Kirchenmusikerinnen bei der Orgelmatinee in der Basilika Altenstadt
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Die Kirchenmusikerinnen Stefanie Scheuchl (li.) und Muriel Groz.

Zweite Altenstadter Orgelmatinee

Romanischen Raum majestätisch gefüllt

Norddeutsche Orgelmusik war zu Beginn der zweiten Orgelmatinee in der Altenstadter Basilika zu hören – von Stefanie Scheuchl an der Orgel.

Altenstadt – Nikolaus Bruhns (1665-1697), ein Organist aus Husum in Schleswig-Holstein, war ein Phänomen. Er sang eine Kantate, spielte dazu meisterhaft die Geige und bediente gleichzeitig das Orgelpedal. Von ihm spielte Stefanie Scheuchl, Kirchenmusikerin aus Pfronten, im Rahmen der zweiten Altenstadter Orgelmatinee das kleine Präludium in e-moll.

Ein eindringliches Pedalsolo, Echostellen auf zwei Manualen und kunstvolle Fugatopassagen mit einem markanten Schluss und vorzüglich interpretiert: So stellte die Organistin das interessante Werk norddeutscher Musik in den Raum.

Musikerinnen geben klassische Stücke zum Besten

Einen großen Sprung in der Musikgeschichte stellte anschließend das Adagio für die Flötenuhr von Ludwig van Beethoven dar. In diesem Stück hat der Musiktitan auch auch in kleiner Form seine Größe gezeigt.

Die Flötenuhr, ein winziges, mechanisches Orgelwerk, gewissermaßen das „Grammophon der Barockzeit“, war damals sehr beliebt und wurde von Meistern wie Haydn, Mozart und Beethoven mit reizvollen Stücken bedacht. In Altenstadt erklang wie gesagt das Adagio Beethovens.

Es ist so aufwendig geschrieben, dass es nur mit vier Händen und Füßen auf der Orgel dargestellt werden kann. Daher bekam Stefanie Scheuchl bei diesem Stück Unterstützung von Muriel Groz aus Grenoble. Die Ausführung verlangt eine glänzende Klaviertechnik, die die beide Organistinnen besitzen, und den typischen Flötenklang, den sie aus der Orgel herausholten.

Scheuchl spielte anschließend von Johann Sebastian Bach den ersten Satz aus dem Orgelkonzert a-moll, das der Thomaskantor aus einem Concerto grosso von Antonio Vivaldi zu seinem eigenen Gebrauch für Orgel genial bearbeitet hatte: Musik, die den romanischen Raum der Basilika majestätisch erfüllte.

Auch moderne Lieder werden gespielt

Auch die Moderne kam im Stück „Vamuss“ des niederländischen Komponisten Ad Wammes (geboren 1953) zu ihrem Recht. Ein Stück, der Filmmusik nahestehend, farbig, rhythmisch ausgefeilt, meist tonal und sehr vornehm gespielt.

Als Abschluss gab es Szenen aus „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofiev (1891-1953). Die Gestalten des Stückes waren von den Organistinnen gut dargestellt – am besten der Großvater. Der Sprecher allerdings war kaum zu verstehen. Es war jedenfalls ein interessantes Experiment, das viel Aufmerksamkeit und Beifall erhielt.

Nächste Orgelmatinee am Sonntag

Am Sonntag, 5. August, spielt um 11 Uhr bei der dritten Orgelmatinee Michael Lachenmayr aus Mindelheim Werke von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und Philipp Emmanuel Bach.

Peter Paul Kulot

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