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Bernhard Reich (li.) und Marcus Woito sind die besten Oldies, die beim Firefighter Stairrun in Berlin 39 Stockwerke in voller Feuerwehrmontur hochgerannt sind. Dafür bekamen sie einen Pokal überreicht.

Altenstadter bei Firefighter Stairrun in Berlin

770 Stufen in voller Feuerwehr-Montur

Sonst steigen sie eher Berge hinauf, doch am Samstag sind Bernhard Reich und Marcus Woito, die bei der Flugplatzfeuerwehr in Altenstadt arbeiten, beim Firefighter Stairrun 770 Stufen in einem Berliner Hochhaus hochgerannt – in voller Feuerwehrmontur, mit Atemschutzgerät. Und sie wurden erste in der Oldie-Klasse.

Altenstadt – Rund drei Monate lang haben Bernhard Reich aus Altenstadt und Marcus Woito aus Issing für ihren Start beim Firefighter Stairrun in Berlin trainiert. Bernhard Reich erzählt: „Wir haben Bergläufe gemacht und Intervallläufe am Hang, und wir haben Bulldogreifen gezogen. Einen hohen Turm gibt es hier ja nicht.“ Den hätten die beiden Feuerwehrmänner, die bei der Bundeswehrfeuerwehr an der Kaserne in Altenstadt arbeiten, aber gebraucht, um sich auf ihren Treppenlauf am Samstag in Berlin vorzubereiten.

Der Start in voller Montur: 400 Meter mussten die beiden am Alexanderplatz laufen, ehe es ins Treppenhaus des Hotels ging.

Im Park Inn Hotel am Alexanderplatz haben sie 39 Stockwerke und 110 Höhenmeter erklommen, sind 770 Stufen hochgerannt, in den schweren Feuerwehrstiefeln, im Anzug mit Hitzeschutzhose, das Atemschutzgerät aufgeschnallt und angeschlossen und das komplette Tragegerät am Körper – in voller Feuerwehrmontur. „So als ob wir in ein brennendes Haus gehen würden“, sagt Reich. 20 Kilo wiegt die Ausrüstung.

Zunächst mussten die Feuerwehrmänner eine Strecke von rund 400 Metern laufen, bis es dann ins Hochhaus hineinging. Dann ging es in die Höhe, Stufe für Stufe. „Im Treppenhaus ist es relativ eintönig“, sagt Reich. Zu Beginn gehe es gut, dann werde die Anstrengung heftiger und im letzten Drittel koste es richtig Überwindung, weiterzulaufen. „Ab dem 30. Stockwerk heißt es nur noch durchbeißen, durchbeißen, durchbeißen“, erzählt der 46-Jährige: „Da will der Körper nicht mehr, nur noch der Geist.“ Die Anstrengung sei quälend, die Hitze und das Atmen durch das Atemschutzgerät seien eine zusätzliche Belastung, schildert Reich.

Dass sich sein 37-jähriger Teamkollege und er durchgebissen haben, hat sich gelohnt: Sie haben die 770 Stufen in 7,01 Minuten zurückgelegt und in ihrer Klasse, bei den Oldies (in dieser Gruppe laufen alle, die zusammen über 80 Jahre alt sind) den ersten Platz gewonnen. Der Altenstadter und der Issinger sind viertbestes deutsches Team und achtbeste in der Gesamtwertung geworden. Diesen Erfolg haben die Arbeits- und Teamkollegen nach der Siegerehrung in Berlin gemeinsam ein wenig gefeiert. Am Sonntag ging es wieder heim nach Oberbayern.

770 Stufen und 110 Höhenmeter standen an.

Den ersten Platz insgesamt schafften, wie schon die vergangenen Jahre, polnische Feuerwehrmänner, die die Strecke heuer in 5,41 Minuten zurücklegten. Wie das gehen kann, rätseln alle anderen Teams seit Jahren. „Wir fragen uns immer, was sie wohl in ihrer Flasche drin haben könnten“, sagt Reich und schmunzelt.

Sein Teamkollege und er haben schon das dritte Mal beim Stairrun teilgenommen, doch für einen 1. Platz hatte es bislang noch nicht gereicht. Im vergangenen Jahr erreichten die beiden den fünften Platz in ihrer Gruppe und durften deswegen am Ende des Stairruns starten, wo die besten Teams an den Start gehen.

Deswegen musste das Team aus Altenstadt auch sechs Stunden warten, bis es um 15.35 Uhr an den Start gehen konnte, denn insgesamt haben 772 Feuerwehrmänner mitgemacht. „Das ist nicht so einfach, nach dieser Warterei sieben Minuten lang Vollgas zu geben“, sagt Reich. „Wir sind schon ein wenig stolz darauf, dass wir so gut abgeschnitten haben.“ Das Treppensteigen lässt der 46-Jährige auch nach diesem Erfolg nicht bleiben. „Ich laufe immer die Treppen“, sagt der passionierte Bergsteiger.

Schließlich müssen die beiden Teamkollegen schon allein für ihren Beruf fit bleiben. Außerdem wollen sie im nächsten Jahr wieder beim Stairrun mitmachen. „Wir haben schon vor, den Podestplatz im nächsten Jahr zu verteidigen“, sagt Reich.

Kathrin Hauser

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