Vor dem Amtsgericht Weilheim wurde der Fall verhandelt.
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Vor dem Amtsgericht Weilheim wurde der Fall verhandelt.

Altenstadter hatte 2,4 Kilogramm Amphetamin im Darknet bestellt

Drogen: Entzugsklinik statt Haft für 27-Jährigen

Ein Gutachten bescheinigt ihm sogenannte Polytoxykomanie, also eine Mehrfachabhängigkeit von Drogen. In großen Mengen hat sich ein 27-Jähriger aus Altenstadt Drogen aus dem Darknet bestellt und war aufgeflogen. Die richterliche Einweisung in eine Entzugsklinik bewahrte ihn vor dem Gefängnis.

Altenstadt – Schon als Jugendlicher konsumierte der junge Mann aus Altenstadt reichlich Drogen. Dabei kam er schnell von den sogenannten weichen Drogen wie Cannabis zu härteren Amphetaminen und mischte das Ganze auch. Mal brauchte er etwas zum aufputschen, dann wieder zur Beruhigung. Er geriet mehr und mehr in eine Mehrfachabhängigkeit.

Amphetamine, auch als „Speed“ oder „Pep“ bezeichnete künstlich hergestellte Drogen, haben eine stark stimulierende Wirkung, deren Besitz oder Handel strafrechtlich verfolgt wird. Die unfassbare Menge von 2,4 Kilogramm Amphetamin bestellte der Angeklagte im Oktober des Jahres 2018 über das Darknet.

Zoll hat Ladung abgefangen

Die Lieferung wurde vom Zollamt als verdächtig abgefangen, ein Ermittlungsverfahren gegen den Adressaten eingeleitet, eine Hausdurchsuchung des Angeklagten erfolgte. Man fand in seiner Wohnung weitere Drogen und auch Plastiktüten, die zum Abpacken von Drogen bereit lagen. Also wurde dem jungen Mann nicht nur der unerlaubte Besitz von Drogen, sondern auch der Handel mit diesen vorgeworfen.

Bevor die Beweisaufnahme in dem Verfahren eröffnet wurde, beantragte der Verteidiger des Angeklagten ein richterliches Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In Einvernehmen mit dem Staatsanwalt und dem Angeklagten einigte sich das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Lars Baumann im Anschluss des Gesprächs darauf, den jungen Mann in eine Entzugsklinik einzuweisen, die Voraussetzungen dazu würde der Angeklagte erfüllen.

Eigentlich zwei Jahre und sechs Monate Haft

Der stationäre Aufenthalt dort gilt als richterlich angeordnete therapeutische Zwangsmaßnahme. Bricht der junge Mann die Behandlung ab, die sich über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren zieht, muss er seine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten absitzen. Dazu wurde er letztendlich vom Schöffengericht verurteilt. Schließt der Mann jedoch die Therapie erfolgreich ab, muss er seine Reststrafe nicht mehr antreten.

„Ein Direktvollzug ist nach Ansicht des Gerichts nach einer erfolgreichen Behandlung nicht mehr erforderlich“, erklärte Baumann. Der Angeklagte muss sich nach diesem Urteil umgehend in die Therapie begeben. „Sie sind nicht dumm, aber faul. Sie haben bei Ihrem Drogenkonsum vergessen, zu leben“, sagte Baumann. Und: „Vielleicht führt die Therapie ja zu einer dauerhaften Abkehr von den Drogen“.

REGINA WAHL-GEIGER

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