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Ein Soldat springt aus der SC-7 Skyvan , die aufgrund der Farbe „Pink“ genannt wird.

Fallschirmspringerausbildung in Altenstadt 

Klage über „Lärmterror“

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Die Fallschirmspringer gehören zu Altenstadt wie der weißblaue Himmel zu Bayern. Zwei Anwohner haben sich jetzt allerdings über die vom Flugplatz aufsteigenden neuen Maschinen beschwert. Sie sehen sie zu oft über bewohnten Gebieten fliegen und klagen über Lärm. Die Bundeswehr und Altenstadts Bürgermeister weisen die Vorwürfe zurück.

Altenstadt – Benno Saal ist mit den Nerven am Ende: Der 68-jährige Rentner, der an der Finkenstraße in Schongau- West lebt, spricht von „Lärmterror“ und meint damit die Flugzeuge, die bei Altenstadt aufsteigen. „Sie fliegen in 300 Metern Höhe über mein Haus“, klagt der Schongauer. Jeden Tag werde von 8.30 bis 16.30 Uhr mit zwei bis drei Maschinen geflogen, „und das permanent über Schongau-West und Altenstadt“, schimpft der Rentner, der sich schon bei der Stadt beschwert hat. Zuhause hält es der 68-Jährige bald nicht mehr aus: „Ich schaue, dass ich so oft wie möglich fort komme.“

Ähnliche Kritik äußert ein Altenstadter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auch er ist den Fluglärm leid. Wie Saal hat der Altenstadter grundsätzlich nichts gegen die Fallschirmspringer der Bundeswehr. Ganz im Gegenteil: Beide schätzen den Ausbildungsstützpunkt Luftlande und Lufttransport in Altenstadt und wissen, dass es ihn nicht erst seit gestern gibt. „Ich verstehe nur nicht, dass die Flugzeuge ständig über Altenstadt und Schongau kreisen, bis sie oben sind, und nicht in nördlicher Richtung über dem Wald aufsteigen“, sagt der Altenstadter. „Ich wundere mich, dass sich nicht schon mehr Leute beschwert haben.“

Christoph Hartung, Presseoffizier des Ausbildungsstützpunktes, betont auf Anfrage, dass es immer Ziel sei, niemanden zu belästigen. Aus diesem Grund starten seinen Angaben nach die Maschinen für gewöhnlich in Richtung Westen. Der weitere Aufstieg der Flugzeuge erfolge dann über Waldgebieten. Das geht offenbar aber nicht immer: Aus Sicherheitsgründen starten die Flugzeuge laut Hartung manchmal auch in Richtung Osten. Das sei dann der Fall, wenn starker Wind aus einer Richtung komme. Wie häufig das zuletzt der Fall war, kann er nicht sagen.

Insgesamt war seinen Angaben nach in jüngster Zeit am Himmel aber mehr geboten als üblich. Grund sei eine Dopplung der Lehrgänge von Mitte Mai bis Mitte Juni gewesen. In der Hochzeit waren drei Flugzeuge im Einsatz. Im Vergleich zu dem, was in Altenstadt noch vor zehn Jahren los war, sei aber auch das wenig, betont der Presseoffizier. Der Standort der Bundeswehr in Altenstadt ist bekanntlich schon seit 1956 die zentrale Ausbildungseinrichtung für das Luftlande- und Lufttransportwesen und der Fallschirmsprungausbildung.

Wie berichtet, kommen die Fallschirmjäger mittlerweile nur noch höchst selten mit den Transall-Maschinen angeflogen, die mit ihrem monotonen Klang offenbar weniger störend waren. Viel öfter steigen sie jetzt in kleinen zivilen Flugzeugen direkt in Altenstadt auf; der eigene Heeresflugplatz macht es möglich. Die Maschinen werden von der Bundeswehr gechartert. Das hat sich nach Angaben des Projektoffiziers Hauptmann Tobias Hub sehr bewährt: „Zivile Luftfahrzeuge sind in der Ausbildung immer dann verfügbar und einsatzbereit, wenn wir sie benötigen. Durch die extrem kurzen Umlaufzeiten an unserem eigenen Heeresflugplatz können wir so eine hohe Ausbildungsintensität erzielen.“ Neben zwei M-28 Skytruck-Maschinen sind für das taktische Freifalltraining auch zwei SC-7 Skyvan am Himmel unterwegs. Die aufgrund ihrer knalligen Farben „Pink“ genannten Flugzeuge bringen die Springer auf 4000 Meter Höhe.

Dass alle Flugzeuge möglichst über unbewohnten Gebieten aufsteigen, betont auch Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck. Im Vergleich zu früher spricht der Rathauschef beim Lärm sogar von einer Erleichterung. „Wir haben jetzt deutlich weniger Hubschrauber“, erklärt Hadersbeck, dem aktuell keine Beschwerden zu Ohren gekommen sind. „Die Bundeswehr versucht, den Bürgern entgegen zu kommen, soweit es geht“, ist er sich sicher.

Benno Saal gibt sich mit den Erklärungen der Bundeswehr nicht zufrieden. Das Argument mit dem Wind hält er für eine „faule Ausrede“.

Seit dieser Woche wird Altenstadt auch von dem neuen Bundeswehr-Airbus A400M angesteuert.

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