. Aber mit der Quetsche Beatmusik? Gitarren müssen her, mindestens zwei Stück. Ohne Gitarre geht nichts. Und Griffe müssen auf der Gitarre geschruppt werden. So wie es die Großen der Szene vormachen.

Doch wer soll es den Jungs beibringen? Kein normaler Musiklehrer hat sich mit der Beatmusik auseinandergesetzt – und wenn doch, dann hat er den Stil verteufelt. Zum Glück hat Heinz bei Bellinda, wo er arbeitet, Sigi Müller kennengelernt, heute bekannt als ALS-Stadtrat. Sigi hat das Gitarrenspiel im Griff, kennt die Akkorde, mit denen man sofort die ersten heißen Beatnummern spielen kann. „Außerdem war Sigi ein Sprachengenie, der alle möglichen Texte konnte“, erinnert sich Heinz Kirstein.

Alleine das Outfit war damals schon „crazy“, wie hier auf dem Foto bei Frontman Heinz Kirstein zu sehen. Links daneben Manfred Sawilla, der immer wieder die Band mit seiner Bassgitarre unterstützte.

Die Beatrakete ist gezündet. Zumindest Stufe eins. Dass Heinz Gitarre spielen wird, steht felsenfest. Aber wer wird der zweiten die Töne abverlangen? Dietmar Friebel, Sonnyboy des neuen Beat-Trios, steigt gleich groß ein. Zwei Gitarren werden gekauft. Diese bis jetzt fast unbekannten Dinger, die mehr Brett als Klangkörper darstellen. „Da gingen all unsere Ersparnisse drauf“, erzählt Heinz. „Um die 150 Mark kostete so eine Beat-Gitarre“, erinnert er sich. Kostengünstiger ist es für Axel. Der will den Part als Sänger und Frontman übernehmen. Schlagzeug Fehlanzeige, bei den ersten Proben wird auf stabilen Kartons geklopft. Das übernimmt ein weiterer Kumpel, der mit ins Boot geholt wird. Martin Wetzler als Pappschachtelschlagzeuger.

Dementsprechend klingt der neue Beatsound im Wohnzimmer von Familie Kirstein. Vater Walter erstellt den ersten Platzverweis. Zu schräg die Töne, zu ungewohnt die Harmonie für den überzeugten Tanzmusiker. Also muss ein anderer Proberaum her. Die Mutter weist ihnen einen Kellerraum zu. Ein eigener Raum zum Experimentieren und Austoben. Der Hohenfurcher „Beatschuppen“ ist geboren.

Zur Begeisterung der Jungs. Natürlich auch der weiblichen Jugend des Dorfes, die unerkannt über eine Außentreppe die heiligen Hallen erreichen kann. Sonnyboy Dietmar ist begeistert, die Mädels auch, deren Eltern in großer Sorge. Der neue Beatschuppen ist im Dorf berüchtigt.

Jetzt muss noch ein Name her. Möglichst verrückt, man will ja schließlich in aller Munde sein. Also warum nicht irgendwas mit „crazy“. „Wir singen englisch, also muss der Name auch englisch sein“, die Idee von Axel. Was der vorschlägt, wird gemacht. Schließlich hat er von allen das schnellste Moped, eine Kreidler mit Rennverkleidung. Die Geburtsstunde der „Crazies“.

Das schlägt Wellen. Martin Settele wird ebenfalls Gitarrist bei den „Crazies“. Die sind wirklich verrückt. Drei Gitarren und kein Bass. Dafür schleppt Heinz das Keyboard seines Vaters an, das er für ein paar Stunden ausleihen darf. „Bei diesem Instrument aus dem Quelle-Katalog klang das Saxophon genauso schräg wie die Querflöte“, erzählt Heinz lachend. Aber seine Finger holten das Beste an Beat heraus.

Die ersten Nummern werden einstudiert. Ganz oben ein Gassenhauer der Spencer Davis Group. „When I come home“, der Hit. Axel gibt alles, will es dem guten Steve Winwood gleichtun. „Es entsteht ein gewisses Hohenfurcher Englisch – so gesungen wie gehört“, das Geheimrezept. Ganz stolz sind die Jungs darüber, dass sie ohne Notenständer spielen. Alles aus dem Kopf und frei Schnauze. Und immer Blickkontakt zu den Mädels.

Mit gelben T-Shirt Dietmar Friebel, der Sonnyboy der „Crazies“. Neben ihm Heinz Kirstein.

Das erste Profi-Mikrofon wird gekauft. Von Vater Walter finanziert. Ein Profimikro, von zwei Seiten aus zu besingen. Wie die großen Vorbilder Beatles, die auf Bildern so zu sehen sind. Ein Mikro, zwei Sänger gegenüber stehend. Die „Crazies“ probieren, zu dritt gesanglich zu brillieren. Axel, Heinz und Dietmar üben. Ausgerechnet einen Song der Flippers. „Monia“, ein Gassenhauer. Beatmusik und „Monia“? „Es war wirklich nur, um den Chorgsang zu üben“, so ein fast verlegener Heinz.

Das erste große Beat-Festival steigt in der Blauen Traube in Schongau. Groß angekündigt in der örtlichen Presse, die ausgehängten Plakate im ganzen Landkreis nicht zu übersehen. Da wollen die „Crazies“ natürlich mit dabei sein, wenn „The Beautis“, „The Blacks“, „The Mods“, „The Roadrunners“, „The Skulls“, „The Tambourines“ und „The Cadillacs“ mit dabei sind. Weibliche Fans haben die „Crazies“ genügend, da könnten sie glatt auf Platz 1 landen. Aber musikalisch? Axel gibt alles beim Stones- Knaller „Get of off my cloud“. Übertrifft sich mit „Painterman“ und dem Spencer Davis Hit. Aber ohne Bassgitarre wie eine Suppe ohne Salz. Der letzte Platz ist programmiert. Gewinner: „The Tambourines“. „Hätten wir einen Bassisten gehab, wären wir sicher auf dem vorletzten Platz gelandet“, witzelt Heinz.

Ein Jahr lang touren die „Crazies“ durch die Schongauer Lande und Nachbarlandkreise, dann lösen sie sich trotz neu gewonnenem Bassisten auf. Einige der Mitglieder werden ruhiger und kehren zur Tanzmusik zurück. Denken aber immer noch an die verrückte Zeit zurück. War einfach crazy.

Kennen Sie Bands

aus den 60er Jahren, die es vielleicht nur kurze Zeit gab oder auch länger, und deren Geschichte erzählt werden soll? Dann melden Sie sich unter Tel 08861/92130.

Hans-Helmut Herold

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