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Die letzte Transall bleibt in Altenstadt

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Punktgenaues Aufsetzen: Die Transall bei ihrer letzten Landung am Heeresflugplatz Altenstadt, für die es eine Ausnahmegenehmigung gab.
Punktgenaues Aufsetzen: Die Transall bei ihrer letzten Landung am Heeresflugplatz Altenstadt, für die es eine Ausnahmegenehmigung gab. © Hans-Helmut Herold

Im August hat sich die Transall C-160 bei einem Abschiedsflug über Deutschland bei all den Standorten verabschiedet, wo sie lange Jahre im Einsatz war – auch über der Franz-Josef-Strauß-Kaserne Altenstadt. Am Dienstagnachmittag ist die letzte Maschine in Altenstadt gelandet, wo sie als Ausbildungsgerät in den verdienten Ruhestand gehen wird.

Altenstadt – „Es ist einfach grandios. Ein Stück eigener Bundeswehr-Tradition kehrt ins Mutterhaus der Luftlandetruppen zurück“, ist dem neuen Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule, Oberstleutnant Martin Holle, noch so zu entlocken. Mehr ist nicht drin, denn er verfolgt gespannt den Anflug der Transall C-160 auf Altenstadt.

Mit ihm haben sich zahlreiche Zuschauer aus dem Bereich der Kaserne am Zaun zum Flugfeld eingefunden. Alle wollen das einmalige Ereignis verfolgen, wenn die letzte Transall C-160 auf der neuen Landebahn aufsetzt, um in Altenstadt in Ruhestand zu gehen. Handys sind gezückt, Objektive der Fotoapparate und Filmkameras gegen Westen gerichtet.

Transall war bei vielen Einsätzen dabei

René Säuberlich ist der erste, der die kleinen Lichtkegel am Horizont erkennt. Der Soldat soll die einmalige Landung mit seiner Kamera dokumentieren. Er weiß auch, dass die Maschine zuerst einen letzten Überflug über die erst kürzlich neu geschaffene Piste absolvieren darf, bevor sie dann mit ihren 33,5 Tonnen Gewicht im zweiten Anflug aufsetzten wird.

Der Überflug in langsamer Geschwindigkeit, untermalt durch das sonore Brummen der beiden Motoren, ist beeindruckend. Da werden bei vielen Soldaten Erinnerungen wach. Was hat man mit diesem Vogel, der Schotterpisten in Afrika genauso gemeistert hat wie große Airports in den USA, nicht alles erlebt: Lufttransport von Hilfsgütern in die hintersten Ecken der Erde, Verwundetentransport aus Krisengebieten und dann die unzähligen Absprünge mit dem Fallschirm. Natürlich auch Erprobungen für neue Sprung- und Abwurfsysteme, wo die Soldaten manchmal am Limit arbeiteten.

Technik wird aus der Transall entfernt

Alles Geschichte, der Vogel hat ausgedient. Leider, sagen einige alte Hasen. Einer davon ist Max Knierer, der über 43 Jahre lang Techniker auf dieser Maschine in Penzing bei Landsberg war. Glasklar, dass Knierer zu dieser letzten Vorstellung nach Altenstadt gekommen ist. Jede Schraube kennt er, jede Kabelverbindung hat er schon mal überprüft. „Der Sound dieser Maschine kann einen nicht kalt lassen“, so der Techniker. Das ist Musik für seine Ohren.

Knierer wird sich tatsächlich weiter um diese Transall mit der Kennung 50+86 kümmern. Wie er erklärt, wird alles an Technik aus der Maschine entfernt. Da dann ohne Aggregat die Rampe für die Ausbildung nicht geöffnet werden kann, baut er eine neue Konstruktion ein. Acht Maschinen hat er bisher schon in dieser Art aufgemotzt.

Sie brachten die letzte Transall C-160 zur Übergabe nach Altenstadt: (v.l.) Oberstleutnant Siggi Beck, Hauptmann Frank Müller, Stabsfeldwebel Michael Jörg und Stabsfeldwebel Erich Gerbl (nicht auf Foto). Rechts Oberstleutnant Martin Holle, der dieses Prachtstück in Empfang nehmen durfte.
Sie brachten die letzte Transall C-160 zur Übergabe nach Altenstadt: (v.l.) Oberstleutnant Siggi Beck, Hauptmann Frank Müller, Stabsfeldwebel Michael Jörg und Stabsfeldwebel Erich Gerbl (nicht auf Foto). Rechts Oberstleutnant Martin Holle, der dieses Prachtstück in Empfang nehmen durfte. © Hans-Helmut Herold

Letzte Information aus dem Tower an die Crew: 110 Grad, 11 Knoten. Bezieht sich auf den Wind. Ideale Bedingungen. Die Maschine schwebt ein, wie an einem Schnürl schräg nach unten. Die Uhr zeigt genau 13.44 Uhr, als der Pilot die C-160 kurz nach den ersten Metern der Landebahn aufsetzt. Das Abbremsen mit Gefühl, nur die Motoren werden lauter. Man erkennt sofort die Erfahrung von Tausenden von Flugstunden. Apropos Flugstunden: 12 000 hat die 50+86 auf dem Buckel, die bei der Wehrtechnischen Dienststelle in Manching bis jetzt im Einsatz war.

Begrüßung der Transall durch die Flugplatzfeuerwehr

Es folgt die nasse Begrüßung durch die Flugplatzfeuerwehr. Zwei Strahlrohre der Löschfahrzeuge bilden einen Wassertunnel, durch den die Maschine auf den Liegeplatz rollt. Empfang der Crew, letzte Erinnerungsfotos werden vor dem Aufkleber der „last mission“ gemacht. Dann ein letztes Starten der Motoren, um rückwärts auf die Parkposition zu rollen. Über 1600 Druckverteilerplatten wurden in den Vortagen ausgelegt, um die 33 Tonnen sicher auf den Liegeplatz zu bringen. Motoren aus, das war’s. 14.47 Uhr fürs Logbuch.

Oberstleutnant Siggi Beck, der mit Hauptmann Frank Müller die Transall nach Altenstadt geflogen hat, hat alleine auf diesem Flugzeugtyp 13 000 Flugstunden. Er schwört auf diese Maschine, die ihn auch auf seiner letzten USA-Tour im September und Oktober nicht im Stich gelassen hat. An diesem Tag übergibt er sie an Oberstleutnant Martin Holle, den Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule. Handschlag, symbolische Schlüsselübergabe, aus die Maus: Über 50 Jahre Luftfahrt- und Erfolgsgeschichte sind endgültig vorbei.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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