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Purpurfarbenes Licht in der Basilika von Altenstadt: beim Auftritt von „The Gregorian Voices“.

Schön gesungen, einzigartig – und doch Geschmackssache

„The Gregorian Voices“ in der Basilika Altenstadt

Die Gruppe „The Gregorian Voices“ bot in der Basilika von Altenstadt schönen Gesang und einzigartige Darbietungen. Trotzdem war der Auftritt Geschmackssache.

Altenstadt – Es ist stockdunkel an diesem Samstagabend in der voll besetzten Basilika in Altenstadt. Nur der Altarraum leuchtet in einem surrealen purpurfarbenen Licht. Acht in Mönchskutten gekleidete Männer durchschreiten – von hinten kommend und paarweise aufgereiht – die Kirche, teilen sich in zwei Gruppen und betreten langsam den Altarraum. Sie verharren. Die Kapuzen der Kutten sind tief ins Gesicht gezogen, die Arme vor die Brust gelegt. Dann, wie auf ein Kommando, setzen sie gleichzeitig ihre Kopfbedeckung ab. Warten. Wieder unisono schalten sie die kleinen Lichter an ihren Notenpulten an. Dann ein einzelner Ton – Konzentration, und los geht es a capella mit dem „Ave Maria“ von Josquin des Prez.

Der Auftritt von „ The Gregorian Voices“ ist eine einzige Inszenierung und natürlich Geschmacksache. Einerseits könnte man sagen, so ein bisschen Show drumherum schadet doch nicht, sondern rundet das Ganze ab. Andere Stimmen könnten sich aber auch ganz nach Gerhard Polt fragen: „Braucht‘s des!?“. Zumal man von Mitarbeitern der Gesangsgruppe nach dem ersten, sehr berührenden Choral zum Klatschen animiert wird, sich vielleicht aber lieber den Klängen bis zur – überraschenden – Pause hingegeben hätte, um versunken zu bleiben in dieser nahezu mystische Musik. Denn der Gesang der acht studierten Sänger unter der Leitung der Bulgaren Georgi Pandurov und Ivan Uzunov ist einmalig, perfekt, löst Gänsehaut aus, berührt tief.

Gregorianischer Choral ist der unbegleitete liturgische Gesang der katholischen Kirche in lateinischer Sprache, ein gesungenes Wort Gottes als Teil der liturgischen Handlung. Zur Zeit von Papst Gregor I. (gestorben 604) wurde in Rom die „schola cantorum“ gegründet – ein berufsmäßiger Chor entstand da am päpstlichen Hof. Nicht ganz sicher ist, ob das der eigentliche Ursprung der gregorianischen Gesänge war, aber benannt sind diese nach Papst Gregor.

Wunderbare Werke in diesem Stil hört man im ersten Teil des rund eineinhalbstündigen Konzerts in Altenstadt. Ein „Miserere“ von Antonio Lotti ist dabei, ein „Benedictus“ von Orlando di Lasso und ein „Domine Dominus noster“ von Geminiano Giacomelli. Meditative, beinahe tranceartige Stimmung erzeugen diese alten Gesänge, tief mit dem Glauben verbunden, mit demütigen Charakter.

Pandurov und Uzunov haben das Repertoire ihres Chors jedoch über die reine Gregorianik hinaus erweitert. Im zweiten Teil des Konzerts erklingen Klassiker der Popmusik im Stil der mittelalterlichen, gregorianischen Gesänge. Und das scheint dem Publikum zu gefallen. Seit sechs Jahren touren „The Gregorian Voices“ durch Europa mit ihrem so gestalteten Programm und begeistern. Unter anderem das „Hallelujah“ von Leonard Cohen präsentieren sie in Altenstadt und „We are the world“, das von Michael Jackson geschrieben wurde. Das ist einzigartig, das ist neu, das ist ganz schön anzuhören. Es ist aber eben auch Geschmackssache.

Regina Wahl-Geiger

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