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Offizielle Eröffnung: (v.l.) Oberstleutnant Robert Badstübner, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck, Johann Nuscheler und Christian Feuerherd (Vattenfall).

Neues Energiekonzept in Altenstadt

„Kommandosache Biowärme“ in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne - die Steinkohle-Ära ist vorbei

Die Bundeswehr in Altenstadt nutzt keine Steinkohle mehr zum Heizen der Franz-Josef-Strauß-Kaserne. Aus der lokalen Biogasanlage der Firma Biogas Kees&Nuscheler bezieht sie den kompletten Grundbedarf an Energie. Nur im Winter kommt es noch zu Versorgungsspitzen, die durch Erdgas der Firma Vattenfall gedeckelt werden soll. Aber auch da arbeitet man an einer Lösung.

Altenstadt Johann Nuscheler, Geschäftsführer der Biogas Kees&Nuscheler GmbH & Co. KG, ist erleichtert. Seit bereits zehn Jahren betreiben sie die Biogasanlage: Aus der Gülle von 150 Kühen sowie aus Mais- und Gras-Silage sowie ganzen Pflanzen gewinnen die Bauern Energie. Aber bisher gab es keine richtige Verwendung für die Abwärme. Die Gemeinde Altenstadt hätte die Fernwärme für die eigenen Liegenschaften auch gerne genutzt, sagte Bürgermeister Albert Hadersbeck. Das war aber schwierig, da keine dauerhafte Wärmeabnahme gegeben war. Die Gemeinde entschied sich schließlich für die Versorgung mit Energie aus Hackschnitzeln durch einen Nachbarn.

Das Ziel, die Kaserne anzuschließen, bestand schon lange. Doch der Strukturwandel der Bundeswehr zögerte das Vorhaben hinaus, es fehlte einfach an Planungssicherheit. Wer sich erinnert: Lange Zeit war fraglich, ob die Kaserne überhaupt bestehen bleibt oder aufgelöst wird. „Als die Entscheidung der Bundeswehr für uns fiel, ging es letztendlich schnell“, sagte Nuscheler. 2018 hatte er die erste Kontaktaufnahme mit Vattenfall, auch bei der Bundeswehr fand er den passenden Ansprechpartner und bedankte sich für die reibungslose Zusammenarbeit.

Mit der umweltschonenden Energie- und Wärmeversorgung mit einer Gesamtleistung von bis zu fünf Megawatt vermeidet die Gemeinde rund 3000 Tonnen CO2 pro Jahr. „Das ist eine Wertschätzung unserer Landwirte. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Eine hervorragende Win-win-Situation“, freute sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Das neue Heizhaus neben der Kaserne. Eine Photovoltaik-Anlage deckt den Energie-Eigenbedarf großteils.

Oberstleutnant Robert Badstübner, Kommandeur der Franz-Josef-Strauß-Kaserne, war ebenfalls zufrieden: „Für unseren Standort bedeutet das neue effiziente Energiekonzept für mehr als 1000 Menschen eine sichere und moderne Wärmeversorgung. Zudem können wir einen Beitrag für den Erhalt der Umwelt, insbesondere hier in der Region, leisten.“ Die Kaserne beherbergt bis zu 1260 Personen in rund 30 Unterkunfts- und Funktionsgebäuden. „Wir haben hier ein gutes Beispiel, wie man Umweltschutz im Kleinen durchführen kann. Für uns alle ist es Zeit umzudenken“, so der Kommandeur.

Badstübner betont, dass sie die Energie- und Wärmeversorgung durch die Nutzung der Biogasanlage fast klimaneutral vor Ort generieren können. Und das ohne Wind- und Sonnenabhängigkeit. Die Bundeswehr positioniere sich, wo sie könne. Außerdem stärke der Vertragsabschluss den Zusammenhalt vor Ort. Von der schnellen Projektumsetzung ist der Kommandeur angetan. Auch der Verpächter des Grundstücks, auf dem das zwei Kilometer weit entfernte Heizhaus steht, das mit einer Wärmeleitung verbunden wurde, habe durch die langfristige Zusage ordentlich dazugeholfen.

Christian Feuerherd, Geschäftsführer Vattenfall Energy Solutions GmbH, hat das betriebliche Ziel, über eine Generation hinweg ohne fossile Brennstoffe auskommen. Auf dem Land, in der sogenannten dezentralen Energieversorgung, fallen 118 Millionen Tonnen CO2 jährlich an. Die will er auf 70 Millionen Tonnen reduzieren. Darin sei Altenstadt ein Baustein von hoffentlich vielen weiteren Gemeinden.

„Eine rundum gute Sache“, sagt Nuscheler bei der Führung über die Anlage. „Aus dem Biogas werden Strom und Wärme gewonnen. Der Rest des Gärsubstrates kommt als flüssiger Dünger wieder auf die Felder.“ Drei moderne erdgasbetriebene Niedertemperaturkessel ergänzen die Versorgungslösung. Sie kommen vor allem für Spitzenlasten im Winter zum Einsatz. So ermögliche Vattenfall die ganzjährige Nutzung.

Wobei Nuscheler schon weiter denkt. Zwei weitere Blockheizkraftwerke sind in Planung. „Der Bauantrag liegt schon dem Landratsamt vor.“ Mit nochmal jeweils 400 KW Leistung sollen sie die Bundeswehr zu Spitzenzeiten im Winter versorgen. Damit wäre dann nicht mal mehr der Zukauf von Energie aus Erdgas nötig.

VON KATHRIN SCHÄFER

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