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Ein letztes Mal Futter für ihre Pferde und Kühe haben Jutta und Arnold Stückl aus Apfeldorf im EVG-Markt Altenstadt gekauft.

EVG-Ausverkauf

Wehmütiger Abschied

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Altenstadt – Die EVG ist Pleite, seit gestern läuft in Altenstadt der Ausverkauf. Bereits vor offizieller Öffnungszeit (8 Uhr) stürmten die ersten Schnäppchenjäger das durchgefrorene Lagerhallen-Areal – ein wehmütiges Abschiednehmen mit vollem Einkaufswagen.

Rüstige Omas, ein Bänker im schnieke Anzug, Mamis mit Kinderwagen und jede Menge Landwirte und Handwerker: Sie alle waren gekommen, um im EVG-Markt in Altenstadt, dieser Institution für Landmaschinenhandel, die mit Spielzeugradlader, Mottenfänger, Suppenbrühe, Blumentopferde und Flickzeug fürs Radl so viel mehr zu bieten hatte, ein allerletztes Mal auf Shopping-Tour zu gehen.

Großer Ansturm: Gegen 8.30 Uhr waren alle Straßen rund um das Lagerhaus zugeparkt.

„Die Insolvenz der EVG ist wirklich bedauerlich“, sagt Jutta Stückl (49) aus Apfeldorf, die gemeinsam mit Ehemann Arnold (49) Salzsteine, Mash (Ergänzungsfutter) und einen grünen Eimer für ihre Ponys, Haflinger, Traber und Kühe kauft. Das Lagerhaus in Apfeldorf, wo die beiden früher eingekauft haben, „ist ja schon lange dicht. Jetzt auch noch das in Altenstadt“. Futtermittel könnten die Arnolds künftig wohl bei einem Landwirt in Reichling bekommen. „Den Rest bestellt dann unsere Tochter online“.

Robert Schleich, 31, Landwirt aus Kellershof bei Steingaden, hat sich mittlerweile mit vollbepacktem Pappkarton an die Kassentheke vorgekämpft. Er zählt zu den treuesten EVG-Stammkunden, kauft seit mehr als zehn Jahren Stallbedarf aller Art in Altenstadt ein. „Immer, wenn ich in der Gegend war, habe ich einen kurzen Abstecher hierher gemacht, und immer das gefunden, was ich gebraucht habe. Schade, dass das jetzt vorbei ist.“ Unter anderem, weil es die Betreiber in Sachen Sortimenterweiterung übertrieben haben?

Das Überangebot ist definitiv ein Insolvenz-Grund. Ein anderer, dass die Masse der Kunden wenig bis gar keinen Wert auf qualitativ Hochwertiges legt, bzw. sich keine Gedanken darüber macht. „Dass eine Schneeschaufel hier teurer ist, dafür aber auch fünf Jahre länger hält, interessiert die Leute meistens nicht. Die gehen lieber in einen der großen Baumärkte und kaufen dort eine günstigere“, sagt Jürgen Reutlinger, 53, der den kompletten EVG-Restbestand aufgekauft hat. Und gemeinsam mit einer auf Insolvenzverwertung spezialisierten Firma den großen Ausverkauf durchführt.

Lange Schlangen bildeten sich an der Kasse im aufgeheizten Verkaufsraum. 

Beginnend in Altenstadt, wo die Ware bis Samstag, 21. Januar, teilweise bis zu 50 Prozent günstiger zu haben ist. Danach werden die EVG-Lagerhallen an den Standorten Eisenharz, Ruderatshofen, Sulzberg, Kimratshofen, Babenhausen, Unterweilbach und Erkheim geräumt. „Das kostet uns insgesamt rund eine Million Euro“, schätzt Reutlinger, der dieses Ausverkaufen als Risikogeschäft bezeichnet, „weil man am Ende nie weiß, ob unterm Strich was bleibt, oder man sogar draufzahlen muss“.

Für eine Bilanz ist es am ersten Tag des Ausverkaufs freilich zu früh. Fakt ist: Die Leute kommen. Die Straßenseiten um das Gelände sind gegen 8.30 Uhr komplett zugeparkt. Die Stimmung „Gott sei Dank“ sehr friedlich, sagt Reutlinger. In Erkheim (Unterallägu), dem größten EVG-Markt, erwartet er eine regelrechte Produktschlacht mit bis zu 11 000 Kunden. Er spricht sogar von Polizeiaufgebot, „damit der Ausverkauf nicht aus dem Ruder gerät“. Und von mindestens 130 Mitarbeitern von der Insolvenzverwerter-Firma, die für Kasse, Sortiment-Sortierung und Kundenberatung zuständig sind.

Davon arbeiten in Altenstadt lediglich zehn. Gemeinsam mit fünf Arbeitskräften aus der Region, die dort die vergangenen Jahre geschuftet haben, bereits gekündigt wurden und sich nun einen neuen Job suchen müssen. Laut Reutlinger mit Erfolg. „Der Großteil hat bereits eine neue Stelle gefunden.“ Der Rest ist noch auf der Suche – nach Arbeit, oder einem neuen Lagerhaus zum Shoppen.

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