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Eine Idee wird Realität: Erste Garnelen aus Altenstadt auf dem Markt

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Von: Theresa Kuchler

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Kamal A.-Massih ist in der Garnelenzucht für die Aquakultur zuständig.
Kamal A.-Massih ist in der Garnelenzucht für die Aquakultur zuständig. © Garnelenhof

Garnelen, fangfrisch und aus Altenstadt: Eine Idee, die schon vor Jahren aufkeimte, ist nun Realität. In einer Versuchsanlage am Heizkraftwerk werden die ersten Schalentiere gezüchtet und verkauft. Wir durften einen Blick in die Becken werfen.

Altenstadt – Auf den ersten Blick ist in dem Becken nicht viel von Garnelen zu sehen. Das Wasser ist braun getrübt, nur wenn man genau hinschaut, lassen sich einzelne Schalentiere erkennen, die an der Oberfläche umherkrebsen. „Das sind noch die Kleinen“, erklärt Kamal A.-Massih. Der Ingenieur kümmert sich um die Aquakultur in der Versuchsanlage auf dem Garnelenhof und zeigt auf eine Stelle im Wasser, an der sich die weiß-grauen Tiere erkennen lassen.

Von außen sieht die Garnelenzucht-Versuchsanlage, die neben dem Heizkraftwerk in Altenstadt steht, recht unscheinbar aus: Zwei graue Hochseecontainer, die zu einem großen Quader übereinandergestapelt sind. Spannender geht es im Inneren zu. Hier herrschen tropische Temperaturen, die Luft schmeckt salzig. Das Wasser in den sieben Becken, die über zwei Etagen verteilt sind und an überdimensionale Badewannen erinnern, ist mit Meersalz angereichert. Jeder Behälter fasst 20 Kubik Wasser und funktioniert autark, erklärt der Ingenieur.

Wie in der Natur soll sich das Becken in einem organischen Kreislauf selbst reinigen

Dass das Wasser so braun ist, sei ganz normal. „Das ist typisch für das Biofloc-Verfahren“, sagt A.-Massih. Bei dieser Art der Wasseraufbereitung, die den Lebensraum der Schalentiere nachahmen soll, kommt ein heterogener Mix aus Zooplankton und Bakterien ins Wasser. Wie in der Natur, soll sich das Becken in einem organischen Kreislauf so selbst reinigen. Den Garnelen scheint das zu gefallen. „Im trüben Wasser können sie sich besser zurückziehen.“

Weil sich der Biofloc-Zusatz nach einiger Zeit nach unten absetzt, halten Düsen das Wasser unentwegt in Bewegung. Den Zusatz können die Tiere auch fressen, zusätzlich gibt es einen Futterspender neben dem Becken. In Form kleiner Kügelchen liefert er den Garnelen die Nährstoffe direkt ins Wasser.

Die Garnelen werden im Schnitt 30 Gramm schwer.
Die Garnelen werden im Schnitt 30 Gramm schwer. © Garnelenhof

28 Grad Wassertemperatur sei die „Wohlfühltemperatur“ der Garnelen, sagt der Ingenieur. Die Energie extra aufzubringen, um die Becken zu beheizen, würde sich an einem anderen Standort kaum rentieren. Auf dem Garnelenhof in Altenstadt sind die Voraussetzungen andere, hier können die Becken von der Turbine des Heizkraftwerks profitieren, die ohnehin unentwegt 38 Grad warme Luft abgibt.

Industriell ließe sich diese Abwärme nicht nutzen, erklärt Kraftwerkbetreiber und Garnelenhof-Leiter Bernhard Schuster. Dazu sei die Temperatur zu gering. Trotzdem wollte man die überschüssige Energie nicht einfach verpuffen lassen: „Wir haben uns lange gefragt, was wir mit unserer Abwärme sinnvoll machen können“, erklärt er. Vor knapp zehn Jahren ist man schließlich auf die Idee der Garnelenfarm gekommen. Ein eher außergewöhnliches Projekt: In Deutschland gebe es nur fünf bis zehn weitere Standorte, an denen die Schalentiere gezüchtet werden. Der Rest der 100 Tonnen Garnelen, die hierzulande jährlich verkauft werden, stammen aus dem Ausland.

Im März wurden die ersten garnelen verkauft

Ursprünglich wollte man gleich eine große Anlage bauen. Nachdem die Pläne zur Garnelenzucht öffentlich wurden, meldete sich Kamal A.-Massih bei den Altenstadtern und brachte die Biofloc-Technik ins Gespräch. Um sich mit dem Verfahren vertraut zu machen, wurde 2019 die Pilotanlage entwickelt. Heute ist Schuster froh, dass man die Technik habe perfektionieren können, bevor auf der Wiese nebenan die große Garnelenzucht gebaut wird. Das soll der nächste Schritt sein (wir berichteten).

„Im März wurden die ersten Garnelen verkauft“, sagt Maria von Consbruch, die für die Lebensmittelhygiene und das Tierwohl auf dem Garnelenhof zuständig ist. Rund sechs Monate wachsen die Tiere, die als Babys aus Dresden nach Altenstadt geliefert werden, heran. Wenn sie etwa 30 Gramm auf die Waage bringen, werden sie „geerntet“, wie es im Fachjargon heißt. In der Versuchsanlage ergibt das etwa eine Tonne pro Jahr. Fangfrisch und auf Vorbestellung verkauft der Garnelenhof die Schalentiere an regionale Verbraucher, für einen Kilopreis von 58 Euro. Langfristig sollen die Garnelen auch überregional vermarktet werden, sagt von Consbruch.

Um die Garnelen zu töten, durchzieht ein kurzer Stromschlag das Wasserbecken. „Die Tiere werden dadurch betäubt“, so die Tierärztin. Anschließend kommen sie in ein Eiswasser, wo sie einen Kälteschock erleiden und in weniger als einer Minute „einschlafen“. Diese Art der Tötung sei besonders schonend und entspreche den strengen Vorgaben des Tierschutzgesetzes, an die sich der Garnelenhof halten muss.

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