1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Altenstadt

Landwirt entdeckt scharfe Panzergranate auf Feld – und nimmt sie kurzerhand mit nach Hause

Erstellt:

Von: Elke Robert

Kommentare

Einsatzkräfte evakuierten in Schwabniederhofen die umliegenden Häuser
Einsatzkräfte evakuierten in Schwabniederhofen die umliegenden Häuser © Hans-Helmut Herold

Ein Landwirt hatte eine Granate am Montag auf dem Feld gefunden und mit nach Hause genommen, ohne die Gefahr zu erkennen. Ein Spezialteam rückte an. Doch wer zahlt für den Einsatz?

Update vom 19. Mai, 16.19 Uhr: Altenstadt / Schwabniederhofen - Nach der kontrollierten Sprengung eines noch scharfen Flugabwehrgeschosses in Schwabniederhofen am Dienstag ist das Thema noch nicht vom Tisch. Wer kommt für den großen Einsatz auf? Immerhin war die Evakuierung von mehreren Wohngebäuden notwendig, rund 30 Feuerwehrleute aus Schwabniederhofen und Altenstadt waren im Einsatz, sperrten auch die Kreisstraße. Neben den zwei Sprengmeistern des Münchener Sprengkommandos waren vier Beamte der Polizeiinspektion Schongau vor Ort sowie zwei Beamte des Einsatzzuges der Polizei Murnau. Auch der Rettungsdienst war mit dabei, ebenso wie zwei Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes.

„Seitens des Landratsamtes fallen keine Kosten für den Einsatz an“, so Pressesprecher Hans Rehbehn. Von der Polizei werde ebenfalls keine Rechnung gestellt, es handele sich um eine „typische polizeiliche Gefahrenabwehr“. Die eingesetzten Feuerwehren aus Schwabniederhofen und Altenstadt können je nach gemeindlicher Satzung Kosten für die technische Hilfeleistung abrechnen.

Landwirt findet scharfe Granate: Kampfmittelbeseitigung ist kostenfreie Leistung

Weil die örtlichen Sicherheitsbehörden in der Regel nicht über die erforderlichen Fachkenntnisse und Einrichtungen verfügen, um konkrete Gefahren durch aufgefundene „alte“ Kampfmittel abwehren zu können, helfe der Staat an dieser Stelle aus. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst arbeitet im Auftrag des Innenministeriums, das sei eine kostenfreie freiwillige Leistung.

Im direkten Umkreis ist so ein Munitionsfund eher ungewöhnlich, wie auch schon tags zuvor der Altenstadter Feuerwehrkommandant Johann Deschler betont hatte. Ende 2019 hatte der Fund einer Phosphorgranate aus dem Zweiten Weltkrieg einen großen Einsatz ausgelöst. Bei der Altenstadter Firma Jenoptik war die Granate bei Arbeiten nach einer Baumfällung beschädigt worden. Und auch an die Tauchaktionen an Schongaus Mühlkanalbrücke im Sommer 2018 erinnert man sich.

Der Schongauer Werner Schmitt, einst stellvertretender technischer Direktor bei der LTU, selbst Pilot und auch historisch mit der Luftfahrt und der Geschichte seiner Heimatstadt befasst, kann sich vorstellen, dass das Flugabwehrgeschoss bei einem Munitionstransport zur nur wenige Meter entfernten, 1937 erbauten Flakschule in Altenstadt verloren gegangen sein könnte. Diese Ausbildungsstätte existierte bis Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde dann zerstört. Dass das Abwehrgeschoss ein Blindgänger war, kann er sich dagegen wegen der Bodenbeschaffenheit am Fundort eher nicht vorstellen.

Erstmeldung vom 18. Mai: Altenstadt/Schwabniederhofen – Das hätte auch anders ausgehen können: Beim Pflügen auf dem Feld hatte ein Schwabniederhofener Landwirt am Montag die Panzergranate entdeckt und seinen Fund einfach mit nach Hause auf seinen Hof genommen – mitten im Ort. Heute früh alarmierte er dann aber doch die Polizei, die rasch handelte, denn die so unscheinbar aussehende Munition war eine 8,8-Zentimeter Flugabwehrkanone, kurz 8,8-cm-Flak oder „Acht-Acht“ und zu dieser Zeit noch scharf. „Der Landwirt hatte riesiges Glück“, so der Sprecher des Landratsamtes Weilheim-Schongau.

Landwirt findet scharfe Granate: Ein Fall für eine Spezialfirma

Ein Fall für die Spezialfirma Tauber Kampfmittelräumung. Zwei Sprengmeister des Sprengkommandos München waren rasch vor Ort. Die Verantwortlichen entschieden, die Weltkriegsmunition rasch aus dem Gefahrenbereich im Ort zu bringen. „Der Sprengmeister nahm das Risiko auf sich, die Panzergranate zu tragen“, so Helmut Stork vom Ordnungsamt im Landratsamt.

Um die Räumung zu erleichtern, wurde in aller Schnelle eine schmale Schneise Richtung Ortsrand gemäht und eine kleine Brücke über die Schönach gebaut. Bürgermeister Andreas Kögl, der ebenfalls vor Ort war, organisierte einen Minibagger, mit dem bei ausreichendem Sicherheitsabstand ein drei bis vier Meter tiefes Erdloch ausgegraben wurde. Ganz vorsichtig wurde darin die Flakmunition abgelegt und mit Sand bedeckt.

Für die kontrollierte Sprengung wurden die Bewohner einiger Häuser evakuiert

Nun konnte die kontrollierte Sprengung vorbereitet werden. Nachdem sich auch die zwei Sprengmeister hinter die Sicherheitslinie in 150 bis 200 Metern Abstand zurückgezogen hatten, wurde die Munition gezündet. „Es hat schon eine ordentliche Explosion gegeben, im Ort hat man das sicher gehört“, so Stork. Zur Sicherheit waren zuvor die Bewohner sowohl das betreffenden landwirtschaftlichen Gebäudes als auch von sieben umliegenden Häusern evakuiert und die Kreisstraße an dieser Stelle gesperrt worden.

mähten eine Schneise frei für die kontrollierte Sprengung
Damit die Panzergranate sicher zum Ort der kontrollierten Sprengung gebracht werden konnte, mähten Einsatzkräfte eine Schneise ins hohe Gras © Hans-Helmut Herold

Die Panzergranate stamme mit großer Sicherheit aus dem Zweiten Weltkrieg, hieß es vor Ort. Ob die Munition einst während eines Übungsschießens von der nahen Flakschule abgeschossen wurde oder während eines Kampfes, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Klar ist: Zumindest schwere Gebäudeschäden hätten entstehen können. Im schlimmsten Fall aber wären böse Verletzungen entstanden, denn die Splitter dieser Panzergranate fliegen 80 bis 100 Meter weit.

„Munitionsfunde nicht anfassen oder mitnehmen“

Der Münchener Sprengmeister Sebastian Braun warnt vor der großen Gefahr bei Munitionsfunden und appelliert an die Bürger, bitte niemals unbekannte Fundgegenstände anzufassen geschweige denn diese mitzunehmen – „bitte tunlichst liegen lassen und die Polizei alarmieren – die kümmert sich um alles“. Stork formulierte es noch deutlicher: „Das kann lebensgefährlich sein.“

„Das wäre nicht lustig gewesen, wenn die Granate hochgegangen wäre“, fasste es Altenstadts Kommandant Johann Deschler zusammen. „Das ist nichts Alltägliches“, so Deschler weiter. Seit seiner aktiven Zeit bei der Feuerwehr kann er sich nur an einen einzigen ähnlichen Vorfall erinnern. Ende 2019 hatte der Fund einer Phosphorgranate aus dem Zweiten Weltkrieg einen großen Einsatz ausgelöst. Bei der Altenstadter Firma Jenoptik war die Granate bei Arbeiten nach einer Baumfällung – der Wurzelstock war abgefräst worden – beschädigt worden und nach einer Stichflamme ein Feuer entstanden. Bis die Feuerwehr eintraf hatten Firmenmitarbeiter die Flammen aber bereits mit einem Feuerlöscher erstickt, es wurde niemand verletzt.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare