Aus dem Christbaum der Familie Zidek in Altenstadt wurde ein Faschingsbaum. Wer sich hinter der Maske versteckt, wird nicht verraten.
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Aus dem Christbaum der Familie Zidek in Altenstadt wurde ein Faschingsbaum. Wer sich hinter der Maske versteckt, wird nicht verraten.

Hingucker im Garten von Monika und Johann Zidek in Altenstadt in Anlehnung an einen alemannischen Brauch

Aus Christbaum wird Faschingsbaum

Die Augen der Nachbarin gegenüber des Grundstücks von Monika und Johann Zidek fallen ihnen sprichwörtlich heraus, als sie das bunt geschmückte Tannenbäumchen erblicken. Lange bunte Papierstreifen und jede Menge Luftballons zieren das Bäumchen. Dazu ein Hinweisschild mit der Aufschrift: „Corona Fasching 2021 Bayern“.

Altenstadt - „Wen hat denn da der Narr geritten“, so der Gedanke der Nachbarin. Der Griff zum Telefon und eine lockere Preisgabe, wo dieses Kunstwerk steht, macht auch den Autor dieser Zeilen neugierig. Ein Christbaum mit Luftballons und bunter Deko kommt ja nicht alle Tage vor. Vor allem, weil hierzulande üblich ist, den Christbaum bis Lichtmess geschmückt in der guten Stube stehen zu lassen und ihn dann zu entsorgen.

Gut, dieser Termin wurde von Christoph Zidek, Sohn von Monika und Johann, fast eingehalten, aber eben nur fast. Sicherlich hat die „bessere Hälfte“ von Christoph genörgelt, weil die Nadeln des Baumes sich von den Zweigen entfernten. Also Christbaumkugeln ade. Das Bäumchen landet auf dem Hänger, um nach Erbenschwang gebracht zu werden und auf der Deponie die letzte Ruhe zu finden.

Doch Christoph hat die Rechnung ohne seiner Mutter gemacht: Denn Mütter stellen sich eben manchmal quer. Monika holt den ausgedienten Christbaum wieder vom Hänger, hat sie doch im Hinterkopf das Brauchtum der Bürger im Örtchen Arlen bei Singen an der Grenze zur Schweiz, wo ihre Tochter Heidrun lebt. Ausgebüchst aus Altenstadt der Liebe wegen.

Und in dieser Gemeinde Arlen wird an Fasching ein besonderer Brauch zelebriert: Die ausgedienten Weihnachtsbäume werden von den Faschingsnarren zu Faschingsbäumen umfunktioniert.

„Was in Arlen geht, geht bei uns in Altenstadt mindestens genauso gut – und wenn’s nur in meinem Garten ist“, so der Gedanke von Monika Zidek. Und so erteilt Monika ihrem Mann Johann den Auftrag, alemannisches Brauchtum nach Altenstadt zu importieren.

Johann greift sich seine Enkel Maja und Elias, um kreativ zu werden. „Aus unserer Lumpenkiste war noch genügend Deko-Material vorhanden, die Luftballons sind Überbleibsel vom 70. Geburtstag“, verrät Monika Zidek.

Die große Stunde schlägt für den Großvater und seine Enkel: „Nach nicht mal einer Stunde war der Kas gegessen“, berichtet Monika Zidek. Sie selbst hat dann noch die Beschriftung übernommen: „Corona Fasching 2021“. Weil ja alles rundum abgesagt wurde.

Bis Aschermittwoch soll der Baum in seiner ganzen Faschingspracht stehen bleiben. Vielleicht wird sich Monika für den „schmutzigen Donnerstag“ noch etwas einfallen lassen. „An diesem Tag ist bei meiner Tochter in Arlen Ausnahmezustand“, verrät die Altenstadterin. Und sie fügt noch hinzu, dass dort dieser Tag wie ein Nationalfeiertag begangen wird.

Auf alle Fälle steht der faschingsdekorierte Christbaum noch bis zum Aschermittwoch im Garten der Familie Zidek in Altenstadt. Und wer das hautnah einsehen möchte, hier die Geheimadresse: Esterweg 15. Aber nicht weitersagen.

HANS-HELMUT HEROLD

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