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Kranzniederlegung durch Jo Schleu, Manfred Stadter und Hermann Pütz am Kriegerdenkmal auf dem Altenstadter Friedhof.

Erinnerung in Altenstadt

„Gefallene Soldaten haben Anspruch auf Gedenken“

Mit einem feierlichen Gottesdienst und der Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal hat die Kameradschaft Altenstadt-Schongau im Bund Deutscher Fallschirmjäger der im Krieg gefallenen Fallschirmjäger und Transportflieger der ehemaligen Wehrmacht sowie der gefallenen und verstorbenen Fallschirmjäger der Bundeswehr und der verstorbenen Soldaten und zivilen Mitarbeiter des Standortes Altenstadt gedacht.

Altenstadt – „Die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges haben Anspruch auf ein Gedenken“, sagte Luitpold Braun. Der Altlandrat war für die Gedenkrede im Anschluss an den Gottesdienst in der Basilika Altenstadt zuständig. Braun sagte, „keine Generation vor uns konnte davon ausgehen, dass bei der Geburt eines Buben nicht damit zu rechnen gewesen sei, dass dieser in den Krieg ziehen müsse, um von dort an Leib und Seele verletzt oder gar nicht mehr zurückzukommen. Die Tatsache der langen Friedenszeit verpflichtet uns geradezu, der Opfer der Generationen zu gedenken, die diese glücklichen Lebensumstände nicht hatten.“

Braun erinnerte an den ehemaligen Oberbürgermeister von Stuttgart, Manfred Rommel, der im Zusammenhang mit dem Selbstmord der R.A.F.-Mitglieder Gudrun Enslin, Jan Raspe und Andreas Baader diesen bemerkenswerten Satz gesagt hat: „Mit dem Tod muss alle Feindschaft enden.“ Und genau das gelte auch für die Soldaten des letzten Weltkrieges, „auch wenn sie schuldig geworden sind“.

Der Altlandrat zitierte aus einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1997, in dem Altkanzler Helmut Schmidt seine Standpunkte zu Schuld und Nichtschuld der Soldaten in Hitlers Armee skizziert hat – damals gerichtet an Verteidigungsminister Volker Rühe. Schmidt verwahrte sich dagegen, alle ehemaligen Soldaten kollektiv zu verurteilen und mit Verbrechern in einen Topf zu werfen. Schmidt sagte auch, er bleibe bei seiner Ablehnung aller Kollektivschuld-Urteile. „Sie sind ungerecht und unmoralisch.“

Seine Zuschrift an Rühe sah Schmidt damals als Ergänzung zum Traditionserlass der Bundeswehr. Braun sprach auch über Vergebung und Barmherzigkeit und darüber, dass nach Rommel mit dem Tod eines Menschen zwar alle Feindschaft ende, nicht aber alle Rechte. Wörtlich sagte er, „führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die einer Barmherzigkeit am meisten bedürfen, in diesem Sinne gedenken wir aller toten Fallschirmjäger der Vergangenheit.“

Luitpold Braun hielt die Gedenkrede beim Fallschirmjäger-Gedenken.

Militärpfarrer a. D. Lothar Winner indes stellte den „Großen Gott von Altenstadt“ in den Mittelpunkt seiner Predigt. „Seit 800 Jahren schauen viele dankend auf diesen Gott.“ Den Gottesdienst und danach auch die Gedenkfeier hat die Fliegerhorst-Kapelle Kaufbeuren mit der Schubert-Messe, dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“, den beiden Liedern „Rot scheint die Sonne“ und dem „Lied vom guten Kameraden“ sowie der Bayern- und der deutschen Nationalhymne musikalisch gestaltet.

Neben den ehemaligen Kommandeuren Richtstein, Quante und Hösle, Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman und Altenstadts Vize- Bürgermeister Sepp Reich, etlichen ehemaligen Offizieren und Unteroffizieren, haben auch Abordnungen der Soldaten- und Veteranenvereine aus dem Altlandkreis und der Fallschirmjäger-Kameradschaften Augsburg, München und dem Oberallgäu an der Gedenkfeier teilgenommen.

Einer Gedenkfeier, bei der von 1957 bis 1998 an der Luftlande- und Lufttransportschule der 3914 im Kampf um Kreta gefallenen Soldaten gedacht wurde. 1999 sperrte der damalige Kommandeur der Schule die Kaserne für diese Totenehrung. General a. D. Franz Uhle-Wettler schrieb in seinem Buch „Höhe- und Wendepunkte deutscher Militärgeschichte“, der damalige Kommandeur habe dieses Verbot so begründet: „Die Ehrung der Gefallenen sei nicht mehr erwünscht und ist zudem unzeitgemäß.“ Diese Aussage, so Uhle-Wettler, bedürfe keines Kommentars mehr.

Walter Kindlmann

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