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Viele helfende Hände: Die Altarplatte wird in der Pfarrgemeinde St. Martin vorsichtig auf den Fuß gesetzt.

Altarweihe in Sachsenried

Fundament des Lebens gesegnet

Sachsenried - Zum ersten Mal seit mehr als 200 Jahren ist in der Pfarrkirche St. Martin in Sachsenried ein neuer Altar geweiht worden. Weihbischof Josef Grünwald vollzog die Konsekration gemeinsam mit dem Altenstadter Pfarrer Karl Klein.

Es sei ein „ganz besonderer Tag im Leben unserer Pfarrgemeinde“, befand Pfarrer Karl Klein. Denn das Ereignis, das die Gläubigen neben dem Pfarrer und Weihbischof Grünwald in der kleinen Kirche in Sachsenried versammelt hatte, „erlebt man vielleicht einmal im Leben. Wenn überhaupt“, so Klein weiter. Die letzte derartige Altarweihe hatte es in St. Martin im 18. Jahrhundert gegeben, teilte Klein der Pfarrgemeinde mit. Und nun gehe eine über achtjährige Geschichte der Planung und Realisierung von Altar und Ambo mit der Weihe, der so genannten Konsekration, zu Ende.

Für die Segnung dieses Fundamentes des Lebens hatten sich Pfarrer und Bischof das Patrozinium der kleinen Kirche, die dem Heiligen Martin geweiht ist, ausgesucht. Dessen Wirken ist auch im Altar verewigt, der Fuß ist zweigeteilt, so wie einst Martin seinen Umhang für eine Bedürftigen geteilt hatte.

Gemeinsam mit dem Altar wurde auch der Ambo neu gestaltet und gesegnet. Auf ihm ruht das Wort Gottes. Die (Be-)Schaffung eines neuen Volksaltares, wie er seit dem zweiten Vatikanischen Konzil für die Feier der heiligen Messe vorgesehen ist, sei dringend notwendig gewesen, so Pfarrer Klein. Die Sachsenrieder Kirche habe einen solchen Altar nie besessen, weshalb man sich immer mit Provisorien beholfen habe.

Vor acht Jahren etwa begannen die Planungen für die Um- und Neugestaltung des Altarraumes, im Zuge derer wurde auch die Schaffung des Altares beschlossen. Der und der Ambo gehörten neben dem Taufstein und dem Tabernakel, so erklärte der Weihbischof den Gläubigen, zum Allerheiligsten in einer Kirche. Und heute werde man den Altar aus der Künstlerhand in Gotteshand übergeben.

Joachim Kraus aus Markt Rettenbach ist der Künstler, der den Altar aus Juramarmor gestaltet hat. Passend zu dem Solnhofener Plattenkalk, der als Bodenbelag dient. Damit füge sich der Altar harmonisch in die vorhandene Bausubstanz der Kirche ein, so Klein weiter. Die Beschaffung des Altares, der auf einem geteilten Fuß ruht, hatte die Kirchengemeinde vor fast genau einem Jahr im November 2014 beschlossen. Beide, Ambo und Altar, sollten fest in der Kirche verortet werden, so der Beschluss, der Altar ist 94 Zentimeter hoch, der Ambo, auf dem die Bibel bei der Lesung ruht, 1,20 Meter.

Mit der Neugestaltung des Altarraums einher ging auch die Versetzung des Taufsteins, und zwar aus einer Nische im Altarraum vor den Marienaltar auf die linke Seite des Kirchenschiffes. Zusammen kosten beide 30 000 Euro, ein Drittel der Summe konnte bereits über Spenden und Zuschüsse dafür aufgebracht werden. In seinen Worten erläuterte der Augsburger Bischof den Gläubigen, was mit der Konsekration des Altars einhergehe. Er erinnerte zunächst an den Namenspatron der Kirche, den Volksheiligen Martin, dem auch das Altarbild und das Deckenfresko gewidmet sind. Nach der Segnung des Weihwassers werde man die Taufe erneuern, so Grünwald, und anschließend damit auch Ambo und Altar weihen.

Der Ambo sei mehr als ein Buchständer, er sei der „Tisch des Wortes“, von wo die geistige Nahrung kredenzt werde. Der Altar wiederum sei der Tisch des Sakraments, so Josef Grünwald weiter. Weshalb er die besondere Weihe der Konsekration erfahre. „Der Altar ist uns ein Bild unseres Herrn Jesus Christus“, so Grünwald. Deshalb auch werde der Altar mit dem Chrisamöl gesalbt, gleich wie es bei der Firmung der Kinder geschehe. Christus bzw. Messias seien Synonyme für Gesalbter, so Grünwald. Der Altar sei somit die festliche Tafel, an die Jesus einlade, die Messe zu feiern. Auch stehe der Altar für die Einheit der Kirche und für die Eintracht in der Gemeinde.

Bevor die Altarplatte, die Grünwald salbte, auf den Fuß gehoben wurde, wurden noch Reliquien der heiligen Crescentia aus Kaufbeuren und der Heiligen Christina im Fuß beigesetzt. Insbesondere die Kaufbeurer Ordensschwester sei die schwäbische Heilige, mit der man sich besonders verbunden fühle. Schlussendlich entzündeten Pfarrer Karl Klein und der Weihbischof Grünwald noch Weihrauch auf dem Altartisch.

Der Umbau des Altarraumes geschehe im Konsens mit dem Landesamt für Denkmalschutz, insbesondere die historische Ausstattung der Kirche sei dadurch nicht beeinträchtigt, so Karl Klein. Lediglich die Bodenplatten seien für die Installation von Ambo und Altar geöffnet worden. Mit der Feier der Eucharistie wurde der Altar quasi in Betrieb genommen.

Oliver Sommer

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