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Der One Chamber Choir aus Singapur mit Dirigentin Lim Ai Hooi bei seinem genialen Auftritt in der Basilika.

Konzert beim Kammerchorwettbewerb

Elegante Klangkultur in der Basilika

Es braucht gute zwölf Stunden Flugzeit, um von Singapur nach München zu reisen. Dann geht es weiter mit dem Bus ins Allgäu nach Marktoberdorf. Der noch junge One Chamber Choir hat an Pfingstsamstag dort sein Pflichtprogramm beim 15. Internationalen Kammerchor-Wettbewerb mit Bravour absolviert. Jetzt war das Konzert in Altenstadt an der Reihe.

Altenstadt – Die festlich gewandeten Sängerinnen und Sänger scheinen zum Altarrund der Basilika zu schweben. Ihre charismatische Dirigentin Lim Ai Hooi mit den zarten, feingliedrig großen Händen sammelt sich einen kurzen Moment. Dann fließen diese Chorstimmen wie Milch und Honig durch den sakralen Raum. Sie singen von Engeln und Sternen, mit lockerem Swing und leuchtenden Gesichtern vom „Honey Pie“ der Beatles, haben Zulu-Traditionals mit Djemben-Begleitung und kecke brasilianische Rhythmen mitgebracht. Federleicht, klar und leuchtend auch in extremen Höhen im Sopran, weich und geschmeidig in den Männerstimmen, hat dies Ensemble einen unglaublich balancierte, elegante Klangkultur.

Heißt es im Text des gebürtigen Litauers Imants Raminsh „Wehe Windchen, treib das Schifflein“, weht dem Zuhörer eine warme, liebevoll gestaltete Wolke entgegen. Man vergisst einfach, darüber nachzudenken, welche der vielen chorischen Tugenden One für sich in Anspruch nehmen kann, man ist als Hörer einfach selig vor Genuss. Wie flüssiges Gold dringt die Musik durch die Basilika.

Was neben der bestechenden Brillanz so bemerkenswert ist, ist die Art der Interpretation. Jeder Einzelne bringt sich mit einer solchen persönlichen Hingabe und Durchlässigkeit ein, dass die Gestaltungskraft des Textes ganz dicht und authentisch wird. So bewegt sich das „Du hast uns deinen Sohn gesandt, damit er bei uns sei“ auf Zulu gesungen, weit über rein künstlerische Fragen hinaus in eine spirituelle Dimension.

Genau das wünscht sich Ai Hooi, und es gelingen der delikat und plastisch agierenden Chorleiterin magische Momente mit einer Musik, voll und reich bestückt mit Symbolkraft.

Die drei an diesem Pfingstvorabend musizierenden Kammerchöre sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht, ihre künstlerische Qualität eint sie jedoch genauso wie ihr harmonisches Miteinander. Denn laut und jubelnd applaudiert man sich gegenseitig, überlässt die Begeisterung über das eben Gehörte nicht allein dem Publikum.

Es geht ein gewaltiges Beben durchs Kirchenschiff, als die Georgia State University Singers aus dem amerikanischen Stone Mountain zum Halleluja im „Salve Regina“ von Lars Jansson anheben. Auch hier sind es durchwegs junge, hervorragend ausgebildete Stimmen, die das gebannte Auditorium mit dem Spiritual „My soul’s been anchored in the Lord“ einfach weg fegen. Hier wird mit einer Kraft, Entschlossenheit, Bewegtheit gesungen, von der man auch nach dem Konzert noch zehren werden darf.

Aus voller Inbrunst stimmen diese Sänger der Georgia Stayte University (USA) ihre Lieder an.

Zum Wettbewerb zugelassen werden übrigens grundsätzlich nur Laienchöre, d.h. die Mehrzahl der Chormitglieder dürfen den Lebensunterhalt nicht durch Singen verdienen. Chöre mit Studentinnen und Studenten, die sich an Musikhochschulen und Konservatorien in Ausbildung befinden, werden ebenfalls berücksichtigt.

Die Auswahlkriterien der internationalen Jury sind streng. Wer beinahe um die halbe Welt fliegt, um an dem renommierten Wettbewerb teilnehmen zu dürfen, hat bereits ein herausragendes Niveau.

Im Zweijahresturnus wird in Marktoberdorf deutlich, was Pfarrer Siegfried Beyrer, jahrzehntelanger Wegbegleiter des Wettbewerbs, in seiner Begrüßung auf den Punkt gebracht hat: Musik gelingt es auf eine einzigartige Weise, Menschen problemlos miteinander zu verbinden. Der altersmäßig gemischtere, argentinische Coro Universitario de Mendoza hat sich zum Auftakt Rihards Dubras äußerst heikles „Stetit Angelus“ gewählt. Nicht ganz auf dem Punkt gelingt der Einstieg der Soprane. Aber rasch findet man zur Einheit, nachdem die sieben hohen Männerstimmen in Lauridsens „Ubi Caritas“ einen gregorianisch anmutenden dicken weichen Klangteppich ausgerollt haben. Unendlich sanft verhallt das Amen.

Ganz außergewöhnlich mischen sich kubanische Frömmigkeit und afrikanische Wurzeln im Confutatis und Lacrymosa von Calixto Alvarez, in das das aus der Seele geschriene Yoruba-Gebet der Frauenstimmen wie der Blitz fährt.

Die Möglichkeit, diese weltweit unglaublich vielfältige Literatur kennenlernen zu können, erhöht der Reiz dieser Konzerte noch einmal. Atemlos staunend und bewegt nimmt das Publikum das „Veni Creator Spiritus“ auf. Bevor es nach argentinischem Zungenbrechersound á la Piazolla in stürmischen Jubel ausbricht.

Dorothe Fleege

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