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„Ich wollte immer mehr erreichen“: angehende Regierungsamtfrau Claudia Seifert.

Frauen bei der Bundeswehr (2)

„Die Dinge voranbringen“

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Als Frau Karriere bei der Bundeswehr? Auch in Leitungsfunktionen stehen immer mehr Frauen bestens ihren Mann – ob als Soldatin, als Bundesbeamtin oder Zivile Angestellte. Wir waren in der Franz-Joseph-Strauß-Kaserne in Altenstadt zu Gast und haben die Chefinnen an ihrem Arbeitsplatz besucht. Heute:Regierungsoberinspektorin Claudia Seifert (42).

Altenstadt– Claudia Seifert ist bei der Bundeswehr ein alter Hase. In Leipzig aufgewachsen, verschlug es sie im Dezember 1989 nach Peiting. Nach der Realschule in Schongau folgte das Fachabitur in Kaufbeuren. Doch was dann? „Damals gab es noch nicht so viele Lehrstellen, ich habe nichts Passendes gefunden.“ Eine Schulfreundin brachte Seifert auf die Idee mit der Bundeswehr. Das Bewerbungsgespräch 1994 bei der damaligen Wehrbereichsverwaltung München hat sofort geklappt. So schlug sie die Laufbahn ein als Beamtin des mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienstes der Bundeswehr.

Die Laufbahn begann bei der Bezirksverwaltung in Penzing, es folgten verschiedene Stationen in der Region. „Ich wollte immer mehr erreichen, als Hauptsekretärin, also Hauptfeldwebel, zu sein, mehr Verantwortung übernehmen“, so Claudia Seifert. Vor allem will sie eines: „Die Dinge voranbringen. Es macht nicht zufrieden, wenn man immer so ausgebremst wird von den Vorgesetzten.“Also suchte sie eine weitere berufliche Herausforderung und studierte im April 2010 über ein internes Förderungsprogramm Diplomverwaltungswissenschaften in Mannheim. Sie hatte Glück, kam in die Franz-Joseph-Strauß-Kaserne zurück. Es folgten fünf Jahre im Bereich Finanzen – über den Tisch gingen rein rechnerisch viele Millionen Euro im Jahr. Claudia Seifert betreute als Beauftragte für den Haushalt das Bataillon. Anfang Januar übernahm sie den Leitungsposten im Objektmanagement. Sie ist verantwortlich für die gesamte Infrastruktur in der Liegenschaft. Auch eine Beförderung steht an.

Die angehende Regierungsamtfrau hat nicht irgendein Pöstchen inne. Es geht um die Instandsetzung der Gebäude und Flächen, der Bausubstanz der Kaserne, die Größtenteils noch aus dem Jahr 1936 stammt. „Wo immer man hier durchgeht – es ist an allen Ecken und Enden etwas zu tun.“ Ihr Vorgänger sei ein Macher gewesen, der heutige Amtsrat Franz Mückenberger habe Vieles in die Wege geleitet. „Aber was Jahrzehntelang verpasst worden ist, auch aus Geldmangel, kann man nicht binnen von wenigen Jahren ändern.“

Die 42-Jährige, die privat in der Nähe von Landsberg wohnt, nimmt kein Blatt vor den Mund, legt den Finger auch dorthin, wo im eigenen System Verbesserungen dringend notwendig wären. Ein großes Thema ist der Personalmangel in allen Bereichen. „Bei der Verwaltung ist es ganz extrem“, so ihre Einschätzung. Zumal derzeit rund die Hälfte der Mitarbeiter im Verwaltungsbereich älter als 50 Jahre seien, das heißt, sie scheiden alle in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren aus. „Der Tarifvertrag ist nicht attraktiv genug“, so Seifert. Seit Abschaffung der Wehrpflicht sei außerdem die Eigenwerbung für die Bundeswehr weggebrochen. Dabei könne man bei der Bundeswehr viel erreichen – wenn man nicht zu sesshaft ist. Und kommt viel herum: Gerne erinnert sie sich an ihre Monate im vergangenen Jahr in London zurück als Budget Officer der Mission Atalanta. Auch auf alle Nato-Stellen könne man sich bewerben. Insgesamt habe sie nur positive Erfahrungen gemacht, auch mit den männlichen Kollegen. Es sei bei der Bundeswehr wie überall auch, lacht Seifert. „Wie man in den Wald reinschreit, so schallt es auch zurück – ich werde überall unterstützt.“

Claudia Seifert ist sportlich unterwegs. Das betriebliche Gesundheitsmanagement muss ab 2019 eingeführt sein. Nicht nur in diesem Zusammenhang lobt sie die Arbeit von Ursula von der Leyen, die dem Besucher im Büro von einer Pinnwand großformatig entgegenlächelt. Zwei Angebote gibt es schon jetzt: Seit einem Jahr bietet Seifert wöchentlich Yoga an, ein ehemaliger Stabsfeldwebel eine Rückenschule. Im Büro wartet außerdem ihr Radl, ein Cross-Bike. „Ich habe einen aktiven Dienstposten, bin viel unterwegs, möchte alles rasch erledigen. Mit dem Rad ist man schneller und wendiger als mit einem Dienstkfz.“ Wenn das Wetter wieder besser wird, steht der Drahtesel natürlich wieder draußen. Ein Schloss braucht sie trotzdem nicht. Seifert lacht: „Ein Damenrad klaut hier keiner.“

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