Aus dem Gericht

Topfwurf und Bisse im Asylbewerberheim

Der Streit zwischen drei Flüchtlingen aus Syrien, der im Mai vergangenen Jahres in der Asylunterkunft in Altenstadt ausbrach, war eigentlich eine Nichtigkeit, endete aber vor dem Amtsgericht Weilheim. Ein 24-Jähriger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten: Er hatte einem Landsmann einen Topf an den Kopf geworfen und dessen Bruder gebissen.

Altenstadt Da die geladenen Syrer nicht ausreichend deutsch sprachen, wurde während der Verhandlung simultan übersetzt. Die Beweisaufnahme gestaltete sich aber nicht schwierig, da sowohl der Angeklagte als auch die beiden verletzten Brüder und die drei geladenen Zeugen den Tathergang übereinstimmend schilderten.

So hatten an diesem frühen Abend im Mai die beiden Brüder ihre Sachen gepackt, sie sollten in eine andere Unterkunft nach Augsburg gebracht werden. Es soll Geschirr gefehlt haben, das sich im verschlossenen Schrank des Angeklagten befand. Dieser wollte aber den Schlüssel für den Schrank nicht herausgeben.

Man begann sich gegenseitig zu schubsen. Der körperlich deutlich überlegene Angeklagte warf den einen Bruder auf das Bett und schlug auf ihn ein. Der andere Bruder wiederum prügelte auf den Rücken des Angeklagten ein. Andere Mitbewohner wollten die drei Streitenden trennen. Im Verlauf dieses Gerangels erfolgte der Biss und der Wurf mit einem Topf, der sich in Reichweite befand. Die zwei Platzwunden durch den Topfwurf mussten später mit insgesamt 16 Stichen genäht werden. „Alles ging sehr schnell“, sagte ein Zeuge aus. Sicherheitsbeamte nahmen daraufhin den Angeklagten bis zur Ankunft der Polizei fest.

Warum er so dermaßen ausgerastet sei, fragte Richterin Christiane Serini den jungen Syrer. „Sie haben meine Familie beleidigt“, begründete der junge Mann seine Taten. Die Brüder hatten die Beleidigungen freimütig zugegeben. „Bei uns löst man das aber nicht so“, konterte die Richterin.

Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer ein hartes Urteil. Er beantragte, den Angeklagten ein Jahr und sieben Monate ins Gefängnis zu stecken. Auch von einer Bewährung sah er ab. Richterin Serini verurteilte den Syrer aber zu elf Monaten Freiheitsstrafe und setzte diese für drei Jahre zur Bewährung aus.

In ihren Augen sprach für den Angeklagten, dass er sich sehr überzeugend im Gericht bei seinen Landsleuten entschuldigt hatte, dass er bisher ein unbeschuldigter Mann ist und dass er geständig gewesen ist. Aber sie mahnte auch: „Beleidigungen dürfen niemals Schläge nach sich ziehen.“ Über den Dolmetscher wurde der junge Mann dann noch ausführlich über die Bewährung aufgeklärt. „Es passiert jetzt erst mal nichts, aber bei dem kleinsten Vergehen wandern Sie ins Gefängnis“, sagte Richterin Serini.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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