Vier Fallschirmspringer bilden in einer Höhe von 3000 Metern die Formation Diamant. Die vorderen Jungs halten in ihrer freien Hand jeweils einen Sony-Walkman, die Kopfhörer sind an die Lederhauben angenäht. 
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Vier Fallschirmspringer bilden in einer Höhe von 3000 Metern die Formation Diamant. Die vorderen Jungs halten in ihrer freien Hand jeweils einen Sony-Walkman, die Kopfhörer sind an die Lederhauben angenäht. 

Der Walkman feiert 42. Geburtstag - Bundeswehrsoldaten als Pioniere

1979: Erster Fallschirmsprung mit Disco-Sound

Im Juli des Jahres 1979 war ein ganz besonderer Tag für alle Freunde „tragbarer Musik“. An diesem Tag kommt der Sony Walkman auf den Markt. Er ist ein tragbares Abspielgerät von Musik-Kassetten. Der Sound kann über Kopfhörer in revolutionärer Tonqualität genossen werden – sogar im freien Fall über den Wolken.

Altenstadt – Im Juli hatte der Walkman Geburtstag. 42 Jahre hat er auf dem Buckel. Ein Gerät mit Kultstatus, das die Jugend von heute teilweise gar nicht mehr kennt. Dieses kleine Gerät in den Maßen einer Zigarettenschachtel hat die Welt aufhorchen lassen. Überall dabei, um nicht auf den gewohnten Musikgenuss verzichten zu müssen. Man konnte somit immer seine eigene Disco mitführen.

Und wer hat das Ding erfunden? Der deutsche Andreas Pavel hat zwei Jahre zuvor dieses Abspielgerät zum Patent angemeldet. Erst über 20 Jahre später hat Sony dies in einem Rechtsstreit anerkannt.

„Werbung weckt Wünsche“, so ein bekanntes Zitat. Und die Werbetrommel wurde für dieses Gerät enorm gedreht. Auf allen möglichen Plakatwänden, in Musikmagazinen und auf den Messen für Unterhaltungselektronik wurde der Walkman angepriesen.

So sah der Sony Walkman nebst Kassette aus. Daneben ein weiteres Modell der Firma Grundig, das sogar UKW-Sender empfangen konnte. 

So eine Werbeanzeige faszinierte auch die jungen Männer der Nationalmannschaft im Fallschirmspringen in der Kaserne in Altenstadt: „Das wäre genau das Richtige für Sprungpausen“, so der Gedanke der Gruppe. „Jeder kann seine eigene Musik hören. Und das in der Lautstärke, wie es ihm gefällt“, wurde weiter gesponnen.

Die zündende Idee kam in lockerer Runde: „Wir springen eine Formation und halten den Walkman locker in der Hand“, so der Vorschlag. Natürlich gab es dabei einen Hintergedanken: „Wenn Sony uns die Dinger für die Mannschaft zur Verfügung stellt, dann bekommen die von uns die Fotos für ihre Werbung“, so der Vorschlag.

Gemeinsames Kopfnicken. Ein Schriftstück wird aufgesetzt und abgeschickt. Erstaunlich schnell die Antwort: Sony akzeptiert die Bedingungen der Mannschaft. Das ganze Team mit Anhang soll in den Genuss eines solch revolutionären Geräts kommen. Die Freude geradezu euphorisch.

Nur wenige Tage später traf das große Paket ein. Zu jedem Walkman gehörte im Set ein Kopfhörer. Sogar mit Batterien inklusive. „Wenn schon die Kopfhörer mit dabei sind, müssen die doch auch mit auf’s Foto“, so die einstimmige Meinung. „Sieht auch viel cooler aus“, wird hinterhergeschickt. „Doch wie soll das bei den Sprunghelmen aus Kunststoff gehen?“, lautete die Frage aller Fragen.

Da half ein in die Jahre gekommener Motorradfan, der aus seinem Fundus noch alte Lederhauben hervorzauberte. Die kleinen Kopfhörer konnten so ohne Probleme fest angenäht werden. Schließlich mussten diese im freien Fall gute 200 Stundenkilometer Geschwindigkeit aushalten.

Die Gruppe entschied sich für einen „Vierer Diamant“, so nennt man diese Sprungformation. Drei Springer konnten dabei den Walkman in der freien Hand in die Kamera halten. Der hintere Springer musste beide Hände einsetzen, deshalb trug er nur die Kopfhörer. Der Sprung glückte, die Formation gelang ohne Probleme. In exakt 3000 Metern Höhe lag der „Diamant“ wie ein Brett in der Luft. Aufgenommen auf Diapositiv-Filmmaterial, so wollten es die Werbespezialisten von Sony.

Und wenige Wochen später konnte man dann das fertige Ergebnis auf unzähligen Werbeträgern entdecken. Übrigens: Der Walkman wurde in seinen verschiedenen Variationen weltweit über 335 Millionen Mal verkauft.

Hans-Helmut Herold

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