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Der letzte Besuch der Transall in Altenstadt

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Ein letztes Mal besuchte die Transall Altenstadt.
Ein letztes Mal flog die Transall über Altenstadt. © Hans-Helmut Herold

Eine zweitägige Abschiedstour über ganz Deutschland hat die letzte C-160 Transall absolviert. Nach über 50 Jahren Einsatz sagte die Maschine mit dem sonoren Brummen ganz leise Servus – auch über Altenstadt.

Altenstadt – Eine Ära geht zu Ende. Über 50 Jahre lang war das Transportflugzeug bei der Bundeswehr im Einsatz. Hat die abgelegenen Schotterpisten genauso gemeistert wie Flughäfen großer Metropolen. Jetzt hat das Arbeitspferd der Lüfte ausgedient, wird durch die A400M ersetzt. Mit einem letzten Überflug über Altenstadt hat sich die Maschine mit dem groß aufgemalten Staffelzeichen „Brummel“ verabschiedet.

Rund 60 Personen, die in ihrer militärischen Laufbahn mit der „Trall“ zu tun hatten, sind am „Sanitätshügel“ in der Nähe des Altenstadter Towers zusammengekommen. Zwölf davon, quasi die alten Haudegen der ersten Stunde, sind mit dabei. Sie alle warten auf die angekündigte Maschine. Erinnerungen werden aufgefrischt, es gibt viel zu erzählen. Wie von einem Sprecher der Luftwaffe bekannt gegeben wurde, haben die Maschinen seit 1968 insgesamt 1.099.387 Flugstunden absolviert.

Auf gute 3000 Stunden kam der Schongauer Dietmar Mrusek. Als Ladungsmeister hatte er die Verantwortung für den Laderaum. Sein Logbuch zeigt es schwarz auf weiß: In seiner Zeit von 1975 bis 1998 hat er circa 150 Flugplätze in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika angesteuert. Dabei wurde bei Katastrophen wie 1985 in Äthiopien die Bevölkerung aus der Luft versorgt. Tiefstanflug, kurzes Aufsetzten und dabei Abwerfen der Ladungen, dann Vollgas und zurück. „Da lagen manchmal die Nerven blank“, erinnert sich Mrusek.

Bei der Verabschiedung schwelgte man in Erinnerungen

Auch für Karl-Heinz Böhm und seine Aktion „Menschen für Menschen“ war Mrusek in Äthiopien unterwegs. Etwas lockerer war der Flug mit Peter Maffay. Ihn und die Essener Polizeikapelle verbrachte Mrusek im Rahmen der Truppenbetreuung nach Decimomannu im Süden Sardiniens.

Eiskalt läuft es einem über den Rücken, wenn Helmut Schlecht aus dem Nähkästchen erzählt. Er war in der Zeit von 1977 bis 1989 der verantwortliche Lehrgangsleiter und Leiter des Truppenversuchs für die Gleitfallschirmspringer. In dieser Zeit hat er von seinen insgesamt 5300 Absprüngen 379 aus Höhen absolviert, bei denen man mit Sauerstoffausrüstung abspringen muss – zum Teil bis aus 9000 Metern. „Wir hatten da oben minus 54 Grad Celsius, da ist unserem Kameramann das dicke Verbindungskabel von der Videokamera zum Rekorder abgebrochen“, erinnert sich Schlecht.

Die Männer, die zahlreiche Geschichten mit der Transall verbinden.
Sie haben in Sachen C-160 Transall Geschichte geschrieben – und können auch unzählige Geschichten erzählen: Die Männer der ersten Stunde, die immer noch im Raum Schongau leben: (h.v.l) Rolf Nachtigall, Carl-Heinz Ritter, Hans „Jonny“ Eder, Horst Heindl, Helmut Schlecht, Alfred Imminger, Dietmar Mrusek, Gustl Thurner, (v.v.l.) Alfred Meissner, Jörg Steinbach, Josef Reich und Hans Hartung. © Hans-Helmut Herold

Auch gehen ihm immer noch die Bilder durch den Kopf, als er als taktischer Führer bei Gleiteinsätzen aus 5300 Metern Höhe seine Truppe im Griff haben musste. Absprung, fünf Sekunden freier Fall, dann Schirmöffnung und ab geht die Post. Vor allem bei Nacht und Eisregen kein Zuckerschlecken.

Auch Hans Hartung kann über Geschichten erzählen. Sogar im Doppelpack, wenn man es genau betrachtet. Als Hörsaalleiter für den Freifall-Lehrgang hat er jede Menge an Sprüngen mit Gepäck über die Laderampe absolviert. „Erst wurden die Schüler des Lehrgangs abgesetzt, dann sprangen wir Ausbilder hinterher“, erzählt Hartung.

Waghalsige Einsätze im freien Fall

Sein wertvollstes Gepäck war bei einem dieser Sprünge sein Sohn Ulf. Dieser war Pilot auf der C-160 Transall und konnte nie verstehen, dass man aus einer intakten Maschine mit dem Fallschirm abspringt. Der Vater wollte dem Sohn die Faszination des freien Falls nahe bringen und nahm ihn im Tandemsprung mit. Nur einmal, das reichte dem Filius. Er hat lieber den Steuerknüppel in der Hand und fliegt heute noch.

Wer kannte in Springer- und Fliegerkreisen nicht Hans „Jonny“ Eder? Er hat als Ausbilder der Absetzerlehrgänge über Jahrzehnte Geschichte geschrieben. In den ersten Stunden bildete er die künftigen Absetzer, die ja dringend gebraucht wurden, aus. Das muss er so überzeugend und professionell getan haben, dass ihn der große Dienstherr nach Mexiko kommandiert hat. Dort bildete er Absetzer dieser Armee aus, da Mexiko einige C-160 gekauft hatte. Ebenfalls kam er dieser Tätigkeit in der Türkei nach, da diese sieben C-160 geschenkt bekamen.

Oder Horst Heindl. Als Ausbilder der Überlebenslehrgänge See & Land „formte“ er im Sauwald und an der Lechstaustufe in Urspring die Männer. „Eine Herausforderung war immer die Abschlussübung, bei der sich die Piloten nachts in fremden Gelände durchschlagen mussten und von Soldaten der Lehr- und Versuchskompanie gejagt wurden“, so Heindl.

Alfred Imminger, Carl-Heinz Ritter, Gustl Thurner und Jörg Steinbach bildeten Springer aus, Rolf Nachtigall sorgte für die technische Sicherheit. Und Alfred Meissner? Als leitender Feldwebel des Sanitätsbereichs organisierte er die Verwundetentransporte mit der guten alten „Trall“. Für den letzten Überflug an diesem Tag hat die Flugplatzfeuerwehr ihre Flugfeld- Löschfahrzeuge aufgefahren. Auch diese Truppe verabschiedet die C-160 mit einem letzten Goodbye, die Strahlrohre gegen den Himmel gerichtet. Hans-Helmut Herold

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