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Oberstleutnant Maximilian Linder, Standortältester Oberstleutnant Roland Pietzsch und Professor Horst Möller (v.li.) schauten sich gemeinsam die Strauß-Ausstellung an.

25 Jahre Franz-Josef-Strauß-Kaserne

„Der Name Strauß hat viele Türen geöffnet“

Seit 25 Jahren heißt die Kaserne in Altenstadt nach dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Das Jubiläum war jetzt Anlass, um auf das Wirken des großen CSU-Politikers zurückzublicken – mit allen Höhen, aber auch Tiefen.

Altenstadt – „Man kann über Franz Josef Strauß nicht etwas erklären“, sagt Professor Horst Möller. Jeder glaube, Franz Josef Strauß zu kennen, habe Bilder und vor allem suggestive Vorstellungen im Kopf, die er mit Strauß verbindet. „Ich könnte stundenlang über die Faszination Strauß reden“, sagte der Professor für neuere und neueste Geschichte bei seinem Vortrag „Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister“ in Altenstadt, der in die eigentliche Veranstaltung „25 Jahre Franz-Josef-Strauß-Kaserne“ eingebunden war. Horst Möller sprach über Strauß’ politische Karriere, den Aufbau der Bundeswehr, über Strauß als Verteidigungsminister und auch über den Skandal um Franz Josef Strauß (FJS).

Zunächst allerdings erinnerte Möller an den Soldaten FJS im Zweiten Weltkrieg. Einsatz in Frankreich, an der Ostfront, in Dänemark und zu Kriegsende als Oberleutnant und Ausbildungsoffizier in Altenstadt. „Strauß war der Meinung, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist und machte daraus keinen Hehl“, sagt Möller. In Hohenfurch habe Strauß etliche Soldaten, die kurz vor Kriegsende die Waffen weggelegt hatten, das Leben gerettet, indem er sie als militärischer Vorgesetzter festgenommen hat und so vor der Erschießung durch die SS bewahrt habe.

Nach dem Krieg war Strauß Landrat im Landkreis Schongau und Generalsekretär von Josef Müller, genannt Ochsen-Sepp. 1978 wurde er bayerischer Ministerpräsident. Politisch sei es damals heftig zugegangen. „Was jetzt an Streit vorgeführt wird, sind dagegen zarte Lüftchen“, meint Horst Möller.

Er erinnerte auch an den Bundesminister ohne Geschäftsbereich und an den Atomminister Strauß. Es war die Zeit des Korea-Krieges, der Berlin-Blockade und als die Sowjetunion nach Europa vorrückte. Die Alliierten drängten, Deutschland solle einen eigenen Beitrag leisten.

Die Wiederbewaffnung habe damals die Gemüter bewegt. Bundeskanzler Adenauer habe, so Möller, mit Militär nicht viel anfangen können. „Er hielt vor dem Bundestag eine matte Rede.“ Strauß dagegen habe mit seiner Rede den Durchbruch gebracht. Da sei klar gewesen, dass Strauß Verteidigungsminister werden wollte. Wurde er und war es sechs Jahre lang. „Strauß ging von Anfang an beherzt zu Werke.“ Vom Uniformknopf bis zum Atomsprengkopf, er habe sich um alles gekümmert. Und das sei für Strauß charakteristisch gewesen. Er habe dafür gesorgt, dass eine effektive Rüstungsindustrie aufgebaut wurde, schaffte binnen sechs Jahren eine Streitmacht von 400 000 Soldaten und sorgte dafür, dass die Bundeswehr in die NATO integriert wurde. Strauß habe damals gesagt, „wir dürfen nicht von den USA abhängig sein, die USA nehmen uns nur dann ernst, wenn wir ernst zu nehmen sind“.

Der Professor erwähnte die tragische Geschichte um den Starfighter mit 80 toten Piloten, den Skandal bei Beschaffung des Schützenpanzers HS 30, den VEBAG-Skandal und die „Spiegel“-Affäre, in dessen Zug Strauß als Verteidigungsminister zurücktreten musste. Am Schluss seines Vortrages erinnerte Möller an ein Zitat von Strauß: „Ich kenne den Krieg, deshalb will ich den Frieden.“

„Eine sehr differenzierte Darstellung von FJS“, waren sich die beiden Gastgeber Oberstleutnant Christian Schoebel und Roland Pietzsch einig. Schoebel sagte, er sehe FJS als Politiker mit strategischem Weitblick. 1979, daran erinnerte Bürgermeister Albert Hadersbeck, bekam Strauß den Goldenen Ehrenring für die Verdienste um die Gemeinde Altenstadt. Der Name Strauß habe viele Türen geöffnet, als es darum ging, den Standort Altenstadt zu erhalten. Oberst a.D. Ulrich Quante, der eigentliche Urheber dafür, dass die Kaserne der Luftlande- und Lufttransportschule „FJS-Kaserne“ benannt wurde, sagte: „So lange es die CSU in Bayern gibt, wird es niemand geben, der den Standort auflöst.“ Quante war damals Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule.

Von Walter Kindlmann

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