Ein Mitarbeiter im Heizkraftwerk Altenstadt vor den Bildschirmen
+
Alles im Blick: Auf den Bildschirmen verfolgt ein Mitarbeiter die Verbrennung und ob alle Emissionswerte eingehalten werden

Nach Kritik meldet sich der Besitzer

Altenstadter Heizkraftwerk-Betreiber wehrt sich: „Bei uns wird kein Müll verbrannt“

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
    schließen

Lange hat die Familie Schuster geschwiegen. Reichlich spät bezieht sie jetzt Stellung zu den Vorwürfen gegen die beantragte Erweiterung des Heizkraftwerks in Altenstadt. Seniorchef Siegfried Schuster verteidigt vehement sein Vorhaben, ab 2021 neben Holz auch Ersatzbrennstoffe zu verfeuern. Er betont gebetsmühlenartig, „dass kein Müll verbrannt wird“.

  • Der Altenstadter Heizkraftwerk-Betreiber wehrt sich gegen Vorwürfe, er würde eine Müllverbrennung installieren
  • Neue Brennstoffe sollen die Wirtschaftlichkeit garantieren
  • Anlieferung höchstens aus einem 80-Kilometer-Umkreis

Altenstadt/Schongau – Es war ein Satz von Schongaus Stadtbaumeister Sebastian Dietrich, der Siegfried Schuster das Blut in den Adern gefrieren ließ: „Aus der Biomasseanlage wird eine Müllverbrennungsanlage“, hatte der Stadtbaumeister im Juli im Bauausschuss des Stadtrats erklärt. „Und damit den bösen Geist aus der Flasche gelassen“, bedauert Heizkraftwerks-Chef Schuster (73). Zusammen mit seinem Sohn Bernhard (39) versucht der Seniorchef jetzt, das Gespenst wieder einzufangen. Beide sehen ein, dass sie schneller hätten reagieren müssen, um dem Vorwurf der Müllverbrennung entgegen zu treten. Die Protest-Welle, die in Schongau losgetreten wurde, rollt mittlerweile wie ein Tsunami auf sie zu. Am Donnerstag war sogar schon mal die Polizei auf dem Heizwerk-Gelände, um zu erkunden, wie sie es vor den angekündigten Demonstrationen schützen kann.

Immer mehr Holz geht in den Export, Ersatz muss her

Wie mehrfach berichtet, hat die Umweltinitiative Pfaffenwinkel ein breites Bündnis aus Parteien und Gruppierungen gegen den Plan geschmiedet, dass Schuster in Altenstadt künftig neben Holz auch Ersatzbrennstoffe aus haus- und gewerblichen Abfällen seinem Heizkessel übergibt. Der 73-jährige Firmenchef sieht für sich derweil gar keine andere Wahl: „Immer mehr Holz geht in den Export, der Markt ist volatil“, sagt er. Man sei gezwungen, auch andere Brennstoffe anzunehmen, um die Wirtschaftlichkeit der Anlage zu erhalten, die in Altenstadt immerhin rund 80 Mitarbeiter in Lohn und Brot hält.

Einmal mehr betont Schuster, dass er in den Ersatzbrennstoffen keinen Müll sieht und dass die Stoffe in Zukunft von „zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben“ angeliefert werden. Zu den Ersatzbrennstoffen gehören per Definition Abfälle aus der Herstellung und Verarbeitung von Zellstoff, Papier, Karton und Pappe. Sie kommen aus der Textilindustrie; Verpackungen, Kunststoff und „nicht gefährliche sonstige Abfälle aus der mechanischen Behandlung“ gehören dazu. Aus Entfernungen von maximal 80 Kilometern sollen sie nach Angaben des Firmenchefs ab 2021 nach Altenstadt gebracht werden und dort für einen „stabilen Anlagenbetrieb“ sorgen.

Vier Ordner füllt der Antrag für die Zulassung der Ersatzbrennstoffe (rechts).

Dass ihnen nun soviel Empörung entgegen schwappt, damit hatten Schuster und sein Sohn nicht gerechnet. „Wir haben uns nichts dabei gedacht“, sagen sie zu dem gestellten Antrag bei der Regierung. Schließlich wollten die beiden nur das, was andere im Landkreis schon dürfen. Bekanntlich gehen bei UPM in Schongau ebenfalls Ersatzbrennstoffe in Flammen auf. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass diese ausschließlich aus Abfällen aus dem Landkreis stammen (wir berichteten).

Unternehmer verspricht bessere Emissionswerte als jetzt

Wie auch immer: Regelbrennstoffe sollen laut Schuster in Altenstadt auch in Zukunft „Altholz und andere Biomasse“ bleiben, verspricht er. Der Anteil von Ersatzbrennstoffen werde maximal bei 50 Prozent liegen, meist darunter. Und vor schlechterer Luft muss sich dem Unternehmen zufolge schon gar niemand fürchten: „Wir werden bessere Emissionswerte haben als heute“, blickt der Senior voraus. Technische Anpassungen seien geplant. Künftig gültige, noch strengeren Grenzwerte der EU würden sogar noch unterschritten. Und: „Die Anlage wird auch in Zukunft geruchsneutral arbeiten.“

Das „Aktionsbündnis gegen die geplante Müllverbrennungsanlage Altenstadt“ hat derweil nachgelegt: Schuster wird aufgefordert, seinen Antrag bei der Regierung von Oberbayern zurückzunehmen oder zumindest auf ein beschleunigtes und nichtöffentliches Verfahren zu verzichten. Zudem wird eine „transparente und wahrheitsgemäße Information der Öffentlichkeit“ gefordert. Der Firmenchef wird des Weiteren gebeten, an einer Podiumsdiskussion mit unabhängigen Experten teilzunehmen.

Betreiber will in Stadtratssitzung Rede und Antwort stehen

Dazu wird es nicht kommen. Immerhin hat Schuster aber Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman zugesagt, in einer Stadtratssitzung Rede und Antwort zu stehen und über seine Pläne zu informieren. An seinem Antrag bei der Regierung hält er fest: „Seit zwei Jahren arbeiten wir an der Genehmigung, vorher war es ein Ordner, jetzt sind es vier“, sagt Schuster, der auch an dem nichtöffentlichen Verfahren nichts ändern wird. „Ich habe das Recht dazu, sonst kommen Einsprüche aus ganz Deutschland.“ Und einen Rechtsanspruch sieht Schuster auch für die Genehmigung der Erweiterung: „Ich glaube, dass wir sie heuer noch kriegen.“

Daran dürften auch Demonstrationen vor dem Tor des Heizkraftwerks in Altenstadt nichts ändern, auf die sich die Polizei jetzt vorbereitet. Schuster ist sich keiner Schuld bewusst. „Wir haben keine Müllverbrennungsanlage.“

Lesen Sie auch über die geplante Peitition gegen die Erweiterung des Heizkraftwerks und wie das Thema im Kreistag diskutiert wurde.

Auch interessant

Kommentare